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Samuel J. Fleiner
Samuel J. Fleiner (* 1963 in Regensburg) ist ein deutscher Konzeptkünstler, Komponist und Ausstellungsmacher. Er entwickelt Aktions- und …
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Person und künstlerischer Ansatz
Samuel J. Fleiner (* 1963 in Regensburg) ist ein deutscher Konzeptkünstler, Komponist und Ausstellungsmacher. Er entwickelt Aktionskunst, Performances, Geräuschkonzerte und Ausstellungen. Zentrale Themen seines Schaffens sind Nationalsozialismus und Erinnerung, Umwelt und Nachhaltigkeit sowie das Verhältnis von Kunst und Arbeitswelt. 2019 gründete er das Museum für nachhaltige Kunst und Design in Wiesenbach bei Heidelberg, wo er lebt und arbeitet. Die Angaben zu seinen Projekten sind im Artikel als nicht hinreichend belegt gekennzeichnet.
Erinnerung und Versöhnung
Mehrere Projekte behandeln den Nationalsozialismus und seine Folgen. Für „Von Wien nach Wladiwostok, eine Geste der Versöhnung“ fuhren insgesamt drei Sonderzüge auf früheren Deportationsrouten. Während der Reisen fanden „Internationale Rollende Zukunftswerkstätten“ statt: Fachleute aus verschiedenen Ländern und Disziplinen diskutierten dort mögliche Utopien für eine bessere Gesellschaftsform.
Das Projekt „30-33“ zeigte 1995 in Neckarsteinach 33 Buchenstämme, von denen 3 abgespreizt standen. Die Zahlen verwiesen darauf, dass 1930 noch 30 Menschen jüdischen Glaubens in Neckarsteinach lebten, 1933 jedoch keiner mehr.
„aus-ge-Buch-t und neu ent-bunden“ entstand 2003 zum 70. Jahrestag der Bücherverbrennung. Fleiner verwandelte Bücher, die weggeworfen werden sollten, in Möbel und Kunstobjekte und bewahrte sie damit vor der Vernichtung. Die Ausstellung wurde unter anderem in der Bibliothek der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland in Bonn und im Ernst-Bloch-Zentrum Ludwigshafen gezeigt.
Umwelt, Technik und Nachhaltigkeit
Fleiner verbindet Kunst häufig mit Umweltschutz und nachhaltigem Handeln. Die „Bau(m)maßnahme“ zum Neubau des Umweltbundesamtes in Dessau führte zu einer Pflanzaktion, durch die Bäume ersetzt wurden, die dem Neubau weichen mussten.
Die 1998 gemeinsam mit dem Bildhauer und Bühnenbildner Michael Thomas verwirklichte „Murmelmaschine“ erinnert an die Aktion „Umdenken – Umsteigen – 100.000 Tage ohne Auto“. Dabei verzichteten 1000 Autofahrer jeweils 100 Tage auf ihr Auto. Entsprechend kann die Maschine 100.000 Glasmurmeln aufnehmen und zirkulieren lassen. Sie wird durch Pedalantrieb bewegt; das Wuppertalinstitut begleitete das Projekt wissenschaftlich.
Die „Sonnen-Wind-Musik-Maschine“ ist ein Flachkollektor-Stirlingmotor, der eine Zungenpfeifenorgel mit Luft versorgt. Windrichtung und Windgeschwindigkeit steuern die Maschine. Sie gilt als erste solarmechanische Orgel der Welt.
„RE-ART ONe – Kunst und Design im Kontext von Abfall und Recycling“ zeigt 52 Künstler aus 15 Ländern, die mit Abfällen arbeiten. Die UNESCO zeichnete das Projekt 2005 als richtungsweisend in der UN-Dekade „Bildung zur Nachhaltigkeit“ aus. Es war 2005 offizieller deutscher Beitrag zum Weltumwelttag in San Francisco und anschließend die erste Kunstausstellung im neuen Umweltbundesamt in Dessau. 2006 wurde es für zehn Wochen in der Main Lobby der Vereinten Nationen in Nairobi gezeigt.
Das 2008 gestartete Ausstellungsprojekt „Arte Sustenibile UNo“ stand unter der Schirmherrschaft der Deutschen UNESCO-Kommission. Es wurde unter anderem bei Ruhr 2010, im Umweltbundesamt, in der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland sowie im Begleitprogramm der UNESCO-Weltkonferenz „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ 2014 präsentiert. „ARTandVIELFALT“ von 2011 war offizielles Projekt bei Hamburg Umwelthauptstadt Europas und bei der UN-Dekade für Biodiversität der Convention on Biodiversity. Das Projekt „Boden!Bildung“ wurde 2015 von der FAO ausgezeichnet.
Klang, Bewegung und Arbeitswelt
Fleiners Maschinenchoreografien und Geräuschkonzerte gehören zum Schaffenszyklus „Kunst und Arbeitswelt“. Dabei werden Maschinen, technische Geräte, Verkehrsmittel oder Arbeitsabläufe zu Bestandteilen von Musik und Tanz. Zu seinen Arbeiten zählen ein Ballett für Bagger und Baumaschinen, ein Konzert für Abrissbirne und sibirische Maultrommler, ein Containerballett im Mannheimer Hafen sowie Ballette für Rollstuhlfahrer und Gabelstapler, Straßenfertiger, Straßenwalzen und Kompaktoren. Hinzu kommen ein Konzert für Straßenbahnklingeln und die „E-Musik“, ein Konzert für Elektrogeräte.
Im Kompositionsprojekt „Körperklänge – Lebenslaut“ verwendete er medizinische Diagnosesounds als „Musik Konkret“ und machte dabei auch EEG-Wellen hörbar. Bei „PartyZipation – Konzert für Bürgerstimmen, Baubeteiligte und einen OB“ am 10. April 1997 in Ludwigshafen am Rhein übernahm der damalige Oberbürgermeister Wolfgang Schulte die Hauptrolle.
Ein frühes Beispiel seiner großräumigen Klangprojekte ist das „Konzert für sieben Schiffshörner und einen Regionalzug“, das 1993 im hessischen Neckartal uraufgeführt wurde. Schiffs- und Zugführer spielten dabei die Schiffshörner und Zugpfeifen.
Auszeichnungen
2008 erhielt Fleiner den Deutschen lokalen Nachhaltigkeitspreis des Netzwerk21Kongresses in der Kategorie Einzelpersonen. 2023 wurde ihm das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen.