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The Jew’s Christmas

Es handelt sich um einen der ersten Ghetto Films, in dem eine romantische Beziehung zwischen einer Jüdin und einem Nichtjuden thematisiert wurde. Der Film wurde …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Einordnung und Bedeutung
  2. 2. Konflikt zwischen Familie, Glauben und Liebe
  3. 3. Versöhnung am Weihnachtsfest
  4. 4. Filmgeschichtlicher Hintergrund und Deutung
  5. 5. Zeitgenössische Aufnahme und spätere Kritik

Einordnung und Bedeutung

The Jew’s Christmas (deutsch: Das Weihnachtsfest der Juden) ist ein verschollenes US-amerikanisches Filmdrama und ein Weihnachtsfilm aus dem Jahr 1913. Lois Weber und Phillips Smalley führten Regie, Weber schrieb das Drehbuch. Der englischsprachige Film ist etwa 30 Minuten lang, wurde von der Rex Motion Picture Company produziert und von der Universal Film Manufacturing Company vertrieben. Seine US-Kinopremiere war am 18. Dezember 1913.

Der Film gehört zu den frühen melodramatischen „Ghetto Films“. Dieses Untergenre behandelte das Leben meist osteuropäischer jüdischer Einwanderer in den überwiegend jüdischen Vierteln der Lower East Side von Manhattan. Im Mittelpunkt standen häufig Konflikte zwischen jüdischen Traditionen und einer modernen, auf Assimilation gerichteten amerikanischen Gesellschaft sowie zwischen älteren und jüngeren Generationen. The Jew’s Christmas war einer der ersten dieser Filme, der eine Liebesbeziehung und Ehe zwischen einer Jüdin und einem Nichtjuden zum Hauptthema machte. Außerdem war er der erste US-amerikanische Spielfilm mit einem Rabbi als Hauptfigur.

Die Hauptrollen spielen Phillips Smalley als Rabbi Isaac, Lois Weber als dessen Tochter Leah, Lule Warrenton als Isaacs Frau Rachel und Ella Hall als Leahs Tochter Eleanor. Der nichtjüdische Ehemann Leahs wird im überlieferten Handlungstext teils Robert Julian, teils Rupert genannt.

Konflikt zwischen Familie, Glauben und Liebe

Rabbi Isaac ist aus Osteuropa in die Vereinigten Staaten eingewandert. Er und seine Frau Rachel wollen die religiösen Traditionen bewahren, während ihre Kinder Leah und Samuel ihren „American Dream“ verwirklichen möchten. Isaac kritisiert Sam, weil dieser am Sabbat arbeitet. Leah und Sam entgegnen, dass sie das Geld für den Lebensunterhalt der Familie verdienen müssten.

Der Konflikt verschärft sich, als Leahs nichtjüdischer Arbeitskollege um ihre Hand anhält. Isaac ist durch jahrzehntelange persönliche und gegen das jüdische Volk gerichtete Demütigungen verbittert. Er verweigert die Zustimmung zur Ehe und verbietet jeden weiteren Kontakt. Rachel schlägt Leah stattdessen Morris vor, einen jungen jüdischen Nachbarn, der sie liebt.

Leah trifft sich jedoch heimlich mit Rupert und verabredet eine Hochzeit. Als er am folgenden Samstag mit der Heiratsurkunde erscheint, verstößt Isaac seine Tochter und bittet den Gott seiner Väter, das Paar zu verfluchen. Leah wird ohnmächtig und verlässt anschließend mit Rupert das Elternhaus.

Zwei Jahre später leben Leah und Rupert glücklich zusammen und haben ein neugeborenes Kind. Leah versucht, sich mit ihrem Vater zu versöhnen, doch Isaac erklärt, sie teile seinen Glauben nicht und sei deshalb nicht mehr seine Tochter. Kurz darauf wird Rupert von einer Straßenbahn überrollt und verliert beide Beine.

Auch Sam gerät mit seinen Eltern in Konflikt. Er liebt unglücklich seine Chefin Rebecca, die einen anderen Mann heiratet. Auf ihrer Hochzeitsfeier betrinkt er sich und versucht, die Braut zu küssen. Als er angetrunken nach Hause kommt, verweist Isaac auch ihn des Hauses. Sam kündigt an, erst zurückzukehren, wenn seine Eltern „zu leben beginnen“ und das christliche Weihnachtsfest feiern.

Versöhnung am Weihnachtsfest

Weitere zehn Jahre vergehen. Leah und Rupert leben mit ihrer Tochter Eleanor in Armut und verdienen wenig Geld mit dem Binden von Blumen. Sam arbeitet weit entfernt und hat keinen Kontakt zu seiner Familie. Auch Isaac und Rachel geht es schlecht.

Leahs Familie zieht in die Nachbarschaft der Eltern. Ohne ihre Identität zu kennen, freundet sich Isaac mit seiner Enkelin Eleanor an. Das Mädchen begleitet ihn auf seinen Spaziergängen und sitzt bei ihm vor dem Haus. Als Isaac sie Rachel vorstellt, erkennt diese eine Ähnlichkeit mit Leah. Isaac verbietet ihr jedoch, den „toten Namen“ seiner Tochter auszusprechen. Rachel besucht daraufhin Leah, erfährt von Ruperts Unfall und berichtet ihr, dass auch Sam die Familie im Streit verlassen hat. Mutter und Tochter hoffen, Eleanor könne Isaac zur Versöhnung bewegen.

