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Schöpfungsgeschichte (Jahwist)

Die Schöpfungsgeschichte des Jahwisten ist die im Bibeltext zweite, vermutlich aber ältere der beiden voneinander verschiedenen Schöpfungsgeschichten der …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Kern und Einordnung
  2. 2. Ablauf der Schöpfung
  3. 3. Tiere, Frau und Gemeinschaft
  4. 4. Deutung und Verhältnis zu Genesis 1
  5. 5. Verfasser und Datierung

Kern und Einordnung

Die jahwistische Schöpfungsgeschichte ist die im Bibeltext zweite, vermutlich aber ältere von zwei verschiedenen Schöpfungsgeschichten der Genesis. Sie umfasst Gen 2,4b–25. Ihr geht die priesterschriftliche Schöpfungsgeschichte in Gen 1,1–2,4a voraus.

Der Bericht beschreibt weniger die Entstehung der gesamten Welt als die Entstehung des Menschen und seines Lebensraums. Diese Konzentration auf die Menschwerdung heißt Anthropogonie. Die Welt ist zu Beginn bereits vorhanden; wichtig werden die Geschöpflichkeit, die Aufgabe und später auch die Fehlbarkeit des Menschen.

Ablauf der Schöpfung

Zunächst gibt es weder Feldsträucher noch Feldpflanzen: Es hat noch nicht geregnet, und es gibt keinen Menschen, der den Erdboden bearbeitet. Feuchtigkeit steigt aus der Erde auf und tränkt den Boden.

Gott, der HERR, formt den Menschen aus Staub vom Erdboden und bläst ihm den Lebensatem in die Nase. Dadurch wird der Mensch zu einem lebendigen Wesen. In Eden, im Osten, legt Gott einen Garten an und setzt den Menschen dorthin.

Im Garten wachsen Bäume, die schön anzusehen und zum Essen geeignet sind. In seiner Mitte stehen der Baum des Lebens und der Baum der Erkenntnis von Gut und Böse. Ein Strom aus Eden bewässert den Garten und teilt sich in vier Hauptflüsse: Pischon, Gihon, Tigris und Eufrat. Der Mensch soll den Garten bearbeiten und hüten. Er darf von allen Bäumen essen, darf aber nicht vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse essen; am Tag des Essens werde er sterben.

Tiere, Frau und Gemeinschaft

Weil es nicht gut ist, dass der Mensch allein ist, will Gott ihm eine ebenbürtige Hilfe machen. Er formt Tiere des Feldes und Vögel aus dem Erdboden und führt sie dem Menschen zu. Der Mensch gibt ihnen Namen, findet unter ihnen aber keine ebenbürtige Hilfe.

Darauf lässt Gott den Menschen tief schlafen, nimmt eine seiner Rippen und baut daraus eine Frau. Der Mensch erkennt sie als „Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch“ und nennt sie Frau, weil sie vom Mann genommen ist. Daraus wird erklärt: Der Mann verlässt Vater und Mutter, hängt seiner Frau an, und beide werden ein Fleisch. Beide sind nackt und schämen sich nicht voreinander.

Deutung und Verhältnis zu Genesis 1

Die jahwistische und die priesterschriftliche Erzählung gelten in ihrer Grundform als voneinander unabhängige Berichte ohne erkennbare gegenseitige Kenntnis oder Bezugnahme. Im jahwistischen Bericht ist der Urzustand trockener Ackerboden beziehungsweise Wüste; Wasser wirkt belebend und fruchtbar. Die Dauer der Schöpfung ist mit „1 Tag/unklar“ angegeben. Gott schafft durch handwerkliche Tat.

Anders als in Genesis 1 entsteht zunächst ein Mann und am Ende eine Frau aus dessen Rippe. Der Mann ist Bebauer und Hüter des Gartens; die Frau wird als ebenbürtige Hilfe geschaffen. Tiere erscheinen als mögliche Gegenüber des Menschen. In der Priesterschrift dagegen entstehen Männer und Frauen zugleich am Ende einer sechstägigen Schöpfung und herrschen über die Tiere; der Urzustand ist Leere, Finsternis und Urflut.

Der Verfasser greift Motive aus dem Alten Orient auf, etwa den Leben schenkenden Schöpfer und das Paradies. Der Text beantwortet für im Kulturland sesshaft gewordene Wüstennomaden die Frage, wer als Herr des fruchtbaren Bodens zu verehren ist: JHWH.

Verfasser und Datierung

Die frühere historisch-kritische Bibelwissenschaft rechnete den Text einer vermuteten Quellenschrift, dem „Jahwisten“, zu. Traditionell wurde Gen 2,4b–25 etwa in das 10. Jahrhundert v. Chr. und an den Hof König Salomos datiert. Diese Einordnung ist heute aufgegeben, weil das Forschungsbild des 10. Jahrhunderts v. Chr. nicht zu den dem Jahwisten zugerechneten Texten passt, etwa zur Alleinverehrung JHWHs.

In der aktuellen Forschung steht die Einordnung des Jahwisten insgesamt zur Disposition. Jan Christian Gertz nimmt für die Urgeschichte eine vor-priesterschriftliche Geschichte von Schöpfung und Flut an, die mit Gen 8,20–22 endete und später nach-priesterschriftlich überarbeitet wurde. Die Paradiesgeschichte eines „weisheitlichen Erzählers“ umfasste demnach Gen 2,4b–3,24. Typisch weisheitlich sind das Interesse an gutem, lebensförderlichem Handeln und die Frage, wie gelingendes Leben trotz ambivalenter Erfahrungen möglich ist. Als mögliche Vorstellung wird ein Schreiber am Hof des Königs Manasse von Juda genannt.

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