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LaTeX
LaTeX. Softwarepaket zur Vereinfachung der Benutzung des Textsatzprogramms TeX mit Hilfe von Makros. Artikel · Diskussion.
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Wesen und Arbeitsweise
LaTeX ist ein plattformunabhängiges, freies Softwarepaket für Schriftsatz. Es vereinfacht die Benutzung des Textsatzsystems TeX durch Makros, also vorgefertigte Befehlssammlungen. Zugleich ist LaTeX eine Auszeichnungssprache und ein Dateiformat: Texte, besonders solche mit mathematischen Formeln, werden als Quelltext geschrieben und anschließend für Druck oder Bildschirm formatiert. Entwickler waren Leslie Lamport und später das LaTeX Project Team; LaTeX erschien 1984. Die aktuelle Version ist das „June 2026 LaTeX release“ vom 1. Juni 2026 und steht unter der LaTeX Project Public License.
Anders als bei WYSIWYG-Textverarbeitungen bearbeitet man nicht unmittelbar das fertige Seitenbild. Autorinnen und Autoren kennzeichnen Überschriften, hervorgehobene Stellen oder Formeln mit textlichen Befehlen und lassen den Quelltext verarbeiten. Dieses Prinzip wird auch WYSIWYAF („What you see is what you asked for“) genannt. Es braucht zunächst Einarbeitung, erlaubt aber eine genaue und einheitliche Gestaltung. LaTeX erzeugt unter anderem PDF, HTML und PostScript; sein Layout und besonders der Formelsatz gelten als sehr ausgereift. Es eignet sich daher besonders für umfangreiche Arbeiten mit typografischen Anforderungen, etwa Diplomarbeiten und Dissertationen.
Beim logischen oder generischen Markup werden Inhalt und Form getrennt. Statt eine Überschrift nur optisch groß und fett zu setzen, wird sie beispielsweise mit \section{Einleitung} als Überschrift ausgezeichnet. Dokumentklasse oder Stildatei legen dann zentral fest, wie alle Überschriften aussehen, nummeriert werden und ins Inhaltsverzeichnis gelangen. Mit \tableofcontents kann daraus automatisch ein Inhaltsverzeichnis erzeugt werden.
Technik, Einsatz und Erweiterungen
LaTeX ist im TeX-Sinn ein „Format“. Sein Kern besteht aus Makrodefinitionen in latex.ltx; nach ihrer Ausführung entsteht das Speicherabbild latex.fmt. Dieses liest eine Engine, also ein Binärprogramm wie TeX, pdfTeX oder LuaTeX, vor jedem Dokumentlauf ein. Weitere bedeutende TeX-Formate sind plain TeX und ConTeXt. Für LaTeX gibt es besonders viele Zusatzpakete, die seine Darstellungsmöglichkeiten erweitern, etwa für Veröffentlichungen, Lehrmaterial oder Abschlussarbeiten. Viele Pakete setzen auch Gestaltungsrichtlinien von Verlagen, Zeitschriften, Fachgesellschaften oder Hochschulen um.
LaTeX läuft auf den meisten Betriebssystemen, etwa Windows von Version 3.x bis Windows 11, macOS und Linux. Wenn passende Zusatzpakete installiert sind, ist die Ausgabe in DVI und PDF unabhängig von Rechnerplattform und Drucker exakt gleich, auch bei Schriftarten, Schriftgrößen sowie Zeilen- und Seitenumbrüchen. LaTeX nutzt eigene, für den Druck optimierte Schriften; mit XeTeX und LuaTeX können auch systemweit installierte Schriften verwendet werden. Typst ist ein neueres, nicht auf TeX basierendes Textsatzsystem und versteht sich als gleichwertige Alternative; es will übliche Programmierkonstrukte mit hoher typografischer Qualität und einfacherer Nutzung verbinden. Es ist seit März 2023 öffentlich verfügbar.
LaTeX wird wegen Stabilität, freier Verfügbarkeit und Formelsatz vor allem an Universitäten und Hochschulen, teils auch an Gymnasien mit Informatik-Spezialklassen genutzt. In Mathematik und Naturwissenschaften ist es Standard für wissenschaftliche Arbeiten und wird von Wissenschaftsverlagen und Zeitschriften verwendet. Zusatzpakete decken außerdem etwa Notensatz, Lautschrift, altsprachliche Texte und Bibliografien ab; Unternehmen nutzen LaTeX unter anderem für Handbücher, Fahrpläne und Produktkataloge.
