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Sprachlernkompetenz
Sprachlernkompetenz meint die Fähigkeit, Sprachen erfolgreich zu lernen. Menschen haben grundsätzlich die Fähigkeit der Sprachbegabtheit, was zunächst die …
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Definition und Formen des Sprachlernens
Sprachlernkompetenz bezeichnet die Fähigkeit, Sprachen erfolgreich zu lernen. Sie beruht auf der allgemeinen menschlichen Sprachbegabtheit, die zunächst beim Erwerb der Mutter- oder Erstsprache wirksam wird. Diese Fähigkeit ermöglicht es, Wörtern, Sätzen und Texten Bedeutung zu geben, eigene Texte für Hörer oder Leser verständlich zu produzieren und zu organisieren sowie Sprache hörend und gegebenenfalls lesend beziehungsweise schreibend zu verarbeiten.
Beim Erwerb einer zweiten, dritten oder weiteren Sprache unterscheidet der Artikel zwischen dem „natürlichen Erwerb“ und dem didaktisch gelenkten Lernen. Der Lernprozess kann von außen gesteuert werden, etwa durch Sprachunterricht und Lernmaterialien, oder autonom und selbstgesteuert stattfinden. Diese Lernerautonomie bedeutet, dass Lernende ihren Lernprozess selbst planen und lenken. Außensteuerung und Selbststeuerung sind jedoch keine scharf getrennten Gegensätze, sondern bilden ein Kontinuum mit verschiedenen Zwischenformen.
Sprachlernkompetenz und Kompetenzorientierung
Sprachlernkompetenz gehört in der Fremdsprachendidaktik zur Kompetenzorientierung. Diese richtet Lernen auf Handlungsfähigkeit aus. Beim Sprachenlernen stehen besonders Kommunikationsfähigkeit und tatsächliche Kommunikation im Mittelpunkt, wie sie auch der Gemeinsame Europäische Referenzrahmen für Sprachen von 2001 betont.
Kompetenzorientierung meint im Kern reflexives Lernen: Lernende denken über die ihnen bewusst zugänglichen Lernvorgänge nach und greifen gezielt auf vorhandenes Wissen zurück. Der amerikanische Lernpsychologe David Paul Ausubel hob 1968 hervor, dass der wichtigste einzelne Einflussfaktor für das Lernen das sei, was der Lernende bereits weiß. Neues Lernen beruht daher wesentlich darauf, verwandte vorhandene Wissensstrukturen mit neuen Informationen zu vergleichen.
Sprach- und Sprachlernaufmerksamkeit
Der Begriff Sprachlernkompetenz wurde erst mit der Kompetenzorientierung in die Fremdsprachendidaktik sowie in die Bildungsstandards der Kultusministerkonferenz und entsprechende Richtlinien aufgenommen. Eine wichtige Rolle spielte dabei das Berliner Institut für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB).
Inhaltlich gingen ihm die Begriffe Sprachaufmerksamkeit und Sprachlernaufmerksamkeit, englisch „language awareness“, voraus. Sprachaufmerksamkeit bezeichnet die bewusste Wahrnehmung sprachlicher Formen und Zusammenhänge. Sprachlernaufmerksamkeit ist weiter gefasst und bezieht zusätzlich die bewusste Beobachtung und Steuerung des eigenen Sprachenlernens ein. Sprachlernkompetenz verbindet beide Konzepte. Der Artikel hebt hervor, dass der Begriff besonders griffig sei und dadurch die Entwicklung geeigneter Lernaufgaben erleichtere. Sprach- und Sprachlernaufmerksamkeit sind zugleich zentrale Begriffe kognitivistischer Lerntheorien und stehen dem selbstgesteuerten Lernen nahe.
Verarbeitung neuen Wissens
Kognitivistische Lerntheorien beschreiben Lernen als Zusammenspiel dreier Prozesse: „accretion“ ist der Zuwachs an Informationen, „structuring“ deren Einordnung in eine neu geformte Wissensstruktur und „tuning“ die Anpassung dieser Struktur an eine bestimmte Aufgabe. Dieses 1982 von Norman dargestellte Modell erklärt, wie Lernende neue sprachliche Informationen aufnehmen, mit ihrem Vorwissen verbinden und für konkrete Anforderungen nutzbar machen.
Entscheidend ist dabei der Vergleich zwischen bereits bekannten Wissensschemata und neuen Informationen. Sprachlernkompetenz umfasst somit nicht nur Sprachwissen, sondern auch die Fähigkeit, eigene Lernerfahrungen zu erkennen, zu bewerten und daraus passende Lernstrategien zu entwickeln und zu erproben.
Mehrsprachigkeit und Interkomprehension
Besonders deutlich werden diese Prozesse in der Interkomprehensionsforschung. Interkomprehension bezeichnet hier das Erschließen einer neuen Sprache mithilfe bereits bekannter, verwandter Sprachen. Die Forschung der vergangenen Jahrzehnte, vor allem zu romanischen Sprachen, untersucht, wie Wissen aus mehreren Sprachen mit bewusster Lernverarbeitung verbunden wird.
Im Zentrum steht der interlinguale Identifikationstransfer: Lernende vergleichen neue zielsprachliche Elemente mit Beständen aus schon bekannten „Brückensprachen“ und erkennen Gemeinsamkeiten oder Beziehungen. Übertragen werden dabei nicht nur sprachliche Kenntnisse, sondern auch Lernerfahrungen und Strategien. Die Didaktik der Interkomprehension soll dadurch Wege zu erfolgreicherem Fremdsprachenlernen und Mehrsprachenerwerb eröffnen. In einer vielsprachigen globalisierten Welt und der von der Europäischen Kommission 1996 beschriebenen „Wissensgesellschaft“ misst der Artikel der Sprachlernkompetenz deshalb eine wichtige Rolle bei.