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Schlangenbeschwörer

Schlangenbeschwörer sind Alleinunterhalter, die vorgeben, Schlangen dressieren zu können. Sie nutzen einige Tricks, um den Anschein zu erwecken, …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Was Schlangenbeschwörer tun
  2. 2. Instrumente und Abwehrverhalten
  3. 3. Reize, Risiken und Herkunft der Tiere
  4. 4. Vorstellungen im Volksglauben

Was Schlangenbeschwörer tun

Schlangenbeschwörer sind Alleinunterhalter, die den Eindruck erwecken, Schlangen dressieren zu können. Die Tiere „tanzen“ jedoch nicht zur Musik, sondern reagieren vor allem auf sichtbare Bewegungen, Erschütterungen und mögliche Bedrohungen. Schlangen sind gehörlos: Sie nehmen Bodenschall, etwa Schritte, wahr, aber keinen Luftschall wie Musik.

Die Schlangen werden meist in dunklen Körben gehalten. Beim Öffnen des Deckels blendet das Tageslicht die Tiere; sie richten ihre Aufmerksamkeit auf das erste bewegte Objekt, häufig das Instrument oder den Beschwörer. Dieses wird als möglicher Gegner wahrgenommen.

Instrumente und Abwehrverhalten

Das wichtige Instrument heißt Pungi und wird fälschlich oft „Flöte“ genannt. Es ist wie eine Klarinette ein Einfachrohrblattinstrument: Ein getrockneter Flaschenkürbis dient als Windkapsel und enthält zwei Röhren. Die rechte Hand erzeugt auf einer Röhre mit Grifflöchern die Melodie, die linke Röhre ohne Löcher einen tiefen Bordunton. In Rajasthan treten bei Festen auch mehrere Musiker mit Schlangen auf und verwenden zusätzlich Dhol, Zupftrommel und Khanjari.

Die Schlange folgt den rhythmischen Bewegungen der Tröte mit dem Kopf, um bei einer Annäherung auf etwa 30 Zentimeter beißen zu können. Der vermeintliche Tanz ist daher zunächst eine Abwehrstellung. Häufig werden Kobras, besonders Brillenschlangen, eingesetzt, weil ihr gespreizter Hals auf Zuschauer besonders eindrucksvoll wirkt.

Reize, Risiken und Herkunft der Tiere

Bei Kobras kann der verzierte Kürbis der Pungi einem drohenden oder balzenden Artgenossen ähneln. Dadurch können neben der Abwehr auch Balz- und Konkurrenzverhalten ausgelöst werden. Ein Fellbüschel, eine Vogelfeder oder eine dunkle glänzende Holzkugel am Ende der Tröte kann zusätzlich Jagdverhalten hervorrufen. Treffen widersprüchliche Reize wie Angst, Balz, Rivalität und Beute zugleich aufeinander, kann die Schlange länger in der scheinbaren Tanzhaltung verharren.

Oft werden Giftzähne entfernt, um Beschwörer und Publikum vor Bissen zu schützen. Dies schadet den Tieren und ist in manchen Ländern illegal; ein sicherer Abstand ist notwendig. Fast alle verwendeten Schlangen werden in freier Wildbahn gefangen und gehören häufig geschützten oder bedrohten Arten. In Nordafrika gibt es vereinzelt Beschwörer, die Uräusschlangen nicht durch das Entfernen der Giftzähne entschärfen; der Artikel stellt sie einer größeren Gruppe kommerzieller Beschwörer gegenüber.

Vorstellungen im Volksglauben

Im Volksglauben gelten Schlangenbeschwörer als Meister der Schlangendressur. Besonders in Regionen mit lebendigem Glauben an Geister und Magie, etwa in Indien, Südostasien und auf pazifischen Inseln, werden ihnen magische Fähigkeiten zugeschrieben. Legenden behaupten, sie könnten mit Schlangen sprechen oder sie durch Hypnose zum Gehorsam bringen.

Kobras oder Königskobras sollen ihnen angeblich aufs Wort gehorchen. Schlangenkönige würden Geheimnisse von ihren Schlangen erfahren und ihnen sogar befehlen können, Menschen zu töten. Eine Schlange greife ihren Herrn der Vorstellung nach nur an, wenn dieser es verlange. Solche Vorstellungen seien in Asien noch weit verbreitet.

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