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Wienerlied

Das Wienerlied ist ein Lied, das aus Wien stammt und die Stadt Wien zum Thema hat oder etwas charakteristisch Wienerisches besingt (nach Harry Zohn ein Lied …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Kern und Themen
  2. 2. Entstehung und frühe Quellen
  3. 3. Blütezeit und Brüche
  4. 4. Aktualisierung seit den 1970er Jahren
  5. 5. Begleitung und Klang
  6. 6. Wichtige Namen und Beispiele

Kern und Themen

Das Wienerlied ist ein Lied aus Wien, das die Stadt Wien selbst oder etwas typisch Wienerisches besingt. Harry Zohn beschreibt es als Lied „aus, über und für Wien“. Deshalb ist der Text meist auf Wienerisch, also im Wiener Dialekt. Inhaltlich verbindet es Gemütlichkeit und Humor, manchmal auch schwarzen Humor, Spott oder satirische Kritik.

Wichtige Themen sind Leichtlebigkeit und Vergänglichkeit, auch Vanitas genannt. Diese Vergänglichkeit kann melancholisch, unbeschwert oder satirisch dargestellt werden. Häufig besingt das Wienerlied sogar sich selbst: das klingende Lied aus Wien wird zum eigenen Thema. Es gehört, ähnlich wie der Berliner Gassenhauer, zum „populären Großstadtlied“, also zu einer Liedform, die stark mit dem städtischen Alltagsleben verbunden ist.

Seine größte Popularität hatte das Wienerlied vom Ende des 19. Jahrhunderts bis in die 1930er Jahre und erneut nach dem Zweiten Weltkrieg bis in die 1980er Jahre. Danach verlor es durch die weitgehende Streichung aus dem ORF-Sendeangebot an Breitenwirkung. In traditioneller Form gilt es heute besonders beim jüngeren Medienpublikum als nahezu unbekannt.

Entstehung und frühe Quellen

Der Ausdruck „Wienerlied“ entstand erst nach 1850, in der Zeit der Urbanisierung Wiens. Damals begann man, das Volkstümliche und Ursprüngliche stärker zu vermissen. Das ist wichtig, weil die moderne Vermarktung des Wienerlieds im Gegensatz zu den oft vormodernen Inhalten stand, die es besang.

Als erstes Wienerlied wird oft „O, du lieber Augustin!“ genannt. Die Forschung weist aber darauf hin, dass die Melodie schon vor 1800 als böhmisches Walzerlied verbreitet war. Ab 1799 wurde das Lied in Wien populär und vielfach bearbeitet, etwa für das Theater oder als Parodie.

Das Wienerlied hängt eng mit schriftlicher Überlieferung und den zunehmenden Musikdrucken nach 1800 zusammen. Deshalb sind die Autoren meist bekannt. Es steht in der Tradition von Bänkelsängern, Leiermännern und Harfenisten. Diese älteren Darbietungsformen wurden nicht einfach verdrängt, sondern bestanden neben den neuen Formen weiter.

Das Wiener Volksliedwerk nennt mehrere Quellen des Wienerlieds: Straßenlied, Theatercouplet, Kunstlied, Vorträge professioneller „Volkssänger“, ländliche Lieder sowie Operette, Varieté und Kabarett. Beispiele sind Theatercouplets von Johann Nestroy und Ferdinand Raimund, Kunstlieder von Franz Schubert oder Operetten- und Unterhaltungslieder wie „Draußen in Sievering“ von Johann Strauss (Sohn), „Ich bin ein Wienerkind“ von Franz Lehár und „Im Prater blüh'n wieder die Bäume“ von Robert Stolz.

Blütezeit und Brüche

1852 regelte die k.k. NÖ Statthalterei das Volkssängerwesen. Wer eine nur einjährige Lizenz erhalten wollte, musste Unbescholtenheit sowie musikalische und sonstige Bildung nachweisen. Der Leiter eines Ensembles musste mindestens 30 Jahre alt sein, die Mitglieder mindestens 20 Jahre. Erlaubt waren höchstens vier Personen; offiziell durften bis 1871 keine Frauen mitwirken. Texte und Benehmen wurden behördlich überprüft.

Populäre Interpreten traten in Lokalen und Singspielhallen auf. Genannt werden unter anderem Johann Fürst, Edmund Guschelbauer, Carl Lorens und Josef Matras. Auch Volkssängerinnen wie die „Fiaker-Milli“ Emilie Turecek-Pemer, Antonie Mannsfeld und Fanny Hornischer waren beim Publikum sehr beliebt. Opernsänger und Schauspieler wie Alexander Girardi und Hermann Leopoldi widmeten sich ebenfalls dem Wienerlied.

Bekannte Autoren dieser Zeit waren Wilhelm Wiesberg mit „Das hat ka Göthe gschriebn“, Carl Lorens mit „Die Weana Gemütlichkeit stirbt niemals aus“, Oskar Hofmann mit „Die Stadt der Lieder“ und Gustav Pick mit dem Fiakerlied „I führ zwa harbe Rappen“ von 1885.

In der Zwischenkriegszeit, besonders während der Weltwirtschaftskrise, zeigte sich im Wienerlied eine sentimentale Sehnsucht nach der Belle Epoque vor 1914. Beispiele sind „Herr Doktor, erinnern Sie sich noch ans Zwölferjahr?“ und Robert Katschers „Der Dr. Lueger hat mir die Hand gereicht.“ aus „Essig und Öl“. Nach dem Anschluss Österreichs 1938 wurden Wienerlieder jüdischer Textdichter und/oder Komponisten verboten, darunter das sehr populäre „Im Prater blühn wieder die Bäume“, weil der Textdichter Kurt Robitschek Jude war, sowie Kompositionen von Hermann Leopoldi.

