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The Narrative of Arthur Gordon Pym of Nantucket

Der Roman ist das längste Prosawerk Poes und gilt als eine seiner rätselhaftesten Arbeiten. Der Bericht des Arthur Gordon Pym, Erstausgabe (1838). Der Roman …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Werk und Aufbau
  2. 2. Pyms Reise in die Katastrophe
  3. 3. Erzählweise und Entstehung
  4. 4. Zentrale Deutungen
  5. 5. Übersetzungen und Nachwirkungen

Werk und Aufbau

The Narrative of Arthur Gordon Pym of Nantucket (Die Erzählung des Arthur Gordon Pym aus Nantucket) ist Edgar Allan Poes einziger Roman und wurde erstmals 1838 veröffentlicht. Er gilt als sein längstes Prosawerk und als eine seiner rätselhaftesten Arbeiten. Der Ich-Erzähler Arthur Gordon Pym berichtet von seinem Leben und seinen Seefahrten aus Nantucket. Seine Abenteuer verbinden realistische Elemente wie Schiffbruch und Meuterei mit phantastischen Erscheinungen im Ozean des Südens.

Der Roman besteht aus 25 Kapiteln sowie einem Vor- und einem Nachwort. Im Vorwort erklärt Pym, er habe nach seiner Rückkehr aus der Südsee zunächst gezögert, seine Erlebnisse zu veröffentlichen, weil sie unglaubhaft erscheinen könnten und er kein Tagebuch geführt habe. E. A. Poe habe angeboten, den Bericht zunächst als erfundene Erzählung unter seinem eigenen Namen im Southern Literary Messenger zu veröffentlichen. Später habe Pym selbst den überwiegenden Teil niedergeschrieben.

Das Nachwort behauptet, Pym sei plötzlich verstorben und Poe wolle die noch fehlenden zwei oder drei Kapitel nicht rekonstruieren. Zugleich deutet Poe die auf der Insel gefundenen Klüfte und Einkerbungen, deren Formen er mit äthiopischen und ägyptischen Wörtern für das Dunkle und das Helle vergleicht. Dadurch wirkt der Roman zugleich wie ein Tatsachenbericht, ein Abenteuerroman und ein bewusst offenes Rätsel.

Pyms Reise in die Katastrophe

Als Jugendlicher unternimmt Pym mit seinem Freund Augustus Barnard auf seinem Segelboot gefährliche Streiche. Bei einer Nachtfahrt ohne ausreichenden Proviant und ohne Ausrüstung geraten sie in einen Sturm. Augustus ist betrunken, während Pym nüchtern bleibt und die Gefahr erkennt. Ihr Boot wird von einem Walfänger überfahren; beide werden entdeckt und gerettet.

Einige Jahre später versteckt sich Pym im Bauch des Walfängers Grampus, den Augustus’ Vater als Kapitän führt. Unter Deck leidet er zwischen Tranfässern sowie wegen fehlender Nahrung und fehlenden Wassers beinahe am Wahnsinn. Erst nach elf Tagen befreit Augustus ihn. Er selbst war zuvor durch eine Meuterei daran gehindert worden. Gemeinsam mit Dirk Peters, einem früheren Meuterer, erobern Pym und Augustus das Schiff zurück. Pym täuscht die Meuterer, indem er sich als Gespenst eines ermordeten Kameraden verkleidet. Ein Sturm verwandelt die Grampus jedoch in ein treibendes Wrack.

Etwa drei Wochen bleiben Pym, Augustus, Peters und der überlebende Meuterer Richard Parker auf dem gefluteten Wrack. Nur leere Tranfässer halten es über Wasser. Die Männer versuchen wiederholt, im Laderaum nach Proviant zu tauchen. Hunger und Durst führen schließlich dazu, dass sie auslosen, wer den anderen als Nahrung dienen soll. Das Los trifft Richard Parker, der den Gedanken selbst zuerst vorgeschlagen hatte. Augustus stirbt an einer Wundinfektion. Pym und Peters werden von einem Segler gerettet. Die Episode erinnert an den historischen Fall R v Dudley and Stephens von 1884; auch dort hieß der getötete Schiffbrüchige Richard Parker.

Das rettende Schiff Jane Guy fährt in der Südsee Handel und betreibt Robbenjagd. Der Kapitän sucht außerdem unbekannte Inseln, um dadurch Reichtum zu gewinnen. Die Reise führt durch große Eisfelder weiter nach Süden als jede frühere Segelfahrt. Nach dem Durchqueren der Eisfelder gelangt das Schiff in wärmere Regionen und wird von einer Strömung zum Südpol getragen.

