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Romanzero

Den größten Teil der Gedichte des Romanzero schrieb Heine zwischen 1848 und 1851. Zu dieser Zeit war Heine bereits sehr krank; seine letzten Lebensjahre …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Einordnung und Entstehung
  2. 2. Aufbau des Gedichtbands
  3. 3. Historien und Lamentationen
  4. 4. Hebräische Melodien
  5. 5. Themen und Wirkung

Einordnung und Entstehung

„Romanzero“ ist der Titel von Heinrich Heines drittem und letztem Gedichtband, wenn die in das „Buch der Lieder“ eingegangene Sammlung „Gedichte von H. Heine“, Berlin 1822, nicht mitgerechnet wird. Der Band erschien 1851 im Verlag Hoffmann und Campe in Hamburg.

Den größten Teil der Gedichte schrieb Heine zwischen 1848 und 1851. In dieser Zeit war er bereits schwer krank. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er in Paris in seiner sogenannten „Matratzengruft“, bevor er 1856 nach langer und beschwerlicher Krankheit starb. Heine selbst vermutete Syphilis als Ursache; Forschungen ergaben jedoch, dass er wahrscheinlich an einer chronischen Bleivergiftung starb. Wegen seiner körperlichen Beeinträchtigung musste er viele Schriften seinem Sekretär diktieren, darunter zumindest Teile des „Romanzero“.

Von den 64 Gedichten der Sammlung waren 11 bereits vorher veröffentlicht worden. Insgesamt bot Heine damit, anders als in seinen früheren Gedichtbänden „Buch der Lieder“ und „Neue Gedichte“, überwiegend neuen Stoff.

Aufbau des Gedichtbands

Der „Romanzero“ ist in drei Teile gegliedert: „Historien“, „Lamentationen“ und „Hebräische Melodien“. Alle drei Bücher werden jeweils durch ein zweistrophiges Gedicht im Kreuzreim eingeleitet. Ein Kreuzreim ist eine Reimform, bei der sich die erste und dritte sowie die zweite und vierte Verszeile reimen. Diese Eingangsgedichte enthalten jeweils eine allgemeine Lebensweisheit.

Die drei Teile unterscheiden sich vor allem durch ihre Themen. Die „Historien“ greifen geschichtliche Ereignisse und Figuren auf. Die „Lamentationen“ kreisen vor allem um Krankheit, Tod und schwermütige Erinnerung. Die „Hebräischen Melodien“ behandeln spezifisch jüdische Stoffe und bestehen aus drei Gedichten.

Historien und Lamentationen

In den „Historien“ behandelt Heine geschichtliche Ereignisse unterschiedlichster Art. Die Spannweite reicht von einer Anekdote über den ägyptischen König Rhampsenit und einen Dieb bis zu bekannten historischen Gestalten wie König Karl I. von England und Marie-Antoinette. Auch der Azteken-Gott Vitzliputzli wird genannt. Die Stoffe sind also nicht auf eine Epoche oder Region beschränkt, sondern verbinden antike, europäische und außereuropäische Bezüge.

Die „Lamentationen“ haben einen deutlich anderen Schwerpunkt. Sie thematisieren vorwiegend Krankheit, Tod und schwermütige Erinnerung. Als Beispiel nennt der Artikel das relativ umfangreiche Gedicht „Lazarus“. Der Begriff „Lamentation“ bedeutet Klage; entsprechend steht hier nicht die geschichtliche Erzählung, sondern die Auseinandersetzung mit Leiden und Vergänglichkeit im Mittelpunkt.

Hebräische Melodien

Die „Hebräischen Melodien“ bestehen aus drei Gedichten mit ausdrücklich jüdischer Thematik: „Prinzessin Sabbath“, „Jehuda ben Halevi“ und „Disputation“.

In „Prinzessin Sabbath“ wird die Schönheit und spirituelle Bedeutung des Ruhetags bildreich und gleichnishaft geschildert. „Spirituell“ meint hier die religiöse und innere Bedeutung eines Tages oder Brauchs. „Jehuda ben Halevi“ berichtet vom Leben des gleichnamigen spanischen Dichters und Gelehrten. „Disputation“ behandelt einen mittelalterlichen Meinungswettstreit zwischen einem Rabbiner und einem Franziskaner. Eine Disputation ist ein geordneter Streit oder eine Debatte über religiöse oder gelehrte Fragen.

Themen und Wirkung

Ein Hauptanliegen des „Romanzero“ ist das Aufdecken von Missständen, die dem Volk deutlich gemacht werden sollen. Heine nutzt dafür ironische Stilmittel und setzt sie pointiert ein. Ironie bedeutet, dass etwas so gesagt wird, dass eine kritische oder gegenteilige Bedeutung mitschwingt; pointiert heißt zugespitzt und wirkungsvoll formuliert.

In seinen oft mehrgliedrigen Gedichten setzt sich Heine kritisch mit Gesellschaft, Politik, Religion und Literatur auseinander. Dazu gehört auch die Frage nach der literarischen Zukunft und nach seiner eigenen Rolle als Dichter. In mythische, sagenhafte und märchenhafte Stoffe integriert er teilweise aktuelle politische Themen.

Diese kritische Ausrichtung hatte direkte Folgen: Der „Romanzero“ wurde schon 1851 in Österreich verboten. In Preußen wurde das Buch polizeilich beschlagnahmt.

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