Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Solifluktionsstufe
Die Solifluktionsstufe () oder periglaziale Höhenstufe bezeichnet in Hochgebirgen eine über mehrere 100 Höhenmeter reichende geomorphologische Höhenstufe …
Inhalt3 Abschnitte
Definition und Einordnung
Die Solifluktionsstufe, auch periglaziale Höhenstufe genannt, ist eine geomorphologische Höhenstufe in Hochgebirgen. Sie reicht über mehrere 100 Höhenmeter unterhalb der Schneegrenze und ist im Sommer schneefrei. In dieser Stufe herrschen aus klimatischen Gründen frostbedingte Verwitterung und Bodenabtragung vor oder bestimmen die Landschaftsformen maßgeblich.
Übertragen auf ökologische Vegetationsstufen umfasst die Solifluktionsstufe teilweise die subalpinen Höhen sowie die gesamte alpine und subnivale Höhenstufe. Sie liegt zwischen den tieferen kollin-montanen Vegetationsstufen und der Frostschutt- beziehungsweise Gletscherstufe. In den kollin-montanen Stufen prägen vor allem chemische und fluviale, also durch fließendes Wasser verursachte, Formungsprozesse die Landschaft. In der Frostschutt- und Gletscherstufe ist dagegen die Glazialmorphologie bestimmend.
Eine periglaziale Stufe kommt in allen Hochgebirgen zwischen der Subarktis und den inneren Tropen vor. Ausgenommen sind die Hochgebirge der Trockengürtel der Erde.
Geomorphologische Prozesse
Die Solifluktionsstufe beginnt unterhalb der Schneegrenze. Ihre wichtigsten Merkmale und Prozesse sind frostbedingte Verwitterung, Permafrost und Solifluktion. Permafrost bezeichnet dauerhaft gefrorenen Untergrund. Solifluktion ist das langsame „Fließen“ aufgetauter Böden. Sie entsteht durch das wiederholte Auftauen und Frieren wassergesättigter Bodensubstrate.
Die Solifluktion tritt in zwei Formen auf: Als ungebundene Solifluktion findet sie in unbewachsenem Frostschutt statt, als gebundene Solifluktion in von Vegetation bewachsenen Substraten. Die dabei entstehenden Formen umfassen unter anderem Schutt- und Blockhalden. Besonders auffällig ist die ungebundene Solifluktion in Gebirgen mit Sedimentgesteinen. Kalksteine und insbesondere Dolomit sind an vergleichbaren Standorten gegenüber Silikatgebirgen stärker durch den Schuttcharakter des Untergrundes geprägt.
Die Stufe ist im Sommer zumeist schneefrei. Je nach Exposition und Kleinrelief können Firn- und Schneefelder jedoch auch ganzjährig vorkommen.
Bodenentwicklung und erhaltene Formen
Weitere Kennzeichen sind lang dauernde Schneebedeckung, merklicher Schmelzwassereinfluss und eine lang anhaltende Wassersättigung der Böden. Außerdem treten Kryoturbation und Solifluktion auf. Kryoturbation bezeichnet die durch Gefrieren und Auftauen verursachte Durchmischung und Bewegung des Bodens.
Die Bodenbildung wird fortlaufend gestört, unter anderem durch Wasser oder Wind, Solifluktion, Schuttrutschungen und Felsstürze. Deshalb entwickelt sich der Boden zumindest in stark reliefierten Kalkgebirgen meist nicht über die Vorstadien reifer Böden hinaus.
In Landschaften, die im Quartär durch periglaziales Klima geprägt wurden, können geologische Überbleibsel dieser Prozesse erhalten sein. Dazu gehören Blockmeere und Blockströme, die auch in heutigen Mittelgebirgen vorkommen. Ein Beispiel für sichtbare, durch Solifluktion entstandene Bodenstrukturen ist das Akkamassiv in Schwedisch-Lappland.