Die Mannschaft erreicht eine Inselgruppe mit schwarzen Eingeborenen. Diese kennen die Farbe Weiß nicht oder betrachten sie als Vorzeichen von Unglück und Tod. Zunächst nehmen sie die Europäer scheinbar freundlich auf. Pym bleibt jedoch misstrauisch. Er beobachtet unter anderem, dass das Wasser aus verschiedenfarbigen Adern besteht, die sich nicht vermischen. Die Eingeborenen locken die Europäer in einen Hohlweg, bringen ihn zum Einsturz und erobern anschließend den Schoner. Nur Pym und Peters können sich befreien und mit einem Kanu fliehen.

Sie nehmen einen Eingeborenen gefangen und fahren aufs offene Meer. Die Strömung führt sie weiter nach Süden. Das Meer wird heißer, weiße Vögel erscheinen, weiße Asche fällt vom Himmel, das Wasser wird milchig weiß und beginnt zu kochen. Es leuchtet, und Strudel entstehen. Der Eingeborene stirbt vor Grauen. Pym und Peters nähern sich einer lautlosen Stromschnelle. Sie sehen ungeheure, fahlweiße Vögel und im Katarakt eine verhüllte, gewaltige, übermenschliche Gestalt mit einer Haut vom „makellosen Weiß des Schnees“. An diesem Höhepunkt bricht der Bericht ab.

Erzählweise und Entstehung

Die Erzählung umfasst über 200 Druckseiten. Obwohl das Werk von fehlenden Schlusskapiteln spricht, ist es durch die letzte mysteriöse Erscheinung und das Nachwort formal und inhaltlich abgeschlossen. Der Roman beginnt und endet mit einem Verwirrspiel um die Autorenschaft: In der Einleitung erscheint Poe aus Pyms Perspektive als schreibende Figur; im Nachwort betrachtet vermutlich „Poe“ den inzwischen verstorbenen Pym. Auch der ähnliche Silbenrhythmus der Namen Edgar Allan Poe und Arthur Gordon Pym unterstützt eine autobiografische Lesart.

Die Handlung ist wie eine Folge von Notlagen, kurzen Entspannungen und neuen Gefahren aufgebaut. Die Katastrophen steigern sich fortlaufend, bis die Begegnung mit der letzten übermenschlichen Erscheinung als äußerste Form menschlicher Ausgeliefertheit erscheint. Nicht Kalenderdaten, sondern die Arten der Katastrophen strukturieren Pyms Leben. Nautische, geografische und biologische Exkurse über Segelmanöver, Stürme, Albatrosse, Pinguine, den Südpol und eine Muschelart verlangsamen die Handlung, verleihen ihr aber den Anschein eines genau dokumentierten Tatsachenberichts.

Ein Teil der Geschichte erschien bereits im Januar 1837 im Southern Literary Messenger. Zugleich wird die Erstausgabe mit 1838 angegeben. Poe begann den Roman, nachdem James Kirk Paulding ihm am 17. März 1836 geraten hatte, ein längeres Werk in zwei Bänden zu versuchen. Das große Format überforderte den vor allem als Kurzgeschichtenautor bekannten Poe vermutlich; deshalb erweiterte er die Handlung durch nautische, geografische und biologische Exkurse. Als wichtige Quelle gelten die Denkschriften von Jeremiah N. Reynolds, die Poe mehrfach rezensierte und aus denen er Passagen übernahm. Der regionale Hintergrund ist der Walfang, der im County Nantucket in Massachusetts im 17. und 18. Jahrhundert ein bedeutender Wirtschaftsfaktor war.

Zentrale Deutungen

Für den Roman gibt es bis heute keine allgemein akzeptierte Interpretation. Er wurde unter anderem als pseudo-nichtfiktionale Entdeckungsgeschichte, Abenteuersage, Bildungsroman, Jux, plagiierte Reiseschilderung und allegorische Seelenlandschaft beschrieben. Die vielen Unwahrscheinlichkeiten und Widersprüche erschweren eine eindeutige Einordnung. Einzelne phantastische Elemente lassen sich möglicherweise als Reaktionen auf zeitgenössische Abenteuerliteratur und Theorien verstehen, etwa auf John Cleves Symmes’ Modell einer hohlen Erde mit warmen Regionen hinter Öffnungen an den Polen. Gleichzeitig ist die Handlung in wichtigen Bereichen sorgfältig geordnet. Wiederkehrende Untergangs- und Rettungsmotive steigern sich, und die Mitte des Romans fällt mit dem Erreichen des Äquators zusammen.

