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Polizeiorchester

Als Polizeiorchester bezeichnet man die vor allem im deutschsprachigen Raum verbreiteten polizeilichen Klangkörper, die überwiegend zu repräsentativen …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Bedeutung
  2. 2. Entwicklung seit den Anfängen
  3. 3. Aufgaben im Polizeidienst
  4. 4. Besetzung und Organisationsformen
  5. 5. Polizeiorchester in Deutschland
  6. 6. Beispiele aus Österreich, der Schweiz und anderen Ländern

Begriff und Bedeutung

Polizeiorchester sind polizeiliche Klangkörper, die besonders im deutschsprachigen Raum verbreitet sind. Sie gehören zu Polizei- oder Sicherheitsbehörden und werden vor allem bei repräsentativen Anlässen sowie zur Imagepflege der Polizei eingesetzt. Als kulturelle Botschafter stellen sie eine Verbindung zwischen Polizei und Bevölkerung her.

Die meisten Polizeiorchester spielen als Blasorchester in Harmoniebesetzung. Einige treten als Big Band auf. Neben der vollständigen Besetzung gibt es häufig kleinere Teilbesetzungen, etwa Bigbands, Egerländer Besetzungen sowie klassische Blech- und Holzbläsertrios, -quartette und -quintette.

Entwicklung seit den Anfängen

Die Vorläufer heutiger Polizeiorchester entstanden überwiegend um die Jahrhundertwende: 1902 wurde die Polizeimusik Zürich-Stadt gegründet, 1909 das Orchester der Polizei Wien und 1918 das Musikkorps der Bayerischen Bereitschaftspolizei. Die Mitglieder waren zunächst meist Polizeibeamte, die in ihrer Freizeit gemeinsam musizierten. Es gab sowohl Streich- als auch Blasorchester.

Während der nationalsozialistischen Gleichschaltung wurden die Polizeiorchester in Deutschland und Österreich der Parteiarbeit unterstellt, später aufgelöst und in die Militärmusiken eingegliedert. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden in den deutschen Bundesländern schrittweise neue Polizeiorchester. 1953 verfügten alle Bundesländer über ein solches Orchester. Der 1951 gegründete Bundesgrenzschutz, seit 2005 Bundespolizei, besitzt seit seiner Gründung drei Orchester. Ihre Sitze sind Hannover, München und Kassel; ab 1990 lag der dritte Sitz in Berlin.

Die polizeilichen Klangkörper der DDR wurden nach der Wende 1989 aufgelöst. Nach dem Krieg nahm die Zahl der Streichorchester zunehmend ab, während sich Blasorchester und später auch Big-Band-Besetzungen durchsetzten. Wegen häufigerer Proben und Konzerte wurden zunehmend Berufsmusiker eingestellt. In Deutschland führte diese Professionalisierung dazu, dass alle Polizeiorchester aus hauptamtlich musizierenden Mitgliedern bestehen. In Österreich leisten die Orchestermitglieder ihren Musikdienst im regulären Polizeidienst; in der Schweiz überwiegen Freizeitorchester.

Aufgaben im Polizeidienst

Polizeiorchester gestalten polizeiliche Veranstaltungen und repräsentative Anlässe, beispielsweise Staatsempfänge. Sie dienen der Imagepflege und der Nachwuchsgewinnung und wirken als Bindeglied zwischen Bevölkerung und Polizei.

Eine wichtige Form sind Benefizkonzerte. Einige Orchester übernehmen außerdem Aufgaben der Kinder- und Jugendprävention und geben regelmäßig Konzerte an Schulen.

Besetzung und Organisationsformen

In Deutschland bestehen die Polizeiorchester vollständig aus hauptamtlich musizierenden Mitgliedern. Eine Ausnahme bildet die Big Band der Polizei des Saarlandes, die vorrangig aus hauptamtlich musizierenden Mitgliedern besteht. In Österreich gehören die Musiker zu den Polizeiangestellten und verrichten ihren Musikdienst im Rahmen ihres regulären Polizeidienstes. In der Schweiz sind Freizeitorchester üblich; dort musizieren neben Polizistinnen und Polizisten auch Angehörige anderer Berufsgruppen.

Die Harmoniebesetzung entspricht in der Regel der Gesamtbesetzung eines Orchesters. Viele Klangkörper können zusätzlich in kleineren Besetzungen auftreten. Die Spannweite reicht von Bigbands und Egerländer Besetzungen bis zu Blech- und Holzbläserensembles.

Polizeiorchester in Deutschland

Die im Artikel genannten deutschen Klangkörper sind überwiegend Berufsorchester in Harmoniebesetzung:

  • Big Band der Polizei des Saarlandes: 21 Mitglieder, Bigband, Berufsorchester.
  • Bundespolizeiorchester Berlin, Hannover und München: jeweils 46 Mitglieder, Harmoniebesetzung, Berufsorchester.
  • Landespolizeiorchester Hessen: 28; Baden-Württemberg: 40; Brandenburg: 45; Mecklenburg-Vorpommern: 31; Nordrhein-Westfalen: 45; Rheinland-Pfalz: 38; Sachsen-Anhalt: 34 Mitglieder. Alle sind Berufsorchester in Harmoniebesetzung.
  • Polizeiorchester Bayern: 45; des Freistaates Sachsen: 38; Hamburg: 35; Niedersachsen: 42; Thüringen: 34 Mitglieder. Alle sind Berufsorchester in Harmoniebesetzung.

Die Polizei Big Band Schleswig-Holstein wurde 2015 aufgelöst. Das Polizeimusikkorps Bremen wurde 1982 aufgelöst.

Beispiele aus Österreich, der Schweiz und anderen Ländern

In Österreich werden folgende Polizeimusiken genannt: Niederösterreich mit 40 Mitgliedern, Oberösterreich mit 69, Salzburg mit 52, Steiermark mit 60, Tirol mit 61 und Wien mit 37 Mitgliedern. Alle spielen in Harmoniebesetzung. In Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg und der Steiermark sind die Mitglieder regelmäßig aus dem Polizeidienst zum Musikdienst abgestellt; in Wien sind sie überwiegend abgestellt. Für Tirol wird diese Angabe nicht gemacht.

In der Schweiz werden die Polizeimusik Basel mit 50 Mitgliedern, die Korpsmusik der Kantonspolizei Zürich mit 70 und die Polizeimusik Zürich-Stadt mit 76 Mitgliedern genannt. Es handelt sich um Freizeitorchester in Harmoniebesetzung. Basel tritt zusätzlich mit Tambouren und Fähnrichen auf, die Korpsmusik der Kantonspolizei Zürich mit Tambouren.

International nennt der Artikel die Band of the Castle Guards and the Police of the Czech Republic in Tschechien mit 60 Mitgliedern als Berufsorchester, die Helsinki Police Band in Finnland mit 43 Mitgliedern als Berufsorchester sowie die South Yorkshire Police Band im Vereinigten Königreich mit 25 Mitgliedern als Brassband und Freizeitorchester. Die Mitglieder der Helsinki Police Band arbeiten die Hälfte ihrer Arbeitszeit bei der Verkehrspolizei. Außerdem wird die United States Police Band aus den USA genannt; eine Mitgliederzahl oder weitere Angaben enthält der Artikel dazu nicht.

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