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Wii
Die Wii [wiː] ist eine von dem japanischen Unternehmen Nintendo veröffentlichte stationäre Spielkonsole. Sie stellt den Nachfolger des Nintendo GameCube dar …
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Überblick und Bedeutung
Die Wii ist eine stationäre Spielkonsole des japanischen Unternehmens Nintendo. Sie ist der Nachfolger des Nintendo GameCube und erschien am 19. November 2006 in Nordamerika, am 2. Dezember 2006 in Japan und am 8. Dezember 2006 in Europa. Während ihrer Vermarktung konkurrierte sie direkt mit Sonys PlayStation 3 und Microsofts Xbox 360. Produziert wurde sie bis 2013, die Wii mini bis 2017.
Das wichtigste Merkmal der Wii ist ihre Bewegungssteuerung. Der Hauptcontroller, die Wii Remote, sieht ähnlich aus wie eine Fernbedienung, besitzt aber Bewegungssensoren, Vibrationsmotoren, einen Lautsprecher und eine Infrarotkamera. Das Spielsystem misst dreidimensionale Bewegungen der Nutzerinnen und Nutzer und setzt sie in Bewegungen auf dem Bildschirm um. Dadurch konnten Spiele nicht nur über Knöpfe und Analogsticks gesteuert werden, sondern durch Schwingen, Zielen oder andere Bewegungen des Controllers.
Die Wii wurde über 101 Millionen Mal verkauft; der Stand vom 31. Januar 2026 nennt etwa 101,63 Millionen verkaufte Einheiten. Damit gehört sie zu den meistverkauften Spielkonsolen überhaupt. Das meistverkaufte Spiel war Wii Sports mit etwa 82,90 Millionen verkauften Einheiten (Stand: 31. März 2024). Insgesamt wurden etwa 921,85 Millionen Software-Einheiten verkauft (Stand: 30. Juni 2020). Der Erfolg der Wii machte bewegungsgesteuerte Spiele deutlich populärer und beeinflusste auch die Konkurrenz: Sony veröffentlichte PlayStation Move, Microsoft Kinect.
Konsole, Versionen und Steuerung
Die erste Wii-Version misst 157 mm × 215,4 mm × 44 mm und war damit deutlich kleiner als die Konkurrenzkonsolen von Sony und Microsoft. Sie konnte senkrecht oder waagerecht betrieben werden. Das Gehäuse bestand fast vollständig aus glänzendem Kunststoff, zunächst vor allem in Weiß, später auch in Schwarz. Die zweite Hardware-Revision erschien im Oktober 2011. Sie war nicht mehr mit GameCube-Spielen und -Zubehör kompatibel und ließ sich nur noch horizontal aufstellen.
Die dritte Revision hieß Wii mini und erschien am 7. Dezember 2012 zunächst in Kanada, am 15. März 2013 in Deutschland und am 22. März 2013 in Großbritannien. Sie war schwarz-rot gestaltet und wurde mit Sensorleiste, A/V-Kabel, Wii-Fernbedienung inklusive MotionPlus und Nunchuck ausgeliefert. Im Vergleich zur ersten Wii fehlten bei ihr die GameCube-Abwärtskompatibilität, die Internetverbindung, die Unterstützung für S-Video-, RGB- und Komponentenvideokabel sowie die SD-Karten-Kompatibilität.
Die Wii Remote bestimmt ihre Position mithilfe zweier Referenzpunkte in der Sensorleiste und einer Infrarotkamera an der Vorderseite des Controllers. Zusätzlich erkennt ein Beschleunigungssensor Bewegungen und Drehungen. Die Verbindung zur Konsole erfolgt kabellos über Bluetooth. Der maximale Abstand beträgt 10 Meter; beim Zielen per Infrarot nennt der Hersteller höchstens 3 Meter. Der Controller kann außerdem vibrieren, Töne über einen eingebauten Lautsprecher ausgeben und Benutzerprofile sowie Miis speichern.
Ein weiteres Eingabegerät ist das Wii Balance Board. Es wurde mit Wii Fit und Wii Fit Plus ausgeliefert und funktioniert wie eine Balance-Körper-Waage mit vier Sensorflächen. Es misst Position und Verlagerung des Körpergewichts und sendet die Daten per Bluetooth an die Konsole. Das maximale Körpergewicht darf 150 kg nicht überschreiten. Da das Balance Board den vierten Spielerplatz belegt, können bei seiner Nutzung höchstens drei weitere Wii-Fernbedienungen angemeldet sein.
