Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Spoonerismus

Typisch ist die Vertauschung von worteinleitenden Phonemen oder Morphemen, wodurch sich neue, häufig komische Bedeutungen von Wörtern, Ausdrücken oder Sätzen …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Definition
  2. 2. Entstehung und Abgrenzung
  3. 3. Beispiele und Echtheit
  4. 4. Öffentliche Verwendung
  5. 5. Französische Contrepèterie

Grundidee und Definition

Ein Spoonerismus [ˌspuːnəˈrɪsmʊs] ist eine besondere Art des Wortwitzes. Er entsteht durch die Vertauschung von Lauten, Silben oder Wörtern. Typisch ist vor allem die Vertauschung von worteinleitenden Phonemen, also einzelnen Sprachlauten, oder Morphemen, also bedeutungstragenden Wortbestandteilen. Dadurch bekommen Wörter, Ausdrücke oder ganze Sätze eine neue, oft komische Bedeutung.

Ein literarisches Beispiel ist „Die Blusen des Böhmen“ von Robert Gernhardt statt „Die Blumen des Bösen“ von Charles Baudelaire. Solche Vertauschungen können absichtlich als Wortspiel oder Parodie eingesetzt werden. Sie können aber auch unabsichtlich als Versprecher entstehen. Es kann sich um Anagramme oder phonetische Anagramme handeln: Bei einem Anagramm werden Bestandteile eines Wortes oder Ausdrucks umgestellt; bei einem phonetischen Anagramm steht der Klang der umgestellten Bestandteile im Mittelpunkt.

Im Deutschen gibt es keine direkte Übersetzung für „Spoonerismus“. Ein verwandtes deutsches Formprinzip ist der Schüttelreim: Er besteht aus zwei Versen, die Spoonerismen enthalten. Im Französischen gibt es seit dem 16. Jahrhundert den Begriff „contrepèterie“ für solche Lautvertauschungen.

Entstehung und Abgrenzung

Der Spoonerismus ist nach William Spooner (1844–1930) benannt, der Dekan und Rektor am New College in Oxford war. Vermutlich stammen nur wenige Spoonerismen tatsächlich von ihm selbst. In Oxford war es unter Spooners Studenten beliebt, Sätze nach diesem Muster umzuschichten. Der englische Begriff „spoonerism“ ist seit Beginn des 20. Jahrhunderts gebräuchlich und wurde in den 1920er Jahren in das Oxford English Dictionary aufgenommen. In Deutschland wird der Begriff seit den 1930er Jahren verwendet.

Ein englisches Beispiel ist „The Lord is a shoving leopard“ statt „The Lord is a loving shepherd“. Der Spoonerismus ähnelt dem Malapropismus. Beim Malapropismus werden jedoch ganze Wörter innerhalb einer Phrase oder eines Spruchs ausgetauscht. Der Spoonerismus ist außerdem auch unter dem Namen „Marrowsky“ bekannt, angeblich nach einem polnischen Grafen, der dieselbe sprachliche Angewohnheit gehabt haben soll.

Literaturwissenschaftler sind sich über die genaue Definition nicht vollständig einig. Manche betonen die unfreiwillige Komik und sehen kunstvoll hergestellte Wortwitze nicht als Spoonerismen an. Andere beschränken den Spoonerismus auf den Austausch der Anfangssilbe, meist ein oder zwei Buchstaben, von zwei oder mehr Wörtern. Sie erlauben keine bloße Wortumstellung innerhalb eines Satzes, etwa „Ich leg Dir ein Nest ins Ei“ statt „ein Ei ins Nest“. Ein gemeinsamer Kern der Definition ist: Ein Spoonerismus soll nicht nur irgendwie komisch klingen, sondern die neu angeordneten Wörter müssen einen neuen Sinn ergeben, möglichst einen ganz anderen.

Beispiele und Echtheit

Die Beispiele zeigen, dass ein Spoonerismus besonders dann funktioniert, wenn aus der Laut- oder Silbenvertauschung verständliche neue Wörter oder Ausdrücke entstehen. Genannt werden etwa „gefickt eingeschädelt“ statt „geschickt eingefädelt“, „Schluckspecht“ und „spuck schlecht“ oder „der dumme Stänker“ statt „der stumme Denker“.

Umstritten kann sein, ob ein Ausdruck ein echter Spoonerismus ist. 1944 kritisierte ein Leser einen Artikel der New York Times, weil dort „nins and peedles“ statt „needles and pins“ als Beispiel genannt wurde. Der Ausdruck klinge zwar komisch, aber „nins“ und „peedles“ seien keine englischen Wörter. Deshalb sei es nach dieser Auffassung kein echter Spoonerismus.

Auch automatische Verfahren können Spoonerismen erzeugen. 2007 wurden auf der 4. internationalen Konferenz „Fun with Algorithms: FUN 2007“ im italienischen Castiglioncello Computeralgorithmen vorgestellt, mit denen sich Spoonerismen erstellen lassen.

