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Tala (Musik)
Ein Tala (Sanskrit: ताल, tāla, auch tal, taal, in südindischen Sprachen: talam ‚Klatschen') ist ein zyklisch wiederholtes Schlagmuster, das in der …
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Grundidee und Struktur
Ein Tala (Sanskrit: ताल, tāla; auch tal oder taal, in südindischen Sprachen talam „Klatschen“) ist ein zyklisch wiederholtes Schlagmuster der klassischen indischen Musik. Es reguliert unter anderem die rhythmische Gestaltung bestimmter Formteile einer Raga-Aufführung.
Ein Tala besteht aus einer bestimmten Anzahl von Schlägen, den Matras. Diese schließen sich zu Abschnitten, den Vibhags, zusammen. Der wichtigste Orientierungspunkt ist jeweils das erste Matra des Zyklus. Es heißt Sam („gemeinsam, zusammen“) und entspricht der rhythmischen „Eins“. Die Musiker kehren in ihren rhythmischen Variationen immer wieder gemeinsam zum Sam zurück.
Ein Beispiel zeigt die Funktion des Zyklus: Bei einem Tala mit 8 Matras, etwa Kaharva, kann sich eine rhythmische Figur über 3 Matras erstrecken. Wird sie dreimal wiederholt, umfasst sie 9 Schläge; der neunte Schlag fällt damit wieder mit dem Sam des nächsten Zyklus zusammen.
Die Tala-Struktur wird durch Klatschen und Handgesten oder durch Klangsilben, sogenannte Bols, vermittelt. Bei der gestischen Darstellung wird das erste Matra jedes Vibhags durch einen Klatscher markiert. Die folgenden Schläge werden durch leichtes Klopfen mit den einzelnen Fingern weitergezählt. Vibhags, die als Khali („leer“) gelten, werden durch eine winkende Bewegung mit der Hand angezeigt; dabei zeigt der Handrücken nach unten.
Tempo und Verlauf einer Aufführung
Für das Tempo wird der Oberbegriff Laya verwendet. Grundsätzlich werden drei Stufen unterschieden:
- Vilambit bedeutet langsam.
- Madhya bedeutet mittel.
- Drut bedeutet schnell.
Laya bezeichnet außerdem die rhythmische Dichte: Gemeint ist, in wie viele gleich lange Teile ein Matra unterteilt wird, etwa in zwei, drei oder mehr Teile. Eine höhere Dichte kann ebenfalls den Eindruck eines schnelleren Tempos erzeugen. Im langsamen Vilambit-Tempo kann sich ein Tala-Zyklus über mehrere Minuten erstrecken. Zur besseren Übersicht wird jeder Schlag dennoch weiter unterteilt. Die Pausen zwischen den eigentlichen Schlägen werden mit rhythmischen Mustern verziert. Wichtig bleibt, dass Musiker und möglichst auch Zuhörer die tatsächlichen Schläge und besonders den Sam innerlich erkennen.
Eine Aufführung beginnt normalerweise sehr langsam und zunächst ohne rhythmische Begleitung. Diese Einleitung eines Sängers oder Instrumentalisten heißt Alap. Als Instrumente nennt der Artikel unter anderem Bansuri, Sitar und Sarod. Mit dem Einsatz der Tabla beginnt die Zählung in Tala-Zyklen, meistens zunächst in langsamem oder mittlerem Tempo.
Im weiteren Verlauf wird die Geschwindigkeit gesteigert. Dies kann durch eine Erhöhung der Schlagdichte, zum Beispiel durch Verdoppelung, oder durch einen allmählichen Anstieg des Tempos geschehen. Der Höhepunkt heißt Jhala. Manchmal folgt vor dem endgültigen Schluss noch einmal eine kurze langsame Passage.
Talas der hindustanischen Musik
In der klassischen Musik Nordindiens wird ein Tala häufig durch eine festgelegte Folge von Schlägen auf der Tabla oder der Pakhawaj dargestellt. Diese Schlagfolge heißt Theka und ist fest mit einem Tala verbunden. Die verschiedenen Trommeltechniken werden mit Klangsilben, den Bols, bezeichnet. Dadurch kann ein Theka rhythmisch gesprochen, gelernt und memoriert werden.
Der Perkussionist spielt zunächst den Theka. Während der Aufführung kann er improvisieren und später wieder zum ursprünglichen Theka oder zu einer seiner Varianten zurückkehren. Je nach Tempo wird der Theka verändert: Im langsamen Tempo werden die Pausen zwischen den Hauptschlägen mit Verzierungen ausgefüllt. Im schnellen Tempo werden einzelne Schläge ausgelassen oder durch leichter spielbare Schläge ersetzt. Die Grundstruktur des Tala muss dabei für den Hörer erkennbar bleiben. Solche Variationen heißen Prakar.
Es gibt einige hundert Talas, aber nur wenige werden häufig verwendet. Manche sind mit bestimmten Musikstilen verbunden. Talas, die vor allem im Dhrupad vorkommen, sind teilweise von der Pakhawaj beeinflusst; ihre Thekas verwenden für diese Trommel typische Silben.
Häufig verwendete Talas
In der Notation kennzeichnet „+“ den Sam beziehungsweise die erste Betonung. Weitere Betonungen werden nummeriert; das Fehlen einer Betonung, Khali, wird mit „0“ bezeichnet. Die Bols geben zugleich eine Spielanleitung und einen Eindruck von der rhythmischen Struktur.