Nach dem Zweiten Weltkrieg machten Interpreten wie Schmid Hansl, Paul Hörbiger, Hans Moser, das Duo Hilde und Richard Czapek und später Peter Alexander Wienerlieder wieder weithin bekannt. Zugleich entstanden viele Parodien und Persiflagen. Gerhard Bronner, Peter Wehle, Helmut Qualtinger, Hermann Leopoldi und Georg Kreisler nutzten die Stilform auch als Kabarettlied, etwa in „Tauben vergiften“, „Der Tod muss ein Wiener sein“ und „Wie schön wäre Wien ohne Wiener“.

Aktualisierung seit den 1970er Jahren

In den 1970er Jahren wurde das Wienerlied in verschiedenen Richtungen wiederbelebt. Eberhard Kummer, Jurist und ausgebildeter Sänger, nahm 1973 beim ORF Lieder aus den Kremser-Alben von 1911 auf. Diese Aufnahmen erschienen 1978 und 1981 auf Langspielplatten und 1997 auf CD. Kummer orientierte sich an historischer Aufführungspraxis und begleitete sich mit Drehleier, Harfe oder Gitarre. Diese Formen kannte er aus seiner Familientradition, während sie allgemein kaum noch rezipiert wurden.

Andere Künstler gingen einen moderneren Weg. André Heller, Karl Hodina und Roland Neuwirth verbanden traditionelle Elemente mit Jazz oder Blues. Weitere Interpreten neuer Wienerlieder sind Ernst Molden, Walther Soyka und Franz Wyzner.

Gleichzeitig verschwand das traditionelle Wienerlied mit der Umstellung von Radio Wien auf „Urban Music“ ganz aus dem Sendeangebot dieses Regionalsenders. Der Artikel betont, dass Radio Wien der einzige von neun ORF-Landessendern sei, der keine Musik der Region ausstrahle. Vorher hatten Sendungen wie „Was gibt es Neues?“ mit Heinz Conrads ab 1946 im Radio und ab 1957 auch im Fernsehen für regelmäßige Präsenz gesorgt. Dadurch sind selbst früher sehr populäre Wienerlieder heute in der Gruppe der unter 30-Jährigen praktisch unbekannt. Radio Niederösterreich behandelt das Wienerlied weiterhin regelmäßig in der Sendung „aufhOHRchen“.

Seit 2000 versucht das jährliche Festival „wean hean“, das Wienerlied wieder einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. 2008 fand erstmals das Festival „echt:wien“ statt, das neben dem Wienerlied auch Dialekt-Literatur und Wiener Küche aufnimmt. 2015 interpretierte Wolfgang Ambros Wienerlieder, die einst durch Hans Moser bekannt geworden waren, und veröffentlichte zwei CD-Alben. Seit 2018 singt Andy Lee Lang traditionelle Wienerlieder und veröffentlichte die CD „Weana Gaudi“. Seit 2019 gibt es außerdem das Festival des traditionellen Wienerliedes „So klingt's in Wien“ in Zusammenarbeit mit Wienerliedvereinen.

Begleitung und Klang

Die typische Instrumentalbegleitung des Wienerlieds entwickelte sich aus älteren Wiener und oberösterreichischen Musiktraditionen. Die bei Eduard Kremser genannten Instrumente gehen auf die Linzer Geiger zurück, die zwei Geigen und eine kleine Bassgeige, das „Bassettl“, verwendeten. Ein Kupferstich von Opitz aus dem Ende des 18. Jahrhunderts zeigt herumziehende Musikanten in Wien als Quartett mit zwei Geigern, einem Harfenisten und einem Fagottisten.

Um 1850 ersetzte die neu erfundene Kontragitarre die unhandliche Harfe. Im Schrammel-Quartett spielte der Klarinettist Georg Dänzer ab 1884 die hohe G-Klarinette, genannt „picksüßes Hölzl“, zusammen mit Kontragitarre und zwei Geigen. Nach Dänzers Tod wurde die inzwischen unbeliebte Klarinette durch die ab 1882 gebaute Schrammelharmonika ersetzt, die in hohen Lagen einen ähnlichen Klang hatte.

Aus dieser Entwicklung entstand das sogenannte „Packl“. Damit ist ein Duo aus Kontragitarre und Schrammelharmonika gemeint. Diese Besetzung wurde zu einer wichtigen Klangform des Wienerlieds.

Wichtige Namen und Beispiele

Der Artikel nennt viele Komponisten, Interpreten und Liedbeispiele. Zu den bekannten Komponisten gehören unter anderem Horst Chmela, Richard Czapek, Josef Fiedler, Ludwig Gruber, Bruno Hauer, Karl Hodina, Hans Lang, Karl Föderl, Hermann Leopoldi, Gustav Pick, Ludwig Schmidseder und Johann Schrammel. Beispiele bekannter Lieder sind „Ana hot imma des Bummerl“, „I hab halt a Faible für Ober St. Veit“, „Mei Muatterl war a Weanerin“, „Die Reblaus“, „Schön ist so ein Ringelspiel“, „In einem kleinen Café in Hernals“, „Fiakerlied“ und „’s Herz von an echten Weana“.

Bekannte Interpreten sind unter anderem Peter Alexander, Maria Andergast, Gerhard Bronner, die 16er Buam, Horst Chmela, Heinz Conrads, Alexander Girardi, André Heller, Karl Hodina, Paul Hörbiger, Georg Kreisler, Hans Moser, Roland Neuwirth, Hansl Schmid und das Trio Wien. Die Listen zeigen, dass das Wienerlied sowohl mit professioneller Unterhaltung, Theater und Kabarett als auch mit Volksmusik und späteren Aktualisierungen verbunden ist.

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