Öffentliche Verwendung

Spoonerismen werden in Politik, Popkultur und Medien häufig verwendet, um Namen, Redewendungen oder Titel komisch oder spöttisch zu verändern. Bundeskanzler Konrad Adenauer verballhornte den Namen der Politikerin Christine Teusch zu „Tristine Keusch“. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Herbert Wehner bezeichnete im Bundestag den CDU-Abgeordneten Jürgen Todenhöfer als „Hodentöter“.

In der Popkultur waren in den 1990er Jahren die Sketche „Kentucky schreit ficken“ aus der Fernsehsendung „RTL Samstag Nacht“ bekannt. Der Titel spielt auf die US-Restaurantkette „Kentucky Fried Chicken“ an; der Humor beruhte oft auf derben Spoonerismen. Eine weitere Variante ist die SWR3-Comedy „Tuten Gag“. Auch Monty Python nutzte Spoonerismen in Sketchen, ging dabei aber häufig zu eigenen Wortschöpfungen über, etwa „Ring Kichard the Thrid“ oder „My dingkome for a shroe!“.

Weitere Beispiele sind Ulrich Wickerts wiederholte Bezeichnung „Kleins Haus Mertes“ für Heinz Klaus Mertes, der Slogan „Raus Kleiner Röhl!“ gegen Klaus Rainer Röhl im Kampf um die Zeitschrift „Konkret“ und „Phettbergs Nette Leit Show“, der Titel einer Late-Night-Show des österreichischen Künstlers Hermes Phettberg. Das Kritikerforum „Sonnenstaatland“ bezeichnete „Mahnwachen“ der sogenannten „Reichsbürgerbewegung“ wiederholt als „Wahnmachen“. Das Süddeutsche Zeitung Magazin bebildert von Lesern eingesandte Spoonerismen in der Rubrik „Gemischtes Doppel“. Auch Band-, Künstler- und Albennamen wie „Punk in Drublic“, „Buckcherry“, „Com Truise“ oder „Ritt Momney“ verwenden Spoonerismen. Für „bitteschön“ und „dankeschön“ sind mancherorts „schittebön“ und „schankedön“ verbreitet.

Französische Contrepèterie

Im Französischen heißt ein Wortspiel mit Lautvertauschungen „contrepèterie“. Der französische Schriftsteller Étienne Tabourot prägte diesen Begriff 1572 in seinem Werk „Bigarrures“. Er bezog sich dabei auf Wortspiele, wie sie unter anderem bei François Rabelais verwendet wurden.

Das Verb „péter“ bedeutet unter anderem „furzen“. Deshalb kann „contrepéter“ wörtlich als „gegenfurzen“ verstanden werden. Diese Wortgeschichte erklärt den französischen Ausdruck, ist aber für die Grundfunktion des Spoonerismus zweitrangig: Entscheidend bleibt die Vertauschung von Lauten oder Silben, die einen neuen Sinn und oft eine komische Wirkung erzeugt.

Weiterlesen

Morphem Morphem ist ein Fachausdruck der Linguistik für die kleinste Spracheinheit, die eine identifizierbare Bedeutung oder grammatische Funktion hat. Anagramm Allgemein kann ein Anagramm durch Umstellen einzelner Buchstaben, Silben, Wörter oder Sätze eines gegebenen Textes gebildet werden. Lateinisches Anagramm am … Parodie Eine Parodie (griechisch παρῳδία parōdía „Gegenlied“ oder „verstellt gesungenes Lied“) ist eine verzerrende, übertreibende oder verspottende Nachahmung … Deutsche Sprache Die heutige deutsche Standardsprache entwickelte sich überwiegend aus den hochdeutschen Dialekten und fungiert als überregionale Dachsprache für sowohl hoch- … Schüttelreim Der Schüttelreim ist ein Doppelreim, bei dem die Einzelphoneme oder Konsonantencluster im Anlaut der letzten beiden betonten Silben miteinander vertauscht … Vers ... Versmaß (auch Metrum), der einzelne wiederholte Teil, aus denen das Versmaß besteht, ist der Versfuß (entspricht etwa dem Takt in der Musiktheorie) bzw … Französische Sprache Vokale · ​/⁠ɑ⁠/​: pâte – / pɑt/ – Teig · ​/⁠ɔ⁠/​: sort – / sɔʁ/ – Schicksal · ​/⁠o⁠/​: sot – / so/ – dumm · ​/⁠u⁠/​: sous – / su/ – unter. Oxford English Dictionary Das Oxford English Dictionary (OED) ist das umfangreichste Wörterbuch der englischen Sprache. Es soll den gesamten englischen Wortschatz seit dem 9. Polen Das Abitur wird nach dem Abschluss eines Lyzeums oder einer Berufsoberschule abgelegt werden. Die Abiturprüfung soll wieder bedeutend schwieriger werden …