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Schaich al-Islam

Im Osmanischen Reich war er der Titel für den Mufti der Hauptstadt (ab 1453 Istanbul), der gleichzeitig die oberste religionsrechtliche Autorität des Staates …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung des Titels
  2. 2. Amt im Osmanischen Reich
  3. 3. Kritik und Abschaffung
  4. 4. Verwendung in anderen Staaten

Bedeutung des Titels

Schaich al-Islām, auch Scheich al-Islam oder türkisch Şeyhülislam, ist ein Ehrentitel für islamische Religionsgelehrte. Er ist seit dem 10. Jahrhundert im Gebrauch. Im Osmanischen Reich bezeichnete der Titel den Mufti der Hauptstadt, ab 1453 also Istanbul. Ein Mufti ist ein islamischer Rechtsgelehrter, der religionsrechtliche Gutachten geben kann. Der Schaich al-Islam war dort zugleich die oberste religionsrechtliche Autorität des Staates.

Amt im Osmanischen Reich

Seit dem 15. Jahrhundert wurde die politische Rolle des Schaich al-Islam im Osmanischen Reich fest institutionalisiert. Symbolisch sollte das Amt einem Großwesir gleichgestellt sein. Die Amtsinhaber wurden aus der islamisch-sunnitischen Rechtsschule der Hanafiten ausgewählt.

Der erste Schaich al-Islam war 1424 Mullah Fenârî, der letzte war 1922 Medenî Nuri Efendi. Damit bestand eine Kontinuität von beinahe 500 Jahren. Als wichtige Amtsinhaber nennt der Artikel unter anderem Mehmed Ebussuud Efendi, Zekeriyazade Yahya, Mustafa Sabri, Musa Kâzım Efendi und Ibn-i Kemal.

Kritik und Abschaffung

Raschīd Ridā kritisierte 1901 den Titel „Schaich al-Islām“. Er sah ihn als Erfindung von Königen und Emiren, die selbst keinen Bezug zur Religion gehabt hätten und mit dem Titel die ungebildeten Massen beeindrucken wollten.

Die Jungtürken schränkten das System ab 1916 weitgehend ein. Nach der Gründung der Großen Nationalversammlung der Türkei 1920 blieb das Amt „Scheich ul-Islam“ bis 1924 im Ministerium für Scharia und Stiftungswesen, türkisch Şeriye ve Evkaf Vekaleti, angesiedelt. Eine Aufgabe des Schaich al-Islam war es, den obersten Kadi, also Richter, zu ernennen.

Mit der Trennung von Religion und Staat wurde das Ministerium in der Türkei abgeschafft. Als Nachfolgeinstitution entstand das „Präsidium für Religiöse Angelegenheiten“ (Diyanet), das sich in einem laizistischen Staat als Nachfolger des Schaich al-Islam versteht.

Verwendung in anderen Staaten

Auch außerhalb des Osmanischen Reiches wird der oberste Mufti oder Obermullah gelegentlich als Schaich al-Islam bezeichnet. Als Beispiele nennt der Artikel Allahşükür Paşazadə in Russland beziehungsweise im Kaukasus sowie den Chula Raja Montri in Thailand.

Schon in der Sowjetunion trug der oberste Mufti von Baku den Titel Schaich al-Islam. Der Titel zeigte dort an, dass in seinem Zuständigkeitsbereich auch Schiiten lebten.

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