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Tag (Informatik)

Ein Tag (ausgesprochen [tæg]; aus englisch tag entlehnt, für Etikett, Mal, [Ab-]Zeichen, Auszeichner, Anhänger oder Schildchen) ist eine Auszeichnung eines …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Tags in Auszeichnungssprachen
  2. 2. Attribute und Schreibweisen
  3. 3. Unterschiede zwischen XML, XHTML, SGML und HTML
  4. 4. Vereinfachte Auszeichnung und Dateiformate
  5. 5. Tags in Programmierung und Versionsverwaltung
  6. 6. Tags im Webdesign, in Netzwerken und allgemein

Grundidee und Tags in Auszeichnungssprachen

Ein Tag ist eine Auszeichnung eines Datenbestandes mit zusätzlichen Informationen. In Auszeichnungssprachen, also Sprachen zur Markierung und Strukturierung von Dokumenten, bezeichnet ein Tag die Auszeichnungsmarkierung für ein Element. Wichtige Beispiele sind SGML, XML, XHTML und HTML.

Grundsätzlich gibt es mehrere Arten von Tags: Ein Starttag wie <Elementname> markiert den Beginn einer Auszeichnung. Ein Endtag wie </Elementname> markiert ihr Ende. Ein Leertag wie <Leerelementname/> steht für ein Element ohne getrennten Inhalt zwischen Start- und Endtag, zum Beispiel bei Bildern in HTML. Die Namen Elementname und Leerelementname müssen gültige Namen der jeweiligen Auszeichnungssprache sein.

Ein vollständig ausgezeichnetes Element kann zum Beispiel so aussehen: <Elementname>...</Elementname>. Ein Leerelement kann so geschrieben werden: <Leerelementname/>. Anwendungen wie Webbrowser lesen solche Markierungen mit einem Parser. Ein Parser ist ein Programmteil, der die Struktur eines Dokuments auswertet. Aus den Tags gewinnt die Anwendung die Elemente und kann sie zum Beispiel für die Darstellung einer Webseite verwenden.

Bei vollständig ausgezeichneten Dokumenten stehen Elemente und Tags in einer direkten Beziehung: Ein Paar aus Starttag und Endtag stellt genau ein Element dar. Ein Leertag bildet ebenfalls genau ein Element, nämlich ein Leerelement.

Attribute und Schreibweisen

Attribute ordnen einem Element zusätzliche Eigenschaften zu. Sie stehen nach dem Element-Bezeichner innerhalb eines Starttags oder Leertags. Die allgemeine Form lautet: <Elementname Attributname="Attributwert">. Ein Attribut besteht aus einer Zuweisung Attributname="Attributwert", also aus Eigenschaftsname und Eigenschaftswert.

Der Attributwert wird üblicherweise in doppelte Anführungszeichen "..." oder einfache Anführungszeichen '...' gesetzt. Ein Beispiel für ein in HTML eingebundenes Bild ist: <img src="bild.jpg"/>. Hier gibt das Attribut src an, welche Bilddatei verwendet werden soll.

Es können mehrere Attribute angegeben werden. Sie werden durch Separatorzeichen getrennt, zum Beispiel durch Leerzeichen, Tabulatorzeichen oder Zeilenumbrüche. Ein Beispiel ist: <img src="bild.jpg" title="Abbildung"/>. Hier hat das Bild zusätzlich einen title-Wert.

In HTML gibt es außerdem sogenannte boolesche Attribute. Ein boolesches Attribut steht für einen Schalter mit den Werten „ja“ oder „nein“. Ein Beispiel ist <video controls>. Wenn controls vorhanden ist, gilt das Attribut als „ja“; fehlt es, gilt es als „nein“. In XML ist diese Schreibweise ohne Wertzuweisung verboten.

Unterschiede zwischen XML, XHTML, SGML und HTML

XML und XHTML verlangen, dass Tags stets vollständig ausgezeichnet werden. Ein Beispiel ist: <p align="left">Text</p>. Das Element p hat hier ein Starttag, ein Endtag und das Attribut align="left".

In SGML und HTML bis Version 4 ist eine vollständige Auszeichnung immer zulässig. Je nach Dokumenttypdefinition sind aber Minimierungen erlaubt. Minimierung bedeutet, dass bestimmte Teile der Auszeichnung verkürzt oder weggelassen werden dürfen. Im Beispiel kann das Attribut align="left" durch left minimiert werden: <p left>Text</p>.

Auch in HTML Version 5 lässt die Norm vollständige Auszeichnung zu. Die Standardauszeichnung sieht aber Minimierungen vor. Eine Liste kann vollständig so geschrieben werden: <ul><li>erster Listeneintrag</li><li>zweiter Listeneintrag</li></ul>. In HTML Version 5 kann dieselbe Liste vereinfacht geschrieben werden, indem die Endtags </li> ausgelassen werden: <ul><li>erster Listeneintrag<li>zweiter Listeneintrag</ul>.

