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Raoul Blanchard
Raoul Blanchard (* 4. September 1877 in Orléans; † 24. März 1965 in Paris) war ein französischer Geograph. Blanchard studierte ab 1897 Geographie an der …
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Person und Bedeutung
Raoul Blanchard (* 4. September 1877 in Orléans; † 24. März 1965 in Paris) war ein französischer Geograph. Seine wichtigsten Forschungsgebiete waren Flandern, die französischen und westlichen Alpen sowie das französische Kanada, insbesondere die Provinz Québec. Er verfasste insgesamt 290 Bücher und Artikel zu geografischen Themen in Europa und Nordamerika.
Besonders bedeutend war seine Arbeit zur Geographie der Alpen. An der Universität Grenoble gründete er das Institut de géographie alpine und dessen Fachzeitschrift Revue de géographie alpine. Außerdem veröffentlichte er zwischen 1937 und 1958 das zwölfbändige Werk Les Alpes occidentales über die westlichen Alpen. Durch seine Forschungen und Einrichtungen trug er wesentlich zur wissenschaftlichen Untersuchung des Alpenraums bei.
Ausbildung und wissenschaftliche Laufbahn
Blanchard begann 1897 ein Geografiestudium an der École normale supérieure. Dort studierte er bei Paul Vidal de la Blache und bestand 1900 die Agrégation, eine französische Staatsprüfung für das höhere Lehramt. Anschließend arbeitete er als Lehrer in Douai.
1906 erschien seine Dissertation über Flandern unter dem Titel La Flandre. Étude de géographie de la plaine flamande, en France, Belgique et Hollande. Diese Untersuchung der flämischen Ebene in Frankreich, Belgien und Holland verschaffte ihm eine Stellung an der Universität Grenoble. Dort wurde er 1913 Professor und gründete das Institut de géographie alpine.
Von 1922 bis 1936 war Blanchard außerdem Professor an der Harvard University. Von dort aus bereiste er regelmäßig Québec. Dadurch entstand sein langfristiges Interesse am französischen Kanada, über das er später mehrere umfangreiche Werke schrieb.
Forschung und Veröffentlichungen
Blanchards Veröffentlichungen deckten unterschiedliche Teilgebiete der Geographie ab. Zu seinen frühen Arbeiten gehören La Flandre von 1906, ein Beitrag über Wohnformen im Queyras von 1909 und Grenoble, étude de géographie urbaine von 1911. Letzteres ist eine stadtgeografische Untersuchung Grenobles; 1935 erschien eine dritte Auflage.
Mit den Alpen beschäftigte er sich unter anderem in Les Alpes françaises von 1925, dem zwölfbändigen Les Alpes occidentales von 1937 bis 1958, Les Alpes et leur destin von 1953 und Réflexions sur les hautes vallées alpestres von 1958. Daneben veröffentlichte er allgemeinere Darstellungen wie Géographie de l'industrie von 1934, A geography of Europe von 1935, gemeinsam mit Raymond E. Christ, und Géographie générale von 1938.
Seine Forschungen zum französischen Kanada und zu Québec führten zu zahlreichen regionalen Studien. Dazu zählen La presqu'île de Gaspé von 1930, Les Problèmes du Canada français von 1932, L'Est du Canada français, Province de Québec in zwei Bänden von 1935, Le Centre du Canada français von 1947, Montréal : esquisse de géographie urbaine von 1947, Le Québec par l'image von 1949 und La Mauricie von 1950. L'Ouest du Canada français erschien 1953–1954 in fünf Bänden. Das Werk Le Canada français wurde von 1960 bis 1964 veröffentlicht; 1970 erschien eine dritte Auflage.
Auszeichnungen und Erinnerung
Blanchard wurde 1936 in die American Academy of Arts and Sciences gewählt. 1958 wurde er Mitglied der Académie des sciences morales et politiques. Im Jahr 1960 erhielt er die Goldmedaille des französischen Centre national de la recherche scientifique (CNRS).
Auch geografisch wurde an ihn erinnert: Ein Berg in der kanadischen Provinz Québec trägt seinen Namen.