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Paul-Falle
In einer Paul-Falle (auch Paul-Ionenkäfig) werden elektrisch geladene Teilchen mittels eines elektrischen Wechselfeldes gespeichert.
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Grundprinzip der Paul-Falle
Eine Paul-Falle, auch Paul-Ionenkäfig, speichert elektrisch geladene Teilchen (Ionen) mit einem elektrischen Wechselfeld. Die Bezeichnung Quadrupol-Ionenfalle verweist auf die Geometrie des dabei verwendeten Feldes. Sie ist wichtig, weil sie Ionen gezielt einschließen und untersuchen kann, etwa zur Massenanalyse oder für Ansätze zum Quantencomputer.
Der deutsche Physiker Wolfgang Paul entwickelte die Falle und erhielt dafür 1989 den Physik-Nobelpreis. Entscheidend ist, dass ein zeitlich wechselndes Feld Ionen trotz der grundsätzlich nicht gleichzeitig in alle Richtungen möglichen elektrostatischen Fokussierung wirksam in drei Dimensionen festhalten kann.
Aufbau und Wirkungsweise
In der klassischen Bauform besitzt die Paul-Falle drei Elektroden: eine ringförmige Elektrode sowie zwei elektrisch verbundene Endkappenelektroden auf den beiden Seiten des Rings. Ihre Innenflächen sind hyperbolisch. Zwischen Ring- und Endkappenelektroden liegt eine hochfrequente Wechselspannung (HF) von meist 1 MHz. Dadurch entsteht im Inneren ein elektrisches Quadrupolfeld.
Auf ein Ion wirkt eine Kraft, die periodisch ihre Richtung und räumliche Wirkung ändert. Je weiter das Ion vom Zentrum entfernt ist, desto größer ist die speichernde, also rücktreibende Kraft. Während einer Phase des Wechselfeldes werden Ionen in der Ringebene fokussiert, zugleich aber senkrecht zu dieser Ebene defokussiert. Nach dem Phasenwechsel werden sie senkrecht zur Ringebene fokussiert und in der Ringebene defokussiert.
Diese beiden Zustände wechseln sehr schnell. Zusammen erzeugen sie eine effektive Fokussierung in allen drei Raumrichtungen; die Ionen bleiben dadurch gespeichert. Die genauen Ionenbahnen werden mit den Mathieuschen Differentialgleichungen beschrieben, die nach dem Mathematiker Émile Léonard Mathieu benannt sind.
Lineare Bauform und Massenanalyse
Praktisch wird häufig die lineare Paul-Falle verwendet. Sie besteht aus vier gleich langen Metallstäben, die parallel in Rechteckform angeordnet sind und einen Quader aus Quadrupole electrodes bilden. Jeder Stab ist durch Isolatorringe in drei elektrisch getrennte Teilstücke geteilt. Die mittleren Stücke übernehmen die Rolle der Ringelektrode, die äußeren Stücke die der Endkappenelektroden. Mit einem entsprechenden Wechselfeld können Ionen im Inneren des Quaders gespeichert werden.
Diese Bauform ist einfacher als die klassische Anordnung. Außerdem besitzt sie an beiden Längsseiten Öffnungen. Dadurch können beispielsweise Laser zur Messung oder zur Kühlung der Teilchen eingesetzt werden, ohne die Feldgeometrie zu stören. Lineare Paul-Fallen können auch als Quadrupol-Massenspektrometer verwendet werden.
Allgemein hängt die Stabilität der Ionenbahnen in einer Paul-Falle vom Masse-Ladungs-Verhältnis der Ionen ab. Daher lässt sich die Falle in Ionenfallen-Massenspektrometern zur Massenanalyse nutzen.
Anwendungen und anschauliches Modell
Neben der Massenanalyse ist die Paul-Falle für erste Ansätze zur Realisierung eines Quantencomputers bedeutsam. J. I. Cirac und Peter Zoller schlugen 1995 erstmals vor, gefangene Ionen hierfür einzusetzen; die Tauglichkeit dieses Vorschlags konnte kurze Zeit später experimentell gezeigt werden.
Ein mechanisches Analogon von Wolfgang Paul verdeutlicht das Prinzip der Speicherung: Auf einer ruhenden Sattelfläche würde eine Kugel herunterrollen. Wird die Fläche jedoch gedreht, kann die Kugel stabilisiert werden. Entfernt sie sich vom Zentrum, wird die Fläche steiler und die rücktreibende Kraft stärker. Dies entspricht der Wirkung des schnell wechselnden elektrischen Feldes auf Ionen in der Falle.
Laserkühlung gefangener Ionen
David Wineland vom National Institute of Standards and Technology in Boulder, Colorado, entwickelte die Paul-Falle durch Laserkühlung entscheidend weiter. Teilchen können in den Potenzialmulden einer Paul-Falle Stunden, Tage oder sogar Monate lang gefangen bleiben. Sie ruhen dort aber nicht vollständig: Selbst nahe dem absoluten Temperaturnullpunkt schwingen die Atome um ihre Ruhelage. Ihre möglichen Auslenkungen sind dabei auf bestimmte Werte beschränkt.
Zur Verringerung der Energie bestrahlten Winelands Forschergruppe am NIST die Teilchen mit Laserlicht. Läuft ein Atom einem Laserstrahl entgegen, kann es Photonen aufnehmen. Deren Impuls wird auf das Atom übertragen und bremst es in entgegengesetzter Richtung ab. Beim Übergang vom angeregten Zustand in den Grundzustand sendet das Atom Photonen in alle Raumrichtungen aus. Nur ein sehr kleiner Anteil wird in die Richtung ausgesandt, aus der die bremsenden Photonen kamen. So verliert das Atom Energie in der Richtung des Laserstrahls, dem es entgegenläuft.
Elektrostatisches Pendant
Eine Weiterentwicklung ist das elektrostatische Pendant der Paul-Falle. Damit die Falleneigenschaften erhalten bleiben, muss sich das Teilchen dabei mit einer Geschwindigkeit bewegen. Die Elektroden, die in der Paul-Falle durch Wechselfelder rücktreiben, werden periodisch segmentiert. Es entstehen Elektrodenreihen mit abwechselnd negativer und positiver Spannung.
Aufgrund seiner Eigengeschwindigkeit erfährt das Teilchen eine periodische Rückstellkraft. Diese schließt es in den beiden Raumrichtungen ein, die orthogonal zur Ausbreitungsrichtung liegen. Diese Bauform heißt Auto-Ponderomotorischer (APE) Guide und kann als Diskretisierung der Paul