Damit zeigt der Artikel einen wichtigen Unterschied: Manche Auszeichnungssprachen verlangen eine streng vollständige Schreibweise, während andere je nach Norm und Dokumenttyp verkürzte Formen erlauben.

Vereinfachte Auszeichnung und Dateiformate

Neben den klassischen Auszeichnungssprachen gibt es vereinfachte Auszeichnungssprachen. Dort können Tags anders aussehen, zum Beispiel mit eckigen Klammern oder nur aus Interpunktionszeichen bestehen. Bei LaTeX werden häufig „Befehle“ mit geschweiften Klammern verwendet, etwa \author{William Shakespeare} und \title{Ein Sommernachtstraum}. Auch die Form \begin{Tag}Element\end{Tag} kann zur Auszeichnung dienen und ähnelt in ihrer Funktion einem Anfangs- und Schlusstag.

In älterer Textverarbeitungssoftware wurden Formatierungsanweisungen ebenfalls durch besondere Markierungen gegeben, etwa durch „Dot-Befehle“ in troff und WordStar oder ähnliche Formen.

Bei Dateiformaten bezeichnet ein Tag eine Meta- oder Zusatzinformation, die einer Datei angefügt wird. Metainformationen sind Informationen über Daten, nicht unbedingt die eigentlichen Nutzdaten selbst. Neben den gespeicherten Daten können so Angaben über Ursprung, Zweck oder Eigenschaften der Datei abgelegt werden.

Ein Beispiel ist das ID3-Tag in Musikdateien. Es enthält Informationen wie Titel, Genre, Interpret und anderes. Ein weiteres Beispiel ist das Tagged Image File Format, kurz TIFF, ein Bilddateiformat, das auf der Verwendung von Tags zur Speicherung von Informationen beruht. Für zusätzliche Auszeichnungen beliebiger Daten, meist Fotos, gibt es Exif.

Tags in Programmierung und Versionsverwaltung

In der objektorientierten Programmierung wird das Wort „Tag“ umgangssprachlich verwendet und hat keine genaue Definition. Objektorientierte Programmierung ist ein Programmieransatz, bei dem Daten und zugehörige Funktionen in Objekten zusammengefasst werden. Ein Tag kann dort ein Attribut oder Datenfeld bezeichnen, das für verschiedene Zwecke bereitgehalten wird, aber nicht unbedingt verwendet werden muss.

Ein Tag kann auch ähnlich wie in XML dazu dienen, Programmobjekte zu klassifizieren oder intern zusätzliche Daten bereitzuhalten. In diesem Sinn wird die Bezeichnung häufig synonym zu flag verwendet. Ein flag ist ein Kennzeichen oder Schalter in einem Programm. Ein solches Attribut kann für Anwender oder für Programmierer, die vorgefertigte Klassen verwenden, verborgen bleiben.

In den Object-Pascal-Varianten Delphi und Kylix besitzen sämtliche Klassen ein Integer-Feld „Tag“. Dieses Feld wird zunächst nicht verwendet und erlaubt dem Programmierer, dort zusätzliche Informationen zwischenzuspeichern. Unter AmigaOS verwendet BOOPSI sogenannte Tag-Listen zur Parameterübergabe.

In Versionsverwaltungssystemen bezeichnet ein Tag die Markierung einer Menge von Dateien. Mit dieser Markierung lässt sich zu einem beliebigen Zeitpunkt eine bestimmte Version wiederherstellen. Ein Tag dient dort also dazu, einen bestimmten Stand eines Projekts eindeutig wieder auffindbar zu machen.

Tags im Webdesign, in Netzwerken und allgemein

In der Informationsarchitektur und im Webdesign bezeichnet Tagging eine Technik, bei der Besucher an besuchte Seiten frei wählbare Begriffe anhängen können. Die Texte werden dadurch etikettiert oder verschlagwortet. So lassen sich Artikel gleichzeitig in unterschiedliche Themenbereiche einsortieren. Diese Technik ergänzt oder ersetzt die starre Hierarchisierung herkömmlicher Navigations-Rubriken.

Im Netzwerkbereich können Tags verwendet werden, um Datenpakete in einem durch VLAN unterteilten Netz den einzelnen VLAN-Segmenten zuzuordnen. Ein VLAN ist ein logisch unterteiltes Netzwerk. Tags können außerdem Pakete für eine Priorisierung nach Verkehrsklassen markieren. Diese Priorisierung gehört zum Bereich Quality of Service, also zur Steuerung der Dienstqualität in Netzwerken.

Der Artikel betont abschließend, dass „Tag“ fachsprachlich auch ungenau in weiteren Bereichen verwendet wird. Allen Verwendungen ist gemeinsam, dass sie sich eng an der wörtlichen Bedeutung des englischen Begriffs orientieren. Ein Tag ist immer eine Art abstraktes Etikett, Schildchen, Auszeichner oder eine Markierung.

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