Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Tagebuch eines Skandals
Tagebuch eines Skandals (Originaltitel: Notes on a Scandal) ist ein britisches Filmdrama von Richard Eyre aus dem Jahr 2006. Die Handlung beruht auf dem …
Inhalt5 Abschnitte
Einordnung des Films
Tagebuch eines Skandals, im Original Notes on a Scandal, ist ein britisches Filmdrama von Richard Eyre aus dem Jahr 2006. Das Drehbuch schrieb Patrick Marber, die Musik stammt von Philip Glass, die Kamera führte Chris Menges. Der Film ist 91 Minuten lang und ab 12 Jahren freigegeben. Er beruht auf dem Roman Notes on a Scandal von Zoë Heller aus dem Jahr 2003.
Im Mittelpunkt stehen zwei Lehrerinnen an einer Londoner Schule: die ältere Geschichtslehrerin Barbara Covett, gespielt von Judi Dench, und die jüngere Kunstlehrerin Sheba Hart, gespielt von Cate Blanchett. Der Film behandelt Einsamkeit, Abhängigkeit, moralisches Fehlverhalten, Macht über andere Menschen und die Folgen eines öffentlichen Skandals.
Handlung
Barbara Covett ist über 60 Jahre alt und unterrichtet Geschichte an der Londoner St.-Georgs-Schule. Sie gilt als streng, hart und unbeliebt, wird aber fachlich respektiert. Privat lebt sie einsam, ohne Freunde und ohne eigene Familie. Als die 37-jährige Kunstlehrerin Sheba Hart an die Schule kommt, beginnt Barbara, sie genau zu beobachten. Sheba wirkt unkonventionell und offen, ist pädagogisch aber unsicher. Barbara freundet sich mit ihr an und fühlt sich stark zu ihr hingezogen.
Sheba vertraut Barbara später persönliche Probleme an. Sie leidet darunter, dass in ihrer Ehe mit Richard, ihrem 20 Jahre älteren Mann, die Leidenschaft verschwunden ist. Außerdem fühlt sie sich durch ihr Familienleben eingeengt: Ihre Tochter Polly ist 15 Jahre alt und leidet an Liebeskummer, ihr Sohn Ben hat das Down-Syndrom.
Bei einer Schulaufführung bemerkt Barbara, dass Sheba fehlt. Sie sucht sie und beobachtet, wie Sheba mit dem 15-jährigen Schüler Steven Connolly Sex hat. Als Barbara sie darauf anspricht, leugnet Sheba nichts. Sie sagt, sie sei in die Affäre mit Steven „hineingerutscht“. Barbara verspricht zu schweigen, nutzt ihr Wissen aber als Druckmittel. Sie dringt immer stärker in Shebas Privatleben ein und erwartet von Sheba mehr als Freundschaft als Gegenleistung für ihr Schweigen.
Sheba schafft es trotz ihres schlechten Gewissens nicht, die Beziehung zu Steven zu beenden. Gleichzeitig bemüht sie sich stärker um ihren Mann Richard und ihre Kinder. Als Barbaras alte Katze eingeschläfert werden soll, verlangt Barbara, dass Sheba sie begleitet. Sheba sagt ab, weil sie zur Schulaufführung gehen muss, bei der ihr Sohn als Zauberer auftritt. Barbara fühlt sich verlassen und ist zusätzlich verletzt, weil sie herausgefunden hat, dass Sheba ihr Versprechen, mit Steven Schluss zu machen, nicht gehalten hat.
Barbara deutet gegenüber einem Kollegen an, Sheba interessiere sich eher für jüngere Männer, sogar für Schüler, und nennt Steven. Dadurch wird die Affäre öffentlich. Die Boulevardpresse greift den Fall auf. Barbara wird als Mitwisserin enttarnt und vom Unterricht suspendiert, weil sie einer Frühpensionierung nicht zustimmt. Außerdem kommt heraus, dass Barbara schon früher aus Einsamkeit die Beziehung einer Kollegin zerstört hatte.
Shebas Ehe zerbricht. Sie trennt sich von Richard und zieht zu Barbara, ohne zu wissen, dass Barbara den Skandal ausgelöst hat. In Barbaras Wohnung findet Sheba deren Tagebuch, in dem Barbara die Ereignisse genau dokumentiert hat. Dadurch erkennt Sheba den Verrat und verlässt Barbara. Am Ende wird Sheba Hart zu zehn Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. Barbara lernt Anabelle kennen, eine junge Frau in Shebas Alter, und versucht, eine neue Freundschaft zu beginnen.
Entstehung und Hintergrund
Der Film wurde in London und in Eastbourne in East Sussex gedreht. Seine Uraufführung in ausgewählten Kinos der USA fand am 25. Dezember 2006 statt. In der breiten Veröffentlichung spielte der Film in den USA etwa 17,5 Millionen US-Dollar ein; außerhalb der Vereinigten Staaten kamen etwa 26,2 Millionen US-Dollar hinzu.
Die literarische Vorlage stammt von Zoë Heller, die neben ihrer Arbeit als Romanautorin eine Kolumne beim Daily Telegraph schrieb. Ihr Roman Tagebuch einer Verführung basiert auf einem wahren Fall: Mitte der 1990er Jahre machte die US-amerikanische Pädagogin Mary Kay LeTourneau Schlagzeilen, nachdem sie wegen sexueller Handlungen mit einem 13-jährigen Schüler zu sieben Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden war.
Bewertung und Auszeichnungen
Die Kritiken hoben besonders die schauspielerischen Leistungen hervor. Justin Chang lobte in Variety am 8. Dezember 2006 Judi Denchs Darstellung. Sie lasse das Publikum Mitgefühl für die Einsamkeit der von ihr gespielten Barbara Covett entwickeln. Cate Blanchetts Darstellung wurde als „absolut überzeugend“ bezeichnet.
Peter Zander schrieb in der Welt, Barbara Covett liebe Frauen, hasse sich aber selbst dafür und habe gelernt, ihre Gefühle zu unterdrücken. Der Film sei deshalb nicht einfach ein Film über die „böse Lesbe“, sondern über Homophobie und darüber, wie sie Menschen verformen könne.
Bei der Oscarverleihung 2007 war Tagebuch eines Skandals viermal nominiert: für Beste Hauptdarstellerin (Judi Dench), Beste Nebendarstellerin (Cate Blanchett), Bestes adaptiertes Drehbuch und Beste Filmmusik. Judi Dench, Cate Blanchett und Patrick Marber waren außerdem für den Golden Globe Award nominiert. 2007 gewann der Film bei der Berlinale den Teddy Ballot Volkswagen Audience Award. Judi Dench, Cate Blanchett und Philip Glass wurden 2006 für den Satellite Award nominiert. Cate Blanchett gewann 2006 den Toronto Film Critics Association Award und den Dallas-Fort Worth Film Critics Association Award.
Deutsche Fassung
Die deutsche Synchronfassung entstand bei Interopa Film in Berlin. Alexander Löwe schrieb das Dialogbuch, Frank Schaff führte Dialogregie.
Zu den wichtigsten deutschen Stimmen gehören Bettina Weiß als Sheba Hart für Cate Blanchett, Gisela Fritsch als Barbara Covett für Judi Dench, Filipe Pirl als Steven Connolly für Andrew Simpson, Frank Glaubrecht als Richard Hart für Bill Nighy und Lisa May-Mitsching als Polly Hart für Juno Temple.