Die autobiografische Deutung verbindet Arthur Gordon Pym mit Edgar Allan Poe. Der Aufbruch des jugendlichen Protagonisten und die Trennung von der Familie werden als Parallelen zu Poes Biografie verstanden. Der Name „Gordon“ kann dabei als Ersetzung von „Allan“ durch einen Hinweis auf den von Poe bewunderten George Gordon Byron gelesen werden. Einzelne Orts-, Schiffs- und Datumsangaben werden ebenfalls biografisch gedeutet: Pym erreicht Tsalal am 19. Januar, Poes Geburtstag; als mögliche Vorbilder für Augustus Barnard gelten Poes Kindheitsfreund Ebenezer Burling und sein Bruder William Henry Leonard Poe. Auch Drogen, dunkle Gefängnisse, Labyrinthe, Halluzinationen und Hieroglyphen werden mit Poes Erfahrungen und Interessen in Verbindung gebracht.

Die Deutung als existentielle Reise versteht Pyms Fahrt als Suche nach dem Sinn des Lebens und nach persönlicher Erkenntnis. Der ursprünglich naive Jugendliche gewinnt durch die Katastrophen einen größeren Horizont. Nach den Wochen auf der gekenterten Grampus reagieren Pym und Peters auf neue Gefahren mit größerer Aufmerksamkeit und einer „stoischen Denkart“. Sie versuchen, das Ausmaß ihres Unglücks genau zu erfassen, anstatt nur zu klagen. Ihre Zuversicht und ihr Optimismus verwandeln sich unter dem Einfluss der Katastrophen in einen aktiven, aber trostlosen Gleichmut und in neugierige Beobachtung. Der Roman kann so als Bericht einer Katharsis und einer inneren Entdeckungsreise gelesen werden.

Das Ende lässt offen, ob Pym im Katarakt stirbt, ob sein Bericht posthum entsteht oder ob er beim Schreiben an der Stelle seines fiktionalen Todes verstorben ist. Gerade diese Offenheit verbindet die äußere Reise mit einer unabschließbaren Suche nach Wahrheit, Weltverständnis und dem eigenen Schicksal.

Übersetzungen und Nachwirkungen

Der lange deutsche Titel wurde in den Übersetzungen häufig gekürzt oder verändert. Wichtige Fassungen sind Adolf von Winterfelds Seltsame Seeabenteuer Arthur Gordon Pym’s (1883), Hedda Moellers und Hedwig Lachmanns Die Abenteuer Gordon Pyms (1901), Gisela Etzels Die denkwürdigen Erlebnisse des Arthur Gordon Pym (1918), Arno Schmidts Umständlicher Bericht des Arthur Gordon Pym von Nantucket (1966), Hans Schmids umfangreich kommentierte und bibliografisch ergänzte Die Geschichte des Arthur Gordon Pym aus Nantucket (2008) sowie Andreas Nohls Arthur Gordon Pyms Abenteuer (2022). Weitere Übersetzungen erschienen unter anderem 1908, 1922, 1930 und 1989.

Poes Roman wurde mehrfach literarisch aufgegriffen. Jules Verne veröffentlichte 1897 mit Die Eissphinx eine Fortsetzung; Charles Romyn Dake folgte 1899 mit A Strange Discovery. H. P. Lovecraft nahm Motive in Berge des Wahnsinns auf, und Yann Martels Schiffbruch mit Tiger greift ebenfalls zahlreiche Motive des Romans auf.

Die Schlussszene wurde außerdem musikalisch und szenisch bearbeitet. Einojuhani Rautavaara schuf 1997 die musikalische Interpretation On the Last Frontier. Am 18. Februar 2016 wurde im Theater Heidelberg Johannes Kalitzkes Oper Pym uraufgeführt; die Partitur der Auftragsarbeit stammte von dem österreichischen Choreografen Johann Kresnik. Als Hörbuch liegen unter anderem Arthur Gordon Pym, gelesen von Lars Rudolph, sowie Arno Schmidts Übersetzung Umständlicher Bericht des Arthur Gordon Pym von Nantucket in einer ungekürzten Ausgabe mit Christian Brückner vor.

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