Onlinefunktionen, Kanäle und Virtual Console
Die Wii war für einen dauerhaften Internetanschluss gedacht. Die Funktion WiiConnect24 hielt bei Aktivierung auch im Ruhezustand Verbindung zu Nintendo-Servern. So konnten bis zum 28. Juni 2013 Nachrichten empfangen und Software-Aktualisierungen vorgenommen werden. Mehrspielerpartien liefen über die Nintendo Wi-Fi Connection. Nintendo gab im Februar 2014 bekannt, viele wichtige Onlinefunktionen von Wii und Nintendo DS am 20. Mai 2014 abzuschalten, darunter Online-Mehrspielermodus, Matchmaking und Bestenlisten.
Die Benutzeroberfläche der Wii war als Wii-Menü mit „Kanälen“ gestaltet. Dieses Prinzip sollte an Fernsehsender erinnern und dadurch auch neue Zielgruppen ansprechen. Zu den von Beginn an vorhandenen Kanälen gehörten der Disc-Kanal, der Mii-Kanal, der Foto-Kanal, der Wii-Shop-Kanal, der Wetterkanal und der Nachrichtenkanal. Der Mii-Kanal diente zum Erstellen von Miis, also dreidimensionalen Spielfiguren oder Avataren. Der Fotokanal konnte Bilder und Videoclips von SD-Karten anzeigen und einfache Bearbeitungen oder Spiele wie ein Puzzle ermöglichen.
Über den Wii-Shop-Kanal konnten Spiele und Software gekauft werden. Angeboten wurden unter anderem ältere Spiele für die Virtual Console, zusätzliche Kanäle wie der Internetkanal und neu entwickelte WiiWare-Spiele. Neues Guthaben konnte nur bis zum 26. März 2018 aufgeladen werden, neue Spiele und Software konnten nur bis zum 31. Januar 2019 erworben werden. Viele Kanäle wurden später eingestellt, darunter Wetterkanal, Nachrichtenkanal, Meinungskanal und Nintendo Kanal am 28. Juni 2013.
Die Virtual Console ermöglichte per Emulation Spiele älterer Systeme, darunter NES, Super Nintendo, Nintendo 64, PC Engine beziehungsweise TurboGrafx, Sega Master System, Sega Mega Drive und Commodore 64. Bezahlt wurde mit Wii Points. Ende 2007 kosteten 1000 Wii Points etwa 10 Euro. Beispiele für damalige Preise waren 500 Punkte für NES-Spiele, 800 Punkte für SNES- und Mega-Drive-Spiele und 1000 Punkte für Nintendo-64-Spiele. Einmal gekaufte Spiele konnten auf derselben Konsole erneut heruntergeladen werden, aber nicht umgetauscht oder weiterverkauft werden.
Spiele, Kompatibilität und Multimedia
Zum Verkaufsstart der Wii in Deutschland waren 15 Spiele erhältlich. Danach erschienen fast wöchentlich neue Titel von Herstellern wie Nintendo, Electronic Arts, Ubisoft, THQ, Midway Games, Sega und Activision. Unter dem Namen „new Play Control!“ veröffentlichte Nintendo ältere GameCube-Spiele erneut, angepasst an die Wii-Fernbedienung und das 16:9-Format. Beispiele sind Pikmin, Pikmin 2, Mario Tennis und Donkey Kong Jungle Beat. The Legend of Zelda: Twilight Princess erschien fast zeitgleich für GameCube und Wii.
Die erste Wii-Version war abwärtskompatibel zum Nintendo GameCube. Sie konnte die kleineren GameCube-Discs lesen und besaß Anschlüsse für GameCube-Controller und -Speicherkarten. Für GameCube-Spiele waren ein GameCube-Controller und für Speicherfunktionen eine GameCube-Speicherkarte nötig. Im GameCube-Modus wurden Wii-Hardware wie Wii-Fernbedienung, interne Wii-Speicherplätze, SD-Karte und USB-Anschlüsse deaktiviert, die CPU wurde heruntergetaktet. Spätere Wii-Modelle, darunter die Revision ab 2011 und die Wii mini, boten diese Kompatibilität nicht mehr.
Die Wii konnte außerdem mit dem Nintendo DS über WLAN verbunden werden. Das erste Spiel mit diesem Feature war Pokémon Battle Revolution. Besitzer von Pokémon Diamant und Pokémon Perl konnten ihre Pokémon auf die Wii übertragen. Über den Nintendo Kanal konnten auch Demo-Versionen einiger Nintendo-DS-Spiele auf einen DS heruntergeladen werden.
Die Multimediafähigkeiten waren eingeschränkt. Der Fotokanal spielte Bilder und Videos im JPEG-Format von SD-Karte ab und konnte AAC-Dateien als Hintergrundmusik für Diashows nutzen; MP3-Wiedergabe war seit Dezember 2007 nicht mehr möglich. Die Wii gab kein HDTV-Signal aus. Die höchste 4:3-Auflösung war 576i; bei aktiviertem 16:9- und 480p-Modus konnte ein Signal von 852 × 480 Pixeln ausgegeben werden. DVD-Filme konnte die Wii offiziell nicht abspielen, obwohl eine solche Funktion zunächst angekündigt worden war.
