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Pyramiden (Spitzbergen)

Pyramiden (russisch Пирамида Piramida) ist eine mittlerweile aufgegebene Bergarbeitersiedlung auf Spitzbergen mit ehemals über 1000 Einwohnern, …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Lage und Bedeutung
  2. 2. Kohleabbau und Aufgabe der Siedlung
  3. 3. Heutige Nutzung und Tourismus
  4. 4. Alltag, Gebäude und Versorgung
  5. 5. Klima und Freizeit

Lage und Bedeutung

Pyramiden (russisch Пирамида, Piramida) ist eine aufgegebene Bergarbeitersiedlung auf Spitzbergen, die früher mehr als 1000 Einwohner hatte. Sie wird heute als russische Reisedestination mit Hotel betrieben. Die Siedlung liegt am Billefjord, einem Seitenarm des Isfjords, im Dickson-Land. Von Longyearbyen aus ist sie mit dem Schiff in etwa anderthalb bis zwei Stunden erreichbar.

Der Ort liegt am Fuß des 937 m ü. NN hohen Berges Pyramiden, dessen pyramidenartige Form den Namen erklärt. Als Einwohnerzahl nennt die Basisangabe 5 für das Jahr 2020. Für den heutigen saisonalen Betrieb werden dagegen 11 Personen im Sommer und 2 Personen in der dunklen Jahreszeit genannt.

Kohleabbau und Aufgabe der Siedlung

Ein schwedisches Unternehmen begann 1921 mit dem Kohleabbau. In den späten 1920er Jahren erwarb der sowjetische Trust Arktikugol die Rechte. Die Sowjetunion durfte als Unterzeichnerstaat des Spitzbergen-Vertrags auf dem zu Norwegen gehörenden Archipel Rohstoffe abbauen.

1941 wurde Pyramiden vorsorglich wegen des Krieges evakuiert, blieb aber weitgehend unzerstört. Barentsburg, die andere russische Kohlesiedlung, war dagegen praktisch vollständig zerstört worden. Deshalb wurde Pyramiden nach dem Zweiten Weltkrieg zur wichtigsten und größten Kohleabbausiedlung der sowjetischen Regierung in der Arktis. Zeitweise lebten dort rund 1000 Menschen; Pyramiden gehörte damit zu den größten Orten Spitzbergens und war zeitweise die nördlichste Siedlung der Welt.

Ab den 1990er Jahren gewann neben dem Kohleabbau auch der Tourismus an Bedeutung. Mit der Verringerung des Abbaus wurden Anfang der 1990er Jahre erste Bewohner, meist nach Russland oder in die Ukraine, zurückgeschickt. 1996 waren die meisten Familien bereits fort. Die russische Regierung beschloss 1998 die Stilllegung, weil der Abbau nicht mehr rentabel war. Am 31. März 1998 fuhr der letzte Kohlewagen; im Oktober war die Siedlung fast vollständig verlassen. Im Jahr 2000 gingen die letzten Bewohner. Barentsburg blieb damit die einzige russische Ansiedlung auf Spitzbergen.

Heutige Nutzung und Tourismus

Nach der Aufgabe wurden zahlreiche Gebäude geplündert, durch Vandalismus beschädigt oder schon zuvor gesprengt. Seit etwa 2007 arbeiten jeden Sommer einige Personen in Pyramiden, um den weiteren Verfall zu bremsen und aufzuräumen. Sie wohnen im alten Hotel. Das Hotel wurde 2013 wieder für Touristen geöffnet.

Im Sommer finden mehrmals pro Woche organisierte Tagesausflüge mit dem Schiff aus Longyearbyen statt. Bei Führungen dürfen einige Gebäude unter Aufsicht betreten werden. Pyramiden ist außerdem Ausgangspunkt für Trekkingtouren; in der Nähe liegen mehrere Basislager. In der Sommersaison legen auch Expeditionskreuzfahrtschiffe an. Während der Northern Expo vom 4. bis 7. Oktober 2018 wurden dort Jazzmusikveranstaltungen abgehalten.

Alltag, Gebäude und Versorgung

Zur Betriebszeit lebten in Pyramiden fast ausschließlich Familien von Bergarbeitern. Nach Pyramiden wurden nur besonders gute Arbeiter aus Kohlesiedlungen in Russland und der Ukraine versetzt. Sie durften jeweils zwei Jahre dort arbeiten und leben und mussten danach zurückkehren. Berichten zufolge war das Leben vor allem in der Sowjetzeit deutlich besser als in Russland selbst.

Das Ortsbild wird von Betonbauten geprägt, die häufig mit Backsteinen oder Holzpaneelen verkleidet und teils farbig gestaltet sind. Auf dem Hauptplatz stehen eine große Lenin-Büste vor dem Kulturhaus sowie erhaltene kommunistische Denkmäler. Trotz des arktischen Klimas wurde Rasensamen aus Russland eingeführt. Auf dem hohen Rasen durften damals nur Vieh und Kinder laufen.

Zu den Gebäuden gehörten vor allem Wohnhäuser sowie Lagerhallen, Viehställe, Gewächshaus, Krankenhaus, Kantine, Kultur- und Gemeinschaftshaus, Schule, Kindergarten, Schwimmbad, Elektrizitätswerk und Anlagen des Kohleabbaus. Viele Bauten sind heute verschlossen und meist nur bei Führungen zugänglich. Das renovierte Hotel „Tulpan“ („Tulpe“) bietet Restaurant, Bar und buchbare Übernachtungen. Eine Besonderheit ist das Flaschenhaus aus Wodkaflaschen: Bei gutem Wetter entsteht darin ein Farbenspiel, bei Wind ein „Flaschenkonzert“.

Die Versorgung sollte weitgehend vor Ort funktionieren: Trinkwasser kam von einem entfernten Stausee, Viehzucht lieferte Frischfleisch und ein Gewächshaus frisches Gemüse.

Klima und Freizeit

Die dunkle Jahreszeit dauert vom 26. Oktober bis zum 16. Februar; in dieser Zeit geht die Sonne nicht auf. Die Mitternachtssonne scheint vom 18. April bis zum 26. August.

Für die Freizeit gab es Fußball- und Schwimmmannschaften, eine Jazzband sowie Tanz- und Theatergruppen. Das Kulturhaus umfasste eine Sporthalle, einen Ballettsaal, eine Aula mit Kinofunktion, Musikräume und eine Bibliothek. Dort hängen noch Bilder von Sportmannschaften und Veranstaltungen in der Aula.

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