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Tritonus (Ensemble)

Das Ensemble Tritonus ist eine Schweizer Volksmusikgruppe, die um 1985 in der Ostschweiz gegründet wurde. Sie gelten als Pioniere und Experten in der …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Überblick und musikalischer Ansatz
  2. 2. Entwicklung des Ensembles
  3. 3. Neuere Programme und Kooperationen
  4. 4. Besetzung
  5. 5. Aufnahmen, Auftritte und Auszeichnungen

Überblick und musikalischer Ansatz

Tritonus ist eine um 1985 in der Ostschweiz gegründete Schweizer Volksmusikgruppe. Das Ensemble gilt als Pionier und Experte für die Erforschung und Aufführung alter Schweizer Volksmusik aus der Zeit vor 1800. Seine Mitglieder untersuchen historische Melodien und Instrumente, rekonstruieren Instrumente nach alten Vorlagen und versuchen damit, das frühere Klangbild wieder hörbar zu machen.

Eine wichtige Rolle spielen Borduninstrumente, bei denen ein gleichbleibender Begleitton erklingt. Dazu gehören die Schweizer Sackpfeife und die Drehleier. Hinzu kommt die Schalmei, ein historisches Blasinstrument. Diese Instrumente waren in der Schweiz verbreitet, wurden aber durch veränderte Klangvorstellungen und im 19. Jahrhundert durch neuere Instrumente wie Handharmonika und Klarinette verdrängt. Der Gruppenname verweist auf den Tritonus-Tonschritt, der in der alten Schweizer Volksmusik eine zentrale Bedeutung hat.

Entwicklung des Ensembles

Die Vorgeschichte reicht bis in die 1970er-Jahre zurück. Die Instrumentenbauer und Musiker Beat Wolf und Urs Klauser erforschten gemeinsam alte Volksmusik unterschiedlicher Herkunft, besonders aber die Schweizer Musik früherer Jahrhunderte. Sie spielten das gefundene Melodienmaterial auf Instrumenten, die sie nach historischen Vorlagen rekonstruiert hatten.

1985 gilt als Gründungsjahr von Tritonus. Wolf und Klauser erweiterten ihr Duo um weitere Musiker und Instrumente: Cister beziehungsweise Halszither, Schwegel beziehungsweise Querpfeife, Flöten, Trümpi beziehungsweise Maultrommel und verschiedene Rhythmusinstrumente. Später kamen Hackbrett, Geige, Rebec – ein historisches Streichinstrument – und Gesang hinzu.

Die 1991 gemeinsam mit Radio DRS I produzierte CD „Alte Volksmusik in der Schweiz“ wurde ausgezeichnet und gilt als Meilenstein bei der Erforschung alter Traditionen. Rund fünfzehn Jahre später arbeitete Tritonus in erweiterter Besetzung mit jungen Jazzmusikern. Das daraus entstandene Repertoire verbindet Tradition und Innovation. Auf der CD „Alpan“ von 2006 stehen Alpsegen, Zäuerli, Kuhreihen, Geissreihen und Löckler neben Balladen und Liebesliedern; archaische Volksmusik wird dabei mit neuen Klängen kombiniert.

2010 wurde das Programm „Vo Schwyzer, Schwede, Wyn und Wyb“ in der Tonhalle Zürich uraufgeführt. Es verarbeitet unter anderem die Legende, die Schweizer stammten aus Schweden, und beschäftigt sich humorvoll mit Fragen nach Herkunft, Zukunft und dem passenden Getränk.

Neuere Programme und Kooperationen

Zum 30-jährigen Bestehen erschien im Mai 2015 die dritte CD „urbanus“. Sie widmet sich der alten Volksmusik aus Schweizer Städten. Tritonus bearbeitete dafür Tänze aus Lautentabulaturen des 16. Jahrhunderts sowie Lieder und Balladen. Lautentabulaturen sind historische Notationsformen für Lautenmusik. Die Vorlagen wurden arrangiert und, angeregt vom Geist alter Volksmusik, durch neue Texte und Melodien ergänzt.

Von 2021 bis 2023 arbeitete Tritonus mehrfach mit dem Neuen Orchester Basel am Konzertprogramm „Alte Weisen – Neue Welten“ beziehungsweise „Welten verbinden“. Aufführungen fanden im Stadtcasino Basel und im Goetheanum Dornach statt. Im September 2024 wurde das Programm außerdem mit der Jenaer Philharmonie unter der Leitung von Christian Knüsel im Volkshaus Jena aufgeführt.

Für das 40-jährige Jubiläum 2025 entstand das Programm „UNE und OBE“ („UNTEN und OBEN“). Es stellt Volksmusik der unteren und oberen Gesellschaftsschichten in der Schweiz vom Ende des 18. Jahrhunderts bis ungefähr 1820 gegenüber.

Besetzung

Zur aktuellen Besetzung gehören Felicia Kraft mit Gesang, Perkussion und Rebec, Urs Klauser mit Schweizer Sackpfeife, Cister und Schwegel sowie Daniel Som mit Schalmei, Drehleier, Flöten und Trümpi. Lea Zanola spielt Hackbrett und Trümpi; Michaela Walder vertritt sie am Hackbrett. Andrea Brunner spielt Violine und Viola, Andreas Cincera Violonen und Kontrabass.

Zu den früheren Mitgliedern und Gastmusikern zählen neben dem Mitgründer Beat Wolf unter anderem Barbara Plouze, Dale Overturf, Paola Imola, Cornelia Arn, Geri Bollinger, Fabian Müller, Reto Suhner, Tobias Preisig, Nicole Johänntgen, Andreas Ambühl und Daniel Affentranger. Dadurch wurde das historische Instrumentarium zeitweise um Instrumente wie Sopransaxofon, Chalumeaux und Bassklarinette erweitert.

Aufnahmen, Auftritte und Auszeichnungen

Die Diskografie umfasst „Alte Volksmusik in der Schweiz“ (1991), „Alpan“ (2006), die Live-Sammel-CD „Alpentöne“ (2007) und „urbanus“ (2015). Beat Wolf und Urs Klauser wirkten außerdem an den Sammelalben „Bollement“ (1982) und „Ferdinand Huber – Ein Schweizer Musiker im Biedermeier“ (1988) sowie an der CD „Alpine Jazz Herd – Alpine Two“ (1992) mit.

Tritonus tritt auf Kleinbühnen, bei Festivals sowie an historisch oder akustisch besonderen Orten in der Schweiz und im Ausland auf. Genannte Stationen sind die Weltausstellungen in Sevilla und Shanghai, ein Kulturaustausch in Bulgarien, das Musikfestival Alpentöne in Altdorf, das Forum Alte Musik Zürich, der Spazio Culturale Svizzero di Venezia, das Festival „urCHix“, die Museumsnacht Basel, die Tonhalle Zürich, das Stadtcasino Basel und das Volkshaus Jena.

Das Ensemble erhielt 1991 den Radio- und Fernsehpreis der ORG, der Ostschweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft. Es folgten 1992 der Anerkennungspreis und 2005 der Förderpreis der Kulturstiftung des Kantons Appenzell Ausserrhoden.

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