Eleanor schwärmt Isaac von Weihnachtsbäumen vor und fragt, warum ihre Familie keinen habe. Weil ihre armen Eltern noch nie Weihnachten mit ihr feiern konnten, verkauft Isaac sein letztes Buch, um ihr eine Freude zu machen. Die übrigen Bücher hatte er bereits aus wirtschaftlicher Not veräußert. Am Weihnachtsmorgen überraschen Isaac und Rachel Eleanor mit einem prächtigen Baum. Ihr begeisterter Ruf lockt Leah herbei. Nach kurzem Zögern nimmt Isaac seine Tochter wieder in die Arme.

Unmittelbar danach erscheint Sam. Er hatte geschworen, erst zurückzukehren, wenn seine Eltern Weihnachten feiern. Nach langen vergeblichen Bemühungen ist er beruflich erfolgreich geworden und bringt Geschenke mit. Schließlich geht die wiedervereinte Familie zu Rupert hinauf und feiert gemeinsam Weihnachten.

Filmgeschichtlicher Hintergrund und Deutung

The Jew’s Christmas wurde auf drei Filmrollen veröffentlicht und war Lois Webers erster Drei-Rollen-Film. Zuvor hatte sie nur sogenannte One-Reeler, also Filme auf einer Rolle, und Werke von ungefähr 20 Minuten Länge inszeniert. Zeitgenössische Veröffentlichungen nannten Phillips Smalley als Regisseur und Weber als Koregisseurin. In der Filmwissenschaft besteht jedoch Einigkeit darüber, dass Weber bei der Zusammenarbeit des Ehepaars die führende Rolle hatte.

Der Film entstand in einer Zeit, in der viele US-amerikanische Dramen soziale Probleme behandelten. Für Weber war er nach Suspense über Armut und Civilized and Savage über Rassismus bereits der dritte sozialkritische Film des Jahres 1913. The Jew’s Christmas wird teilweise als Werk gegen Antisemitismus beschrieben. Nach einer anderen filmwissenschaftlichen Einordnung richtet es sich vor allem gegen religiösen Fanatismus und religiös begründete Intoleranz, dargestellt am Beispiel Isaacs.

Frühere Ghetto Films spielten meist innerhalb jüdischer Familien und Gemeinden. Sie unterschieden sich von zeitgenössischen Komödien, die Juden häufig stereotyp und karikaturhaft darstellten. The Jew’s Christmas rückt dagegen die Ehe zwischen einer Jüdin und einem Nichtjuden sowie den schmerzhaften Prozess der Assimilation, also der Anpassung an die Mehrheitsgesellschaft, in den Mittelpunkt. Der Filmwissenschaftler Lester D. Friedman deutet das gemeinsame Weihnachtsfest als Zeichen für die erfolgreiche Integration jüdischer Einwanderer in die amerikanische Gesellschaft. Jüdisch-christliche Ehen erschienen später wiederholt in US-Filmen, besonders im Zusammenhang mit der Vorstellung der Vereinigten Staaten als Schmelztiegel. Einen Höhepunkt dieser Entwicklung bildete Der Jazzsänger (1927) mit Al Jolson.

Zeitgenössische Aufnahme und spätere Kritik

Zeitgenössische Fachzeitschriften bewerteten den Film überwiegend positiv. The Motion Picture News lobte die sorgfältig ausgewählte Besetzung, ihre Leistungen und die Darstellung eines jüdischen Gebets als echte, informative Zeremonie. Vor der Veröffentlichung wurde der Film einer Gruppe New Yorker Rabbis gezeigt. Laut Moving Picture World gefielen ihnen Drehbuch, Umsetzung und Darstellung des Judentums. Sie kritisierten jedoch den Titel: Dieser könne einen allgemeinen oder dokumentarischen Einblick in „das Weihnachtsfest der Juden“ erwarten lassen, obwohl der Film nur das Fest einer einzelnen jüdischen Familie zeigt. Die Zeitschrift lobte außerdem die menschliche Geschichte, den Bildungswert zu jüdischen Bräuchen und besonders Ella Halls Darstellung der Eleanor. Zugleich erwartete der Rezensent, dass manche Juden den Film kühl aufnehmen oder ablehnen würden.

2019 veröffentlichte das jüdische Magazin The Forward eine deutlich kritischere Deutung. Da der Film verschollen ist, stützt sich die heutige Kenntnis seiner Handlung auf zeitgenössische Berichte und eine literarische Adaption in einem Fanmagazin. Nach Ansicht des Magazins zeigt der Film ausführlich die Intoleranz eines Juden gegenüber Christen, verschweigt aber weitgehend den gesellschaftlichen Druck auf Juden zur Assimilation und Amerikanisierung. Isaacs Annäherung an Weihnachten und seine Abkehr vom orthodoxen Judentum würden positiv dargestellt, während jüdischer Glaube und Tradition mit Starrsinn und Armut verbunden erschienen. Sams Arbeit am Sabbat, seine Entfernung vom Glauben und sein späterer Erfolg verstärkten diesen Eindruck. The Forward wertete den Film deshalb auch als Produkt des zeittypischen Antisemitismus.

Die Beurteilung bleibt damit widersprüchlich: Einerseits bot der Film nichtjüdischen Zuschauern einen vergleichsweise genauen Blick auf jüdische Riten, brachte erstmals einen Rabbi als Hauptfigur auf die US-amerikanische Leinwand und zeigte als frühes Beispiel eine jüdisch-christliche Ehe, die alle Schwierigkeiten übersteht. Andererseits kann seine Lösung des Familienkonflikts durch die Übernahme des Weihnachtsfestes als Abwertung jüdischer Traditionen und als Befürwortung einseitiger Assimilation verstanden werden.

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