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Tierwissenschaften
Daneben gibt es eigenständige Fachgebiete der Tierwissenschaften. Dazu gehören besonders die Tierzucht, -ernährung und -haltung, die Biochemie und Physiologie …
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Gegenstand und Ziele
Tierwissenschaften, auch Animal Science oder Nutztierwissenschaften, sind eine interdisziplinäre, empirisch arbeitende Naturwissenschaft. Sie werden häufig als Studien- oder Forschungsrichtung der Agrarwissenschaften beziehungsweise Landwirtschaft behandelt. Untersucht werden Grundlagen, Zusammenhänge und Fragen der Primärproduktion tierischer Rohstoffe auf bewirtschafteten Flächen. Dazu gehören landwirtschaftliche und aquatische Nutztiere unter menschlicher Obhut.
Zentrales Ziel ist die ökologische und ressourcenschonende Erzeugung hochwertiger Lebensmittel tierischen Ursprungs auf nationaler und internationaler Ebene. Dies soll mit Tierschutz, Tierwohl und Lebensmittelsicherheit vereinbar sein. Betrachtet werden alle Stufen der Wertschöpfung: von Zucht, Haltung, Gesundheit und Fütterung bis zu Qualität, Sicherheit und Vermarktung der Produkte.
Fachgebiete und Untersuchungsansätze
Tierwissenschaften verbinden unter anderem Biologie, Mikrobiologie, Genetik, Chemie und Physik mit Veterinärmedizin, Hygiene, Bio- und Gentechnologie, präventivem Gesundheitsmanagement sowie Kühlketten- und Qualitätsmanagement. Wichtige Themen sind Zoonosen, also vom Tier auf Menschen übertragbare Krankheiten, und Tierseuchenschutz. Je nach Schwerpunkt können auch Bioenergie, Lebensmittelchemie, Lebensmitteltechnologie und Ökotrophologie einbezogen werden.
Eigenständige Fachgebiete sind besonders Tierzucht, Tierernährung, Tierhaltung, Biochemie und Physiologie der Nutztierleistung, Nutztierethologie sowie Krankheiten durch Technopathogene. Auch Regressionsanalysen sowie Land- und Umwelttechnik spielen eine Rolle.
Eine Einteilung kann nach Tiergruppen erfolgen, etwa Geflügelwissenschaft, oder nach Untersuchungsebenen: von biochemischen und physiologischen Vorgängen bis zur allgemeinen Tierhaltung. Diese Einteilungen überschneiden sich. So untersucht die Tierzucht verschiedene Nutztiere, ihre Genetik, die Umsetzung von Zuchtprogrammen und die Produktqualität.
Produktion, Gesundheit und Produktsicherheit
In den Agrarwissenschaften beleuchten Tierwissenschaften die gesamte Wertkette, um hochwertige Lebensmittel ressourcenschonend zu erzeugen. Tierhygiene befasst sich mit der Gesunderhaltung von Nutztierbeständen und damit, die Übertragung von Tierkrankheiten durch Zoonosen auf Menschen zu vermeiden. Die Physiologie untersucht beispielsweise Laktation und Wachstum. Tierernährung erforscht Eigenschaften von Futtermitteln und deren Umsetzung im Stoffwechsel der Nutztiere bei der Transformation zu Lebensmitteln tierischer Herkunft.
Die Tiergenetik klärt molekulare Grundlagen genetischer Variationen auf und nutzt biotechnologische, molekularbiologische und statistische Verfahren für die Tierzucht. Nutztier-Biotechnologie behandelt moderne Reproduktionsmethoden, tierische Stammzellen und Technologien zur gezielten Genommodifikation; Anwendungsschwerpunkte sind biomedizinische Forschung und regenerative Medizin. Neurophysiologie untersucht Gehirnmechanismen der Verhaltenssteuerung und neuronale Algorithmen, die auch technisch nutzbar sein können.
Die Betrachtung reicht von Grundlagen, Produktion, Transport und Verarbeitung über Qualitätssicherung und Vermarktung bis zur Gesundheit der Endverbraucher. Sie berücksichtigt außerdem gesellschaftliche, ökonomische und umweltrelevante Aspekte, Verbraucher- und Ressourcenschutz sowie gesetzliche Bestimmungen und spezifische Standards.
Studium und Abschlüsse
Das Bachelorstudium besteht grundsätzlich aus vier Semestern Grundstudium und zwei Semestern Hauptstudium. Anschließend wird eine wissenschaftliche Arbeit angefertigt, für die etwa drei bis vier Monate vorgesehen sind; der Abschluss ist der Bachelor of Science. Ein anschließendes Masterstudium umfasst vier Semester, setzt an vielen Hochschulen eine bestimmte Bachelorleistung voraus und endet ebenfalls mit einer wissenschaftlichen Arbeit von etwa drei bis vier Monaten sowie dem Master of Science.
In Deutschland ist ein Bachelorstudium Tierwissenschaften derzeit nur zusammen mit Agrarwissenschaft, Landwirtschaft oder Gartenbau möglich. Grundlagen sind Ernährung, Züchtung und Haltung; Tiergesundheit, Tiergesundheitsgesetze, Wohlbefinden und präventives Gesundheitsmanagement sind wichtige Inhalte. Spezialisierungen reichen von Milchviehhaltung und Pferdewirtschaft bis Aquakultur und Kleintierzucht. An mehreren Hochschulen, darunter Bonn, Hohenheim, Gießen, Rostock, der Technischen Universität München und der Humboldt-Universität zu Berlin, können innerhalb agrarwissenschaftlicher Bachelorstudien Schwerpunkte oder Module zu Tierwissenschaften belegt werden. Ein eigenständiger Bachelorstudiengang wird als Beispiel an der niederländischen Universität Wageningen genannt.
Masterstudiengänge sind stärker spezialisiert und behandeln neben der Lebensmittelproduktion auch Unternehmensführung, Management und sozioökonomische Aspekte. Bonn bietet einen spezialisierten Master Tierwissenschaften; Gießen und Rostock eigenständige Studiengänge Nutztierwissenschaften. Weitere genannte Schwerpunkte sind Milcherzeugung in Kiel, Pferdewissenschaften in Göttingen sowie Fische und Aquakultur an der Humboldt-Universität zu Berlin. Die meisten Masterstudien dauern vier Semester; üblich ist ein Bachelorabschluss in Agrarwissenschaft oder -wirtschaft, Landwirtschaft, Agrarbiologie oder einem verwandten Bereich.
Berufliche Tätigkeitsfelder
Tierwissenschaftler arbeiten in Forschung und Lehre an Universitäten, Fachhochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen sowie in landwirtschaftlichen Betrieben. Weitere Aufgaben liegen in Forschungs-, Prüf- und Entwicklungslaboren der Agrar- und Lebensmittelindustrie, in Produktion, Produktentwicklung, Produktschutz und Technik sowie in Technologieunternehmen und der Industrie erneuerbarer Energien.
Mögliche Funktionen sind auch Führungsaufgaben in Forschung, Entwicklung, Management und Marketing, etwa als Qualitäts- oder Marketingmanager oder Management-Trainee. Arbeitgeber können Züchtungs- und Stallbauunternehmen, Futtermittel-, Lebensmittel- und Fleischindustrie, chemisch-pharmazeutische Industrie, landwirtschaftliche Dienstleistungsunternehmen sowie Einrichtungen des Verbraucher- und Umweltschutzes, öffentliche Verwaltung und öffentliche oder private Forschungseinrichtungen sein.