Technik und Modifikationen
Der Hauptprozessor der Wii trägt den Codenamen „Broadway“. Er basiert auf der „PowerPC 750 CL“-Architektur, wurde von IBM und Nintendo entwickelt und ist mit 729 MHz getaktet. Der Grafikprozessor heißt „Hollywood“, wurde von ATI Technologies und Nintendo entwickelt und ist mit 243 MHz getaktet. Er basiert auf dem Grafikchip „Flipper“ des GameCube. Die Konsole besitzt 88 MB Hauptspeicher, davon 24 MB schnelles internes 1T-SRAM und 64 MB externes GDDR3 SDRAM, außerdem 3 MB GPU-Textur-Speicher und 512 MB Flashspeicher. Dieser ist über SD- beziehungsweise seit Firmware-Update 4.0 über SDHC-Karten bis 32 GB erweiterbar.
Die Bildausgabe erfolgt analog über einen proprietären Multi-AV-Port. Unterstützt werden je nach Region Composite, RGB, S-Video und Komponentensignale. Für Ton bietet die Wii Stereo und ist „Dolby Pro Logic II“-fähig; die Wii Remote besitzt zusätzlich einen integrierten Lautsprecher. Zur Verbindung stehen unter anderem ein SD-Kartensteckplatz, zwei USB-2.0-Anschlüsse, ein Anschluss für die Sensorleiste und bei der ersten Version Anschlüsse für GameCube-Controller und -Speicherkarten zur Verfügung. WLAN unterstützt IEEE 802.11b/g mit WEP, WPA und WPA2.
Die Wii war wie viele Konsolen als geschlossenes System angelegt: Nintendo kontrollierte, welche Software darauf laufen konnte. Dennoch entwickelte sich eine Homebrew-Szene, also eine Gruppe von Nutzern, die eigene, nicht offiziell zugelassene Software ausführt. Die Homebrew-Vereinigung fail0verflow, früher Team Twiizers, entwickelte 2008 den Homebrew Channel. Damit konnte eigene Software von SD-Karte oder USB-Stick gestartet werden, nachdem ein Exploit Schutzmechanismen der Wii umgangen hatte. Auch Modchips und veränderte Sensorleisten wurden beschrieben. Der Artikel weist allerdings darauf hin, dass Teile des Modifikationsabschnitts seit 2007 nicht mehr aktuell sein könnten.
Geschichte, Strategie und Nachwirkung
Vor der Veröffentlichung trug die Wii den Projektnamen „Revolution“. Nintendo zeigte 2005 auf der E³ erstmals einen Prototyp, zunächst ohne Controller. Am 16. September 2005 stellte Satoru Iwata den Controller auf der Tokyo Game Show vor. 2006 wurde kurz vor der E³ der endgültige Name bekanntgegeben. Auf der E³ zeigte Nintendo die Konsole und den Controller in Aktion, unter anderem mit Twilight Princess, Red Steel und Wii Sports: Tennis.
Nintendo verfolgte mit der Wii eine Blue-Ocean-Strategie. Damit ist hier gemeint, dass Nintendo nicht hauptsächlich über bessere Grafik- und Rechenleistung gegen PlayStation 3 und Xbox 360 konkurrieren wollte, sondern neue Zielgruppen erreichen wollte. Die einfache Bewegungssteuerung sollte auch Menschen ansprechen, die bisher wenig Interesse an Videospielen hatten. Der Name Wii sollte an das englische „we“ erinnern und damit Gemeinsamkeit betonen; passend dazu heißen die Avatare „Mii“.
Die zeitgenössische Rezeption lobte besonders die einfache Bedienung, Wii Sports als Einstiegsspiel, das kompakte Design, den Preis und die GameCube-Abwärtskompatibilität der ersten Version. Kritik betraf unter anderem fehlende Funktionen und schwächere Leistung im Vergleich zur Konkurrenz. Die Wii mini wurde wegen fehlender Onlinefunktionalität, fehlender GameCube-Abwärtskompatibilität und fehlender HDMI-Anschlussmöglichkeit deutlich kritischer gesehen.
Rückblickend wurde die Wii oft als einflussreiche Konsole bewertet. Sie stellte Spielspaß und intuitive Bedienung stärker in den Vordergrund als technische Leistung. Gleichzeitig wurden die technischen Grenzen später ein Problem, weil sich immer mehr Dritthersteller zurückzogen und die Bewegungssteuerung an Neuheit verlor. Am 25. April 2011 bestätigte Nintendo einen Nachfolger mit dem Codenamen Project Café. Auf der E3 2011 wurde die Wii U vorgestellt; sie erschien Ende 2012, konnte aber mit etwa 13 Millionen Verkäufen nicht an den Erfolg der Wii anknüpfen.