- Tintal, auch Teentaal oder Trital, ist der am meisten gebrauchte Tala der nordindischen Musik. Er umfasst 16 Matras in 4 gleich langen Vibhags. Es gibt 3 Talis auf den Schlägen 1, 5 und 13 sowie 1 Khali auf Schlag 9. Die Bols lauten: dha dhin dhin dha | dha dhin dhin dha | dha tin tin ta | ta dhin dhin dha. Es existieren viele Varianten, die teilweise als eigene Talas gelten, aber dieselbe Struktur haben.
- Jhaptal wird in der nordindischen klassischen Musik sowie in Genres wie Khyal und Kirtan verwendet. Er umfasst 10 Matras in 4 Vibhags, mit 3 Talis auf 1, 3 und 8 und 1 Khali auf 6. Die Bols sind: dhi na dhi | dhi na | ti na dhi | dhi na.
- Dadra umfasst 6 Matras in 2 Vibhags. Er hat 1 Tali auf 1 und 1 Khali auf 4. Er wird häufig mit der semiklassischen Gesangsform Dadra verbunden und außerdem in der Volksmusik verwendet. Die Bols lauten: dha dhin na | ta ti na.
- Kaharva umfasst 8 Matras in 2 Vibhags, mit 1 Tali auf 1 und 1 Khali auf 5. Er wird in der leichteren klassischen Musik, in vielen Bhajans und im Qawwali verwendet. Die Bols sind: dha ge na ti | na ka dhi na.
- Ektal umfasst 12 Matras in 6 Vibhags. Er besitzt 4 Talis auf 1, 5, 9 und 11 sowie 2 Khalis auf 3 und 7. Eine Besonderheit ist seine Verwendung sowohl im extrem langsamen als auch im sehr schnellen Tempo, während er selten im mittleren Tempo gespielt wird. Die Bols lauten: dhin | dhin | dha ge | ti ra ki ta | tu na | kat ta | dha ge | ti ra ki ta | dhi na.
- Tevra umfasst 7 Matras in 3 Vibhags. Er hat 3 Talis auf 1, 4 und 6 und kein Khali. Die Bols sind: dha dhin ta | ti ta ka ta | ga di ga na.
- Rupak umfasst 7 Matras in 3 Vibhags und wird in der klassischen und semiklassischen Musik verwendet. Er beginnt ungewöhnlicherweise nicht mit einer Betonung beziehungsweise einem Sam, sondern unbetont mit Khali, ähnlich einem Auftakt. Es gibt 2 Talis auf 4 und 6 sowie 1 Khali auf 1. Die Bols lauten: ti ti na | dhi na | dhi na.
- Dhammar umfasst 14 Matras in 4 Vibhags, mit 3 Talis auf 1, 6 und 11 sowie 1 Khali auf 8. Die Bols sind: ka dhi ta dhi ta | dha – | ka ti ta ti ta | ta –.
Talas der karnatischen Musik
Die Tala-Systematik der karnatischen Musik unterscheidet sich von der nordindischen Musiktheorie. Der heute verbreitete Standard heißt Suladi Sapta Tala. Ein Zyklus wird Avartana genannt und besteht aus einer oder mehreren Einheiten, den Anghas.
Es gibt drei Angha-Typen, die sich durch die Zahl ihrer Schläge, der Aksharas, unterscheiden:
- Anudhrutam (U) besteht aus 1 Akshara.
- Dhrutam (O) besteht aus 2 Aksharas.
- Laghu (I) umfasst 3, 4, 5, 7 oder 9 Aksharas.
Die Sänger begleiten die Anghas mit Gesten der rechten Hand: Anudhrutam wird durch einen Abwärtsschlag, Dhrutam durch einen Doppelschlag und Laghu durch Schläge der Finger vom kleinen Finger zum Daumen und zurück angezeigt.
Es gibt 7 Tala-Familien, die sich durch die Zusammensetzung der Avartanas aus den drei Angha-Typen unterscheiden: Dhruva (IOII), Matya (IOI), Rupaka (OI), Jhampa (IUO), Triputa (IOO), Ata (IIOO) und Eka (I). Ein Avartana muss mindestens ein Laghu enthalten. Wenn mehrere Laghus vorkommen, haben sie dieselbe Zahl von Aksharas.
Je nach dieser Zahl gehört ein Tala zu einer Jati: Thisra (3), Chatusra (4), Khanda (5), Misra (7) oder Sankirna (9). Ein Tala wird durch Tala-Familie und Jati bestimmt. Daraus ergeben sich theoretisch 35 Kombinationen. Beispielsweise hat Dhruva in den fünf Jatis 11, 14, 17, 23 oder 29 Aksharas; Matya 8, 10, 12, 16 oder 20; Rupaka 5, 6, 7, 9 oder 11; Jhampa 6, 7, 8, 10 oder 12; Triputa 7, 8, 9, 11 oder 13; Ata 10, 12, 14, 18 oder 22; Eka 3, 4, 5, 7 oder 9.
Aksharas können zusätzlich in 3, 4, 5, 7 oder 9 Matras unterteilt werden. Diese Unterteilung heißt Nadai oder Gati; ihre Namen entsprechen denen der Jatis. Der gebräuchlichste Tala der karnatischen Musik ist Chatusra-Nadai Chatusra-Jati Triputa Tala, bekannt als Adi Tala. Aus westlicher Sicht handelt es sich dabei um einen einfachen geraden Takt.