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Tharandter Wald

Der Tharandter Wald, früher auch Grillenburger Wald genannt, ist eine Landschaft um den Mittelpunkt Sachsens am Nordrand der Großlandschaft Osterzgebirge, …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Lage, Bedeutung und Nutzung
  2. 2. Landschaft und Umgebung
  3. 3. Wald und Naturraum
  4. 4. Geologische Besonderheiten
  5. 5. Geschichtliche Entwicklung und Erholung

Lage, Bedeutung und Nutzung

Der Tharandter Wald, früher auch Grillenburger Wald genannt, ist ein fast geschlossenes Waldgebiet von ungefähr 60 km² am Nordrand des Osterzgebirges. Er liegt südwestlich von Tharandt, südlich von Wilsdruff und grob zwischen Freiberg und Dresden. Administrativ gehört er heute fast vollständig zur Stadt Tharandt, besonders zu den Gemarkungen Grillenburg und Tharandt.

Der Wald blieb vor allem deshalb erhalten, weil seine Böden auf sauren, schwer verwitterbaren Porphyren und Sandsteinen nährstoffarm und oft vernässt sind und deshalb für die Landwirtschaft ungünstig waren. Außerdem nutzten die Markgrafen von Meißen ihn seit dem 13. Jahrhundert als Jagdgebiet. Der Tharandter Wald ist Kern des Geoparks Sachsens Mitte, weil dort Gesteine und Formationen aus verschiedenen Erdzeitaltern vorkommen. Er besitzt etwa 200 Kilometer markierte Wanderwege und ist als Naherholungsgebiet wichtig. Die geschützte Wort-Bildmarke „Tharandter Wald – schönster Wald Sachsens“ geht auf touristische Werbung der 1920er Jahre zurück.

Landschaft und Umgebung

Die landschaftliche Einordnung ist nicht eindeutig: Nach manchen Auffassungen gehört der Tharandter Wald zum Osterzgebirge, wegen seiner Höhenlage aber auch zum nordöstlichen Erzgebirgsvorland. Die Höhen reichen von rund 220 m ü. NN im Tal der Wilden Weißeritz bis zu 359 m ü. NN nordwestlich von Klingenberg und Colmnitz. Höchste Erhebungen sind der Tännicht mit 461 m NN und der Landberg mit 426 m ü. NN.

Im Nordosten liegt Tharandt am Zusammenfluss von Wilder Weißeritz und Schloitzbach. Weitere Orte am oder nahe dem Wald sind Kurort Hartha, Pohrsdorf, Großopitz, Mohorn-Grund, Hetzdorf, Niederschöna, Naundorf, Klingenberg und Colmnitz. Die im Wald entspringende Triebisch fließt durch Mohorn-Grund und mündet bei Meißen in die Elbe. Südöstlich liegt die Talsperre Klingenberg, die unter anderem Dresden mit Trinkwasser versorgt.

Die Bahnstrecke Dresden–Werdau bildet fast vollständig die südliche Waldgrenze und gehört mit einer maximalen Neigung von 27 Promille zu den steilsten Hauptbahnen Europas. Rund 1,5 km östlich von Naundorf und 4,5 km südwestlich von Grillenburg liegt an der Diebeskammer im Tännichtgrund der geografische Mittelpunkt Sachsens.

Wald und Naturraum

Der Tharandter Wald liegt in einer alten Caldera, also einem durch den Einbruch eines Vulkanareals entstandenen Kessel. Die submontane Höhenlage bringt starke Klimaunterschiede mit sich. Karge und saure Böden begrenzen die Nutzung im Wesentlichen auf die Forstwirtschaft.

Vorherrschend ist Fichtenwald. Durch das Unterpflanzen von Fichtenbeständen mit Eichen- und Buchensetzlingen soll mehr Mischwald entstehen, der der natürlichen Bestockung näherkommt; dazu zählt unter anderem Traubeneichen-Buchen-Wald. Für Forststudenten ist das Gebiet ein „grüner Hörsaal“ mit forstbotanischen Untersuchungsmöglichkeiten.

Im südöstlichen Waldteil nördlich des Markgrafensteins befindet sich ein immissionsökologisches Prüffeld. Es entstand wegen Rauchschäden, insbesondere durch Emissionen des Freiberger Bergbau- und Hüttenreviers sowie durch die Halsbrücker Esse. Am Südrand liegt der türkis gefärbte Seerenteich, ein ehemaliger Floßteich.

Geologische Besonderheiten

Der Tharandter Wald wird als „Quadratmeile der Geologen“ bezeichnet, weil Aufschlüsse aller Hauptgesteinstypen nahe beieinander liegen. Seine geologische Entwicklung wird durch drei Hauptphasen geprägt: die Bildung einer Caldera, sedimentäre Ablagerungen der Kreidezeit und tertiäre Quarzitablagerungen nahe dem Landberg. Das Geologische Freilichtmuseum mit Geologischem Wanderweg verbindet Aufschlüsse zwischen Tharandt und Mohorn-Grund.

Der Porphyrfächer bei Mohorn-Grund zeigt Schmelztuff, der vor etwa 320 Millionen Jahren durch Vulkanismus entstand. Beim Abkühlen und Volumenschwund zerklüftete das Gestein senkrecht zu Zonen gleicher Temperatur; sichtbar sind ein Kluftfächer und Säulen. Er gehört zum Tharandter Vulkanitkomplex.

Bei Niederschöna liegen etwa 98 Millionen Jahre alte Flusssedimente, die Typlokalität der Niederschöna-Formation der Elbtal-Gruppe. Diese Formation besteht aus Sandsteinen mit dünnen kohligen Tonlagen und ist für Pflanzenfossilien bekannt. Die etwa 96 Millionen Jahre alte Oberhäslich-Formation entstand dagegen in einem flachen Meer. Aus ihren flachmarinen Sandsteinen wurde Werkstein gewonnen, darunter Grillenburger Sandstein für die Goldene Pforte des Freiberger Doms.

Weitere Beispiele sind Nephelinit-Säulen am Hexenhäusl des Ascherhübels: Sie stammen von einem Magmendom aus dem Jungtertiär vor etwa 14 mya im Miozän. Der Kugelpechstein von Spechtshausen ist ein wenige Quadratmeter großer Aufschluss eines glasig erstarrten ignimbritischen Gesteins mit rhyodazitischer Zusammensetzung, das bei einer vulkanischen Extrusion im Oberkarbon vor 250 bis 300 Millionen Jahren entstand.

Geschichtliche Entwicklung und Erholung

Im 12. Jahrhundert bestand im Waldzentrum kurzzeitig der Ort Warnsdorf. In Grillenburg wurden Grundmauern einer umfangreichen romanischen Anlage aus dem 13. Jahrhundert gefunden; seit dieser Zeit ist auch der Abbau von Grillenburger Sandstein nachgewiesen. In der Frühen Neuzeit diente der Wald der Jagd, der Holz- und Holzkohlegewinnung für Bergbau und Dresden sowie der Flößerei. Silberbergbau gab es besonders bei Mohorn-Grund und Edle Krone. Waldglashütten des 14. Jahrhunderts sind bei Hetzdorf und Kurort Hartha belegt. Zeidler, also Wald-Bienenzüchter und Waldaufseher, lieferten Wachs und Honig; Kunstteiche dienen weiterhin der Fischzucht.

Um 1800 war der Wald stark heruntergewirtschaftet. Heinrich Cotta stellte ihn ab 1811 nach wissenschaftlichen Grundsätzen wieder her. Der Tharandter Wald wurde damit zum Modellfall nachhaltiger Forstwirtschaft, die aus Holznot entstanden war. 1811 wurde in Tharandt der Forstbotanische Garten gegründet, 1816 aus Cottas privater Forstlehranstalt die Königlich-sächsische Forstakademie.

Seit dem 19. Jahrhundert dient das Gebiet der Erholung. Heute gibt es Lehrpfade sowie Wege zum Wandern, Reiten und Radfahren; auf einigen Strecken sind Kutsch- und Schlittenfahrten möglich. Sachsenforst, Vereine und Kommunen betreuen diese Angebote.

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