Wichtige Zusatzprogramme sind BibTeX für Literaturverzeichnisse, BibLaTeX mit Biber für Unicode-Quellen, pdfTeX zur direkten PDF-Erzeugung, LuaTeX mit UTF-8, OpenType-Unterstützung und eingebettetem Lua sowie MakeIndex und xindy für Stichwortverzeichnisse. PSTricks und PGF/TikZ erstellen oder wandeln Zeichnungen und Grafiken. Konverter wie TeX4ht und LaTeX2html wandeln LaTeX in HTML und XML; Pandoc liest unter anderem Markdown, HTML und LaTeX und schreibt zahlreiche Formate, darunter PDF und ODT.
Sprache, Schrift und Dokumentaufbau
Seit 2018 verwendet LaTeX standardmäßig UTF-8 als Eingabekodierung. Das früher wesentliche Paket inputenc, etwa \usepackage[utf8]{inputenc}, wird nur noch für andere erweiterte Eingabezeichensätze benötigt. Die angegebene Kodierung muss zu der im Texteditor verwendeten Kodierung passen; sonst kann es beim Austausch von Dateien Probleme geben. Die Standardschrift ist Computer Modern (CM). Mit \usepackage[T1]{fontenc} wird die T1-Version eingebunden, die echte Umlaute enthält; dadurch lassen sich Umlaute auch in PDF-Dateien suchen. Aktuelle Implementierungen wie LuaTeX, LuaMetaTeX und XeTeX können OpenType-Fonts verwenden und Unicode sowohl für Eingabedatei als auch Schriftkodierung nutzen.
Das Paket Babel macht sprachabhängige Funktionen verfügbar. \usepackage[ngerman]{babel} lädt deutsche Trennmuster nach neuer deutscher Rechtschreibung, erzeugt beispielsweise „Inhaltsverzeichnis“ statt „table of contents“, passt Typografie an und ermöglicht Sprachwechsel innerhalb eines Dokuments.
LaTeX-Befehle beginnen mit einem Backslash und können Pflichtparameter in geschweiften Klammern sowie optionale Parameter in eckigen Klammern besitzen: \befehl[optionaler parameter]{parameter}. Ein Dokument beginnt typischerweise mit \documentclass, das die Dokumentart bestimmt. Die KOMA-Script-Klasse scrartcl ist für kürzere Artikel, scrreprt für längere Berichte und scrbook für Bücher gedacht. scrbook und scrreprt verwenden \chapter als oberste Hauptgliederung, scrartcl \section; alle Klassen können mit \part in Teile oder Bände gegliedert werden.
Pakete werden mit \usepackage eingebunden. \title, \author und \date legen Angaben für das Dokument fest; \maketitle gibt sie aus. Erst zwischen \begin{document} und \end{document} steht der auszugebende Inhalt. \section und \subsection strukturieren ihn. Das Beispiel enthält mit amsmath zwei Formeln: E = mc^2 und m = m_0 / √(1 − v^2/c^2).
Distributionen, Oberflächen und KOMA-Script
Zum Arbeiten mit LaTeX braucht man die LaTeX-Software sowie einen Texteditor oder eine Entwicklungsumgebung, in der Quelltext geschrieben und die Umsetzung in ein gesetztes Dokument gestartet wird. Distributionen bündeln Makros, Schriften, Skripte und Zusatzprogramme. Bekannte Distributionen sind TeX Live für Unix/Linux/Windows/Mac, MacTeX als angepasste TeX-Live-Variante für macOS und MiKTeX, das primär für Windows gedacht ist, aber auch für Linux und macOS verfügbar ist. Unter Ubuntu und Debian kann texlive-full mit sudo apt install texlive-full installiert werden.
Entwicklungsumgebungen bieten gegenüber einfachem Editor und Kommandozeile unter anderem Zugriff auf Befehle und Symbole, Vorlagen, Projektverwaltung, Strukturansicht, DVI-Vorschau, Syntaxhervorhebung, teilweise Autovervollständigung und Rechtschreibprüfung. Manche unterstützen Unicode direkt. Beispiele für plattformübergreifende Programme sind AUCTeX, LyX, Texmaker, TeXstudio, TeXworks und Visual Studio Code mit LaTeX Workshop. LyX arbeitet nach dem WYSIWYM-Prinzip („What you see is what you mean“); ShareLaTeX und Verbosus erlauben browserbasiertes gemeinschaftliches Schreiben.
Die Standardklassen orientierten sich ursprünglich an US-amerikanischen typografischen Konventionen und Papierformaten. KOMA-Script von Markus Kohm ist ein Bündel mehrerer Dokumentklassen, das die Benutzerschnittstelle der Standardklassen vollständig umsetzt und zusätzliche Funktionen bietet. Es unterstützt europäische typografische Konventionen und DIN-Papierformate. Im deutschsprachigen Raum haben die KOMA-Script-Klassen die Standardklassen in vielen Bereichen verdrängt, weil ihre Erweiterungen aufeinander abgestimmt sind und sonst benötigte Pakete teilweise nicht miteinander kompatibel wären.