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Text on 9 keys
Text on 9 keys (zu deutsch: „Text auf 9 Tasten“), kurz T9, ist ein patentiertes System zur erleichterten Texteingabe (Eingabemethode) auf einer …
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Grundidee und Einordnung
„Text on 9 keys“ (deutsch: „Text auf 9 Tasten“), kurz T9, ist ein patentiertes System zur erleichterten Texteingabe auf einer Telefontastatur. Es wurde von Tegic Communications Inc. (USA) im Januar 1998 eingeführt und mit der Auslieferung des Nokia 3210 1999 im deutschsprachigen Raum bekannt. Im Juni 2007 übernahm Nuance Communications Inc. Tegic Communications.
T9 soll die Eingabe von der einzelnen Buchstabenwahl zur Wortwahl umstellen. Statt einen Buchstaben durch ein- oder mehrfaches Drücken auszuwählen, drückt man für jeden Buchstaben eines Wortes die zugehörige Zahlentaste genau einmal. Eine Software vergleicht die entstehende Ziffernfolge mit einem integrierten Wörterbuch und schlägt ein passendes Wort vor.
Funktionsweise der Eingabe
Tastentelefone besitzen für die Nummernwahl normalerweise eine 12er-Tastatur mit den Ziffern 0 bis 9 sowie zwei Steuerfunktionen. Für die Texteingabe sind den Tasten „2“ bis „9“ jeweils drei oder vier Buchstaben des lateinischen Alphabets zugeordnet. Bei der herkömmlichen Eingabe muss die Taste entsprechend der Position des gewünschten Buchstabens einmal oder mehrmals gedrückt werden.
T9 nutzt die Tatsache, dass einer bestimmten Folge der Tasten 2 bis 9 in einer Sprache meist nur wenige sinnvolle Wörter entsprechen. Bei längeren Ziffernfolgen gibt es oft sogar nur ein passendes Wort. Außerdem werden von mehreren möglichen Buchstabenkombinationen normalerweise nur wenige häufig verwendet. Das System zeigt daher nach jeder neuen Eingabe möglichst das Wort mit der höchsten Verwendungshäufigkeit an.
Gibt es mehrere passende Wörter, kann man mit einer Steuertaste zwischen ihnen blättern und das gewünschte Wort übernehmen. Wörter, die nicht im Wörterbuch enthalten sind, etwa seltene Eigennamen, können dem Wörterbuch hinzugefügt werden.
Ein Beispiel ist „Haus“. Dafür wird die Folge „4-2-8-7“ eingegeben. Nach der Taste 4 bietet die Software zunächst „I“ beziehungsweise „i“ an, weil die Buchstaben G und H deutlich weniger einzeln genutzt werden. Nach den weiteren Tasten entstehen nacheinander „Ha“, „Hat“ und schließlich „Haus“.
Vorteile gegenüber der herkömmlichen Eingabe
Der wichtigste Vorteil von T9 ist die meist deutlich geringere Zahl an Tastendrücken. Außerdem entfällt ein besonderes Problem der normalen Texteingabe: Liegen zwei aufeinanderfolgende Buchstaben auf derselben Taste, muss man zwischen ihnen kurz warten oder eine Bestätigungstaste drücken.
Für das Wort „Hallo“ sind ohne T9 zwölf Tastendrücke und eine längere Pause beziehungsweise eine Bestätigungstaste nötig:
- 4 4 2 5 5 5 Pause / Bestätigung 5 5 5 6 6 6
Mit T9 genügen fünf Tastendrücke:
- 4 2 5 5 6
T9 kann dadurch besonders bei häufigen Wörtern und längeren Texten die Eingabe beschleunigen.
Grenzen und typische Fehlzuordnungen
T9 eignet sich schlecht für Texte mit vielen Wörtern außerhalb des normalen Wortschatzes. Dazu gehören insbesondere Eigennamen, geographische Angaben und Dialektwörter, wenn sie nicht im Wörterbuch enthalten sind. Der Wortschatz eines Mobiltelefons kann außerdem sehr klein sein. Beim Nokia 6230i waren beispielsweise die Wörter „Bürste“ und „Zahnbürste“ unbekannt.
T9 kann nur für Sprachen sinnvoll eingesetzt werden, die standardisiert sind und für die ein Wörterbuch existiert. In der deutschsprachigen Schweiz wird es deshalb kaum genutzt, weil Schweizerdeutsch, die übliche SMS-Sprache in der Deutschschweiz, keine genormte Schriftsprache hat.
Problematisch sind auch Ziffernfolgen, zu denen mehrere gleich häufige Wörter passen. Dann muss der Nutzer korrigieren oder mit der Steuertaste zwischen den Vorschlägen blättern. Beispiele sind:
- „3 7“: „es“ oder „er“
- „8 6 7“: „vor“ oder „uns“
- „9 2 7“: „war“ oder „was“
- „5 6 6 6 3 6“: „können“ oder „kommen“
- „5 2 4 3“: „Lage“ oder „Jagd“
- „5 4 3 3 3 6“: „liefen“ oder „kiffen“
- „5 4 3 3 3 7“: „Lieder“ oder „Kiefer“
Manche Anwender empfinden das Blättern zwischen Vorschlägen und das Ergänzen fehlender Wörter als zu mühsam. Geübte Nutzer können trotz der höheren Zahl an Tastendrücken manchmal schneller ohne T9 schreiben. Die weiterentwickelte Methode iTap ermöglicht deshalb unter anderem das interaktive Erlernen fehlender Wörter und eine erneute Sortierung möglicher Wörter nach Häufigkeitsklassen ab der dritten Ziffer.
Kuriose Vorschläge und Kontextfehler
Die deutsche Sprachversion wurde „entnazifiziert“. In der ursprünglichen Version erschienen „Volk“ und „Nazi“ als erste Alternativen, weil sie bei der Internetrecherche des Unternehmens häufiger gefunden worden waren als „voll“ und „Maxi“. Später wurde die Sortierreihenfolge geändert; außerdem wurden einzelne Wörter wie „Judenfrage“ aus dem T9-Wörterbuch gestrichen.
Eine weitere Kuriosität besteht darin, dass T9 ein vom Bediener beabsichtigtes Wort durch ein anderes, nicht gewünschtes Wort ersetzen kann. Dadurch kann sich der Gesamtkontext eines Dialogs verändern und eine unbeabsichtigte oder ungewöhnliche Bedeutung entstehen. Vergleichbare Effekte gibt es bei digitalen Smartphone-Tastaturen durch nicht gewollte Autovervollständigungen.