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Religion (Lied)

Religion ist ein 1993 veröffentlichtes Lied der EBM-Band Front 242. Die Band nutzte den Klang von E-Gitarren und orientierte sich so am keimenden Industrial …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Kern und Bedeutung
  2. 2. Entstehung und Veröffentlichung
  3. 3. Musik und Klang
  4. 4. Text und Aussage
  5. 5. Versionen der Single
  6. 6. Erfolg und Kritik

Kern und Bedeutung

„Religion“ ist ein Lied der belgischen EBM-Band Front 242. Es wurde 1993 veröffentlicht und erschien als Leadsingle des sechsten Albums „06:21:03:11 Up Evil“. EBM steht für Electronic Body Music, also eine tanzbare elektronische Musikrichtung mit harten Rhythmen. Das Stück ist wichtig, weil Front 242 damit ihren bekannten elektronischen Stil erweiterte und sich am damals aufkommenden Industrial Rock orientierte. Industrial Rock verbindet harte elektronische Klänge mit Elementen der Rockmusik.

Das Lied wurde am 26. Mai 1993 veröffentlicht, dauert in der angegebenen Albumfassung 4:05 Minuten und wird dem Genre Industrial Rock zugeordnet. Der Text stammt von Jean-Luc De Meyer und Jean-Marc Pauly, die Musik von Daniel Bressanutti und Patrick Codenys. Produziert wurde das Stück von Patrick Codenys und Andy Wallace, veröffentlicht wurde es beim Label Red Rhino Europe. Durch ein Musikvideo kam „Religion“ in die Rotation des Musikfernsehens und wurde außerdem ein Clubhit.

Entstehung und Veröffentlichung

Front 242 war bereits durch EBM-Stücke wie „Masterhit“, „Headhunter“ und „No Shuffle“ bekannt. Beim Album-Doppel aus „06:21:03:11 Up Evil“ und „05:22:09:12 Off“ wollte die Band ihre bekannten Erfolgsformeln bewusst durchbrechen und neue Wege ausprobieren. In einem Zitat erklärte Bob Gourley, die Band habe es satt gehabt, immer nach derselben Formel zu spielen. Die Zusammenarbeit mit Andy Wallace wurde als großes Risiko beschrieben, weil Wallace nicht besonders auf elektronische Musik ausgerichtet gewesen sei.

Als weiteren Einfluss nannten die Musiker den aufkommenden Industrial Rock. Sie verstanden ihren Schritt auch als Reaktion auf Bands wie Ministry und Nine Inch Nails, die eine Verbindung aus Rockmusik und Industrial Dance beziehungsweise EBM bekannt gemacht hatten.

Die Single erschien am 19. April 1993 in drei Varianten. Die im Katalog „CDR“ genannte Version enthielt zwei Remixe von The Prodigy zu „Religion“ sowie zwei von The Orb angefertigte Remixe des Stücks „Crapage“. Die im Katalog nur „CD“ genannte Version enthielt einen Single-Mix von Andy Wallace und drei Remixe von JG Thirlwell. Die als „CDX“ bezeichnete Variante enthielt alle acht Stücke. Front 242 nahm „Religion“ regelmäßig in das Liverepertoire auf; außerdem erschien das Lied auf der Best-of-Kompilation „Moments 1“.

Musik und Klang

„Religion“ wurde im 4/4-Takt geschrieben. Der 4/4-Takt ist ein sehr häufiger Takt in Pop-, Rock- und Tanzmusik, bei dem vier Schläge eine Einheit bilden. Als Grundton wird Cis-Dur/Des-Dur angegeben. Das Stück gilt als sehr energiegeladen und tanzbar.

Eine Besonderheit ist der Gitarrenklang. Front 242 führte hier erstmals den Klang einer Rockgitarre in die eigene Musik ein. Anders als andere Künstler der Zeit nutzte die Band dafür jedoch keinen zusätzlichen Gitarristen und keine gesampelten Gitarrenriffs. Stattdessen wurde der Gitarreneffekt mit analogen Synthesizern simuliert. Ein analoger Synthesizer ist ein elektronisches Instrument, das Klänge technisch erzeugt und verändern kann.

Der simulierte Gitarrensound wurde mit dem typischen Aufbau von Front 242 verbunden: treibende Rhythmen, elektronische Klänge und ein dichter, verzerrter Gesamtsound. Der Aufbau des Liedes wird als besonders „verzerrt und dicht“ beschrieben und nutzt vermehrt Rückkoppelungen. Ein „wuchtiger Beat“ bestimmt das schnelle Tempo von 140 BpM. BpM bedeutet „Beats per Minute“, also Schläge pro Minute.

Text und Aussage

Der Text behandelt religiöse Indoktrination im Zusammenhang mit moralischem Denken. Indoktrination bedeutet, dass Menschen bestimmte Überzeugungen so vermittelt bekommen, dass sie kaum hinterfragt werden sollen. In den Strophen geht es um den Gegensatz von Richtig und Falsch. Dieser Dualismus, also die strikte Zweiteilung in zwei Gegensätze, erscheint aus der Ich-Perspektive als anerzogen und aufgezwungen.

Das lyrische Ich beschreibt, dass ein angesprochenes Gegenüber die Sünde des Individuums sehe. Gleichzeitig werde erwartet, dass das Böse im eigenen Selbst erkannt werde. In der dritten Strophe wird deutlicher, dass Menschen mit Macht-Bestrebungen als Gegner und als Ursache einer eigenen Wut wahrgenommen werden. Diese Wut verlangt nach Zerstörung.

In der letzten Strophe wird angedeutet, dass diese Versuche Wirkung zeigen: „You see, it moves into me“. Im Refrain richtet sich die Stimme wütend an das Gegenüber. Wiederholt wird die verzerrte Aufforderung „Let me burn you down!“ herausgebrüllt.

Versionen der Single

Die Single erschien in drei unterschiedlichen Front-242-Varianten. Die CD-Version enthielt vier Fassungen von „Religion“: den „7" Mix By Andy Wallace“ mit 3:33 Minuten, den „Pussy Whipped Mix By J.G. Thirlwell“ mit 6:06 Minuten, den „Lovelace A Go-Go Mix By J.G. Thirlwell“ mit 5:24 Minuten und den „Bitch Slapper Mix By J.G. Thirlwell“ mit 3:40 Minuten.

Die CDR-Version enthielt zwei Prodigy-Remixe von „Religion“ und zwei Orb-Remixe von „Crapage“: „The Prodigy Bass Under Siege Mix“ mit 4:44 Minuten, „The Prodigy Trance U Down Mix“ mit 4:55 Minuten, „Crapage (Never Hurry A Murray Mix By The Orb)“ mit 5:30 Minuten und „Crapage (The Turd Mix By The Orb)“ mit 5:55 Minuten.

Die CDX-Version vereinte alle acht Stücke der beiden anderen Varianten. Sie enthielt also den Andy-Wallace-Mix, die drei JG-Thirlwell-Remixe, die zwei Prodigy-Remixe sowie die zwei Orb-Remixe von „Crapage“.

Erfolg und Kritik

In Großbritannien wurde „Religion“ zum größten Erfolg von Front 242. Die Single stand dort für eine Woche auf Platz 46 der britischen Charts. Rückblickend gilt das Stück als „dauerhafte Hymne des Albums“.

Es gab aber auch Kritik an der musikalischen Entwicklung. Bill Leeds von der Band Front Line Assembly, die sich ein Jahr später ebenfalls dem Industrial Rock zuwandte, äußerte Unverständnis für diese Form des Entwicklungsschritts. Er kritisierte sowohl das Album als auch die in „Religion“ verwendeten Soundeffekte des analogen Synthesizers, die einen Gitarrenklang nachahmen. Diese bezeichnete er als „seltsam klingende Grunge-Gitarren“.

Lernvideos zu Religion (Lied)

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