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Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Das IQB koordiniert die Entwicklung der gemeinsamen Abituraufgabenpools der Länder. Voraussetzung für diese Pools sind bundesweit eingeführte Bildungsstandards …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Aufgabe und Stellung des IQB
  2. 2. Bildungstrends und Ländervergleiche
  3. 3. Vergleichsarbeiten VERA
  4. 4. Gemeinsame Abituraufgaben
  5. 5. Forschungsschwerpunkte
  6. 6. Forschungsdatenzentrum

Aufgabe und Stellung des IQB

Das Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) ist ein 2004 gegründetes An-Institut der Humboldt-Universität zu Berlin. Es ist eine wissenschaftliche Einrichtung der deutschen Bundesländer, die Mitglieder des eingetragenen Vereins „Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen – Wissenschaftliche Einrichtung der Länder an der Humboldt-Universität zu Berlin e. V.“ sind.

Die zentrale Aufgabe des IQB ist die Weiterentwicklung, Operationalisierung, Normierung und Überprüfung von Bildungsstandards. Bildungsstandards beschreiben verbindliche Anforderungen, die Schülerinnen und Schüler erreichen sollen. Das IQB macht diese Standards messbar, prüft ihre Erreichung und unterstützt damit das Bildungsmonitoring in Deutschland.

Stand Mitte 2022 wird das IQB von Petra Stanat als wissenschaftlichem Vorstand und Anne Jostkleigrewe-Paulus als kaufmännischem Vorstand geleitet.

Bildungstrends und Ländervergleiche

Die Kultusministerkonferenz (KMK) hat im Rahmen ihrer Gesamtstrategie zum Bildungsmonitoring regelmäßige Ländervergleiche beschlossen. Ziel ist festzustellen, inwieweit Schülerinnen und Schüler in Deutschland die für alle Länder verbindlichen Bildungsstandards erreichen und wo Steuerungsbedarf besteht. Seit 2015 werden diese Studien als Bildungstrend veröffentlicht. Trends entstehen durch den Vergleich von Daten aus verschiedenen Jahren.

In der Primarstufe finden Erhebungen in Deutsch und Mathematik alle fünf Jahre statt. In der Sekundarstufe I erfolgen sie alle drei Jahre, abwechselnd in den Fächergruppen Deutsch, Englisch und Französisch sowie Mathematik, Biologie, Chemie und Physik.

Der IQB-Bildungstrend 2018 verglich Messungen von 2012 und 2018 in Mathematik und Naturwissenschaften im Sekundarbereich I. Untersucht wurden Schülerinnen und Schüler der 9. Klasse: 44.941 Schülerinnen und Schüler aus 1.462 Schulen in allen Ländern der Bundesrepublik Deutschland. Die Schulen wurden zufällig ausgewählt; in jeder Schule wurde ebenfalls zufällig eine Klasse an Gymnasien beziehungsweise zwei Klassen an nichtgymnasialen Schularten ausgewählt. In Mathematik zeigten sich in mehreren Ländern deutliche Verschlechterungen von über 5 Prozentpunkten beim Erreichen der Mindeststandards „im besonderen Maße“, unter anderem in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz. Dem standen nur geringe Verbesserungen in anderen Ländern gegenüber.

Der IQB-Bildungstrend 2021 wurde Mitte 2021 nach über einem Jahr COVID-19-Pandemie in Deutschland durchgeführt. Für Deutschland insgesamt zeigten sich ungünstige Entwicklungen in den Kompetenzen von Viertklässlern in Deutsch und Mathematik. In allen untersuchten Kompetenzbereichen erreichten signifikant weniger Schülerinnen und Schüler als 2016 und 2011 die Bildungsstandards der KMK. Der Anteil der Kinder, die die Mindeststandards verfehlten, stieg teilweise deutlich. Außerdem wurden soziale und zuwanderungsbezogene Disparitäten größer. Zugleich blieb die Schulzufriedenheit hoch, und die soziale Integration in der Schulklasse wurde positiv bewertet.

Der IQB-Bildungstrend 2022 erhob im Sommer 2022 Daten für Deutsch, Englisch und Französisch im Sekundarbereich I. Die Ergebnisse wurden im Oktober 2023 veröffentlicht. Die Leistungen in Lesen, Zuhören und Rechtschreibung verschlechterten sich gegenüber 2016 deutlich. Im Fach Deutsch stieg der Anteil der Neuntklässlerinnen und Neuntklässler, die die Mindeststandards für den MSA verfehlen, bundesweit um gut 9 Prozentpunkte im Lesen, rund 16 Prozentpunkte im Zuhören und fast 9 Prozentpunkte in der Orthografie. Im Fach Englisch sank dieser Anteil im Leseverstehen und Hörverstehen jeweils um fast 3 Prozentpunkte. Diese geringe Leistungssteigerung wird auf die stärkere Durchdringung des Alltags durch englische Wörter zurückgeführt. Die Rangfolge der Länder blieb konstant: Bayern und Sachsen lagen vorn, Bremen, Nordrhein-Westfalen und Berlin hinten.

Vergleichsarbeiten VERA

VERA steht für Vergleichsarbeiten in der 3. und 8. Jahrgangsstufe, also VERA-3 und VERA-8. Vergleichsarbeiten sind schriftliche Arbeiten in Form von Tests. Sie untersuchen flächendeckend und jahrgangsbezogen, welche Kompetenzen Schülerinnen und Schüler zu einem bestimmten Zeitpunkt erreicht haben.

Das IQB koordiniert die Entwicklung des Testmaterials für VERA, erprobt das Material und stellt es in Testheften zusammen. Damit dienen die Vergleichsarbeiten dazu, Lernstände systematisch zu erfassen und Schulen sowie Bildungspolitik Hinweise auf erreichte Kompetenzen zu geben.

Gemeinsame Abituraufgaben

Die Kultusministerkonferenz beschloss im März 2012, dass ab 2017 nach und nach bundesweit Abiturprüfungen aus gemeinsamen Pools stammen sollen. Diese Aufgabenpools sollen bundesweit gleiche Anforderungen in den Abiturprüfungen sicherstellen und die Vergleichbarkeit zwischen den Ländern erhöhen.

Das IQB koordiniert die Entwicklung der gemeinsamen Abituraufgabenpools der Länder. Voraussetzung dafür sind bundesweit eingeführte Bildungsstandards und damit vereinbare Lehrpläne in der gymnasialen Oberstufe. Solche Standards liegen bisher für Deutsch, Mathematik, Englisch, Französisch sowie die drei Naturwissenschaften Biologie, Chemie und Physik vor.

Neben der Aufgabenentwicklung führt das IQB auch die Evaluation des Einsatzes der Aufgaben durch. Diese Evaluation soll zur größeren Vergleichbarkeit der Anforderungen in den Abiturprüfungen der Länder und zur Sicherung der Qualität der Aufgabenpools beitragen. Zum Prüfungsjahr 2017 wurde erstmals eine formative Evaluation zur Nutzung der Abituraufgabenpools und zur Verwendung der Aufgaben in den Ländern durchgeführt. „Formativ“ bedeutet hier, dass die Evaluation begleitend genutzt wird, um die Aufgabenpools weiterzuentwickeln.

Forschungsschwerpunkte

Das IQB forscht in Themenfeldern der empirischen Bildungswissenschaften. Empirische Bildungswissenschaft untersucht Bildung mithilfe systematisch erhobener Daten. Die Forschung ist einerseits wichtig für die inhaltliche und methodische Weiterentwicklung der Arbeit des IQB. Andererseits behandelt sie Themen, die aus Sicht der Länder besonders relevant sind.

Die Forschung konzentriert sich auf drei Schwerpunktbereiche: die Optimierung von Instrumenten und Analyseverfahren des IQB, datengestützte Unterrichtsentwicklung und den Umgang mit Heterogenität. Heterogenität bedeutet hier, dass Schülerinnen und Schüler unterschiedliche Voraussetzungen, Lernstände und Hintergründe mitbringen.

Forschungsdatenzentrum

Das Forschungsdatenzentrum am IQB archiviert und dokumentiert Datensätze und Begleitmaterialien aus der quantitativ ausgerichteten empirischen Bildungsforschung. Dazu zählen unter anderem Erziehungswissenschaft, pädagogische Psychologie, Bildungssoziologie, Bildungsökonomie und Fachdidaktik.

Das FDZ am IQB wurde 2007 gegründet, um groß angelegte Bildungserhebungen zur Überwachung der Bildungsstandards in Deutschland zu archivieren und zugänglich zu machen. Nach fünf Jahren Anschubfinanzierung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung wurde es von Oktober 2011 bis Dezember 2023 vom Zentrum für Internationale Bildungsvergleichsstudien finanziert, das von Bund und Ländern gefördert wird. Seit 2024 wird das FDZ am IQB von Bund und Ländern in Zusammenarbeit mit dem ZIB finanziert. Es ist durch den Rat für Sozial- und Wirtschaftsdaten als Forschungsdatenzentrum akkreditiert und seit 2020 mit dem Core Trust Seal für vertrauenswürdige Repositorien zertifiziert. Grundlage seiner Arbeit ist ein mit der Kultusministerkonferenz abgestimmtes Regelwerk zur Über- und Weitergabe von Daten.

Hauptaufgabe ist die Sicherung und Bereitstellung von Datensätzen der deutschen Stichproben aus nationalen und internationalen Schulleistungsstudien zum länderübergreifenden Bildungsmonitoring. Beispiele sind IQB-Ländervergleiche und IQB-Bildungstrends, PISA, TIMSS, IGLU, DESI und ICILS. Außerdem sammelt das FDZ Datensätze und Begleitmaterialien nationaler Studien mit fachspezifischen oder fachübergreifenden Kompetenzmessungen von Schülerinnen und Schülern an allgemeinbildenden Schulen, Förderschulen und Berufsschulen. Zusätzlich enthält der Bestand Studien mit Studierenden-Stichproben oder zur frühkindlichen Bildung.

Forschende können Datensätze auf Antrag nutzen. Das FDZ bietet Scientific-Use-Files zum Download an. Bei sensiblen Daten ist die Nutzung vor Ort oder per Datenfernverarbeitung möglich. Studierende deutscher Hochschulen können Zugriff auf synthetische Datensätze, sogenannte Campus Use Files, erhalten. Weitere Aufgaben sind Beratung von Forschenden, Nachwuchsförderung und Weiterbildungen zu Methoden der empirischen Bildungsforschung und Open Science, etwa in FDZ-Frühjahrs- und Herbstakademien.

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