Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Wear Sunscreen

Wear Sunscreen (englisch tragen Sie Sonnenschutz auf) ist die erste Empfehlung aus dem Essay Advice, like youth, probably just wasted on the young der …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Gegenstand und Bedeutung
  2. 2. Der Essay und seine Ratschläge
  3. 3. Die falsche Zuschreibung an Kurt Vonnegut
  4. 4. Vom Kolumnentext zum Spoken-Word-Lied
  5. 5. Veröffentlichungen, Video und Erfolg
  6. 6. Coverversionen und Parodien

Gegenstand und Bedeutung

„Wear Sunscreen“ („Tragen Sie Sonnenschutz auf“) ist die erste Empfehlung aus dem Essay „Advice, like youth, probably just wasted on the young“ der Kolumnistin Mary Schmich. Der Text erschien am 1. Juni 1997 in der Chicago Tribune. Schmich schrieb ihn in der Form einer Abschlussrede, die sie vor Universitätsabsolventen halten würde, falls sie dazu eingeladen würde.

Noch 1997 wurde der Essay zur Grundlage des Spoken-Word-Liedes „Everybody’s Free (To Wear Sunscreen)“. Baz Luhrmann produzierte das Stück für sein Compilation-Album „Something for Everybody“ auf Grundlage eines Musikstücks von Quindon Tarver und des von Lee Perry gesprochenen Textes. 1999 erschien es als Single und erreichte in mehreren Ländern die Charts. Der Essay und das Lied verbinden lebenspraktische Ratschläge mit der zentralen Empfehlung, Sonnenschutzmittel zu verwenden.

Der Essay und seine Ratschläge

Ende Mai 1997 dachte Mary Schmich während der Fahrt auf dem Chicagoer Lake Shore Drive zur Arbeit über ein Thema für ihre Kolumne nach. Die bevorstehenden Universitätsabschlussfeiern brachten sie auf die Idee, eine Rede für Absolventen zu schreiben. Während sie über mögliche Ratschläge nachdachte, sah sie eine Frau beim Sonnenbad am Ufer des Michigansees. Schmich hoffte, dass die junge Frau Sonnenschutz benutzen würde, weil sie selbst dies in ihrer Jugend nicht getan hatte. Diese Beobachtung war die zentrale Inspiration des Essays.

In der Einleitung bezeichnet Schmich den Text als die Abschlussrede, die sie halten würde, wenn man sie darum bäte. Sie beginnt mit dem Rat: „Ladies and gentlemen of the class of '97 – Wear sunscreen.“ Wenn sie nur einen Tipp für die Zukunft geben könne, sei Sonnenschutzmittel dieser Tipp. Schmich behauptet, der langfristige Nutzen von Sonnenschutz sei von Wissenschaftlern bewiesen, während ihre übrigen Ratschläge höchstens auf ihrer eigenen Erfahrung beruhten. Zugleich wird im Artikel erwähnt, dass weitgehend unklar sei, ob Sonnenschutzcremes tatsächlich einen signifikanten Schutz vor Hautkrebs bieten.

Die weiteren Empfehlungen betreffen unter anderem den Genuss von Kraft und Schönheit der Jugend, einen gelassenen Umgang mit der Zukunft, Singen, Zahnhygiene und Dehnen. Man solle nicht leichtsinnig mit den Herzen anderer umgehen und Menschen meiden, die dies tun. Eifersucht solle keine Zeit beanspruchen; erhaltene Komplimente solle man sich merken. Alte Liebesbriefe solle man aufbewahren, alte Kontoauszüge dagegen wegwerfen. Niemand müsse sich schuldig fühlen, wenn er noch nicht wisse, was er mit seinem Leben anfangen wolle. Man solle den eigenen Körper genießen und nutzen und sich nicht zu sehr darum kümmern, was andere darüber denken.

Außerdem rät Schmich, die Eltern kennenzulernen, solange sie da sind, nett zu den Geschwistern zu sein und zu verstehen, dass Freunde – abgesehen von einigen wertvollen – kommen und gehen. Man solle in verschiedenen Städten gelebt haben und reisen. Am Ende empfiehlt sie, vorsichtig auszuwählen, wessen Rat man annimmt, zugleich aber geduldig mit den Ratgebern zu sein. Beim Sonnenschutz bittet sie die Leser jedoch, ihr zu vertrauen. 1998 bearbeitete Schmich den Text als Geschenkbuch für Absolventen unter dem Titel „Wear Sunscreen: A Primer for Real Life“; 2008 erschien eine weitere Ausgabe zum zehnten Jahrestag.

Die falsche Zuschreibung an Kurt Vonnegut

Wenige Wochen nach der Veröffentlichung wurde der Text zu einem Internet-Hoax. Ein unbekannter Internetnutzer kopierte ihn und verschickte ihn per E-Mail als angebliche Rede Kurt Vonneguts am MIT. Dadurch verbreitete sich der Text im Internet als Vonnegut-Rede. Tatsächlich hatte Vonnegut nie eine Rede am MIT gehalten. Die MIT-Festrede 1997 hielt Kofi Annan, und zwar fünf Tage nach der Veröffentlichung von Schmichs Kolumne. Schmich wies außerdem zurück, sie habe Vonneguts Stil nachgeahmt.

Der Kettenbrief erreichte auch Vonneguts Ehefrau Jill Vonnegut. Gleichzeitig fragte ein Magazin Vonneguts Anwalt nach einem Nachdruck der angeblich von ihm stammenden Rede. Schmich rief Vonnegut daraufhin an. Er sagte ihr, der Text sei „lustig und weise und charmant“ und er wäre stolz gewesen, wenn es seine Worte gewesen wären.

Schmich veröffentlichte anschließend den Artikel „Vonnegut? Schmich? Who can tell in cyberspace?“, um die falsche Zuschreibung zu widerlegen. Trotzdem wurde der Text weiterhin als Vonneguts Rede verbreitet. Der Urheber des Hoaxes konnte nicht identifiziert werden.

Vom Kolumnentext zum Spoken-Word-Lied

Baz Luhrmann arbeitete 1997 am Album „Something for Everybody“, das Neubearbeitungen von Liedern enthielt, die er in seinen Filmen eingesetzt hatte. Dazu gehörte Quindon Tarvers Version von Rozallas Dance-Single „Everybody’s Free (To Feel Good)“ aus dem Jahr 1992. Tarver hatte 1996 gemeinsam mit dem Londoner Knabenchor Libera eine chorale Version für den Soundtrack von Luhrmanns Film „William Shakespeares Romeo + Julia“ aufgenommen.

Während der Arbeit an dem Musikstück erhielt Luhrmann die E-Mail mit dem angeblich von Vonnegut stammenden Text. Er wollte zunächst Vonnegut kontaktieren, um die Rechte zu erwerben. Online fand er jedoch Hinweise darauf, dass Mary Schmich den Text verfasst hatte. Luhrmann nahm Kontakt zu Schmich auf und erwarb die Rechte von der Chicago Tribune. Zusammen mit Anton Monsted und Josh Abrahams entwickelte er auf Grundlage von Tarvers Musik die instrumentale Basis. Lee Perry las den Text ein; seine US-amerikanische Aussprache und die älter klingende Stimme sollten nach einem Menschen mit viel Lebenserfahrung klingen.

Die Originalversion erschien 1997 auf „Something for Everybody“ und dauerte 7:10 Minuten. Das Stück gehört zu den Genres Spoken Word und elektronische Musik. Als Autoren werden Tim Cox, Mary Schmich als Vorlage und Nigel Swanston genannt; produziert wurde es von Josh Abrahams und Nellee Hooper. Bazmark Inq. war der Verlag, EMI das Label. In einigen Ländern erschien das Stück als Single mit dem Text „Ladies and Gentlemen of the Class of ’97“. Im Februar 1999 wurde die Single in Teilen der Vereinigten Staaten veröffentlicht, im Mai 1999 auch im Vereinigten Königreich. Die Single enthielt einen auf 5:05 Minuten gekürzten Edit und einen Remix.

Veröffentlichungen, Video und Erfolg

Die UK-CD-Single enthielt den 5:05 Minuten langen Edit von „Everybody’s Free (To Wear Sunscreen)“ sowie Lee Perrys „Geographic’s Factor 15+ mix“ mit 4:42 Minuten und John Paul Youngs „Love Is in the Air (Fran mix)“ mit 4:29 Minuten. Die europäische CD-Single enthielt den Edit und den „Geographic’s Factor 15+ mix“.

Das offizielle Musikvideo wurde von Bill Barminski auf Grundlage des 5:05 Minuten langen Single-Edits geschaffen. Daneben gibt es weitere Musikvideos, darunter eine Version der brasilianischen Werbeagentur DM9DDB.

Nach der erneuten Veröffentlichung als Single erreichte das Lied 1999 in mehreren Ländern die Charts. Im Vereinigten Königreich stand es im Juni auf Platz 1. Die Höchstplatzierungen waren Deutschland Platz 44 bei 9 Wochen, die Schweiz Platz 36 bei 2 Wochen, das Vereinigte Königreich Platz 1 bei 20 Wochen und die Vereinigten Staaten Platz 45 bei 7 Wochen. In den britischen Jahrescharts 1999 belegte das Lied Platz 31. Im Vereinigten Königreich erhielt die Single eine Platin-Auszeichnung für 600.000 Verkäufe; insgesamt wird 1× Platin und eine Verkaufszahl von 600.000 angegeben. Schmich erhielt nur einen kleinen Teil der Tantiemen, während der weitaus größere Anteil an die Chicago Tribune ging.

Coverversionen und Parodien

Das Lied regte weitere Coverversionen und Parodien an. In Australien erreichte John Safrans „Not the Sunscreen Song“ 1998 Platz 20 der Charts. Die darin enthaltenen, mehr oder weniger nützlichen Ratschläge reichen vom Misstrauen gegenüber Personen, die Shakespeare für junge Leute aktualisieren wollen, bis zur ironischen Empfehlung, Sonnenschutz zu verwenden – aber nur den krebserregenden aus Kokosöl. Außerdem wird behauptet, beim ersten Sex könne man nicht schwanger werden.

In Deutschland erschienen 1999 nahezu gleichzeitig zwei Versionen mit deutschen Texten: In „Sonnencreme“ sprach Dieter Brandecker den Text, in „Sonnenschutz“ Manfred Lehmann. Eine stärker parodistische Fassung entstand im Rahmen der Gerd-Show unter dem Titel „FKK (Everybody’s Free to Wear gar nichts)“; als Stimmenimitator trat Elmar Brandt als Gerhard Schröder auf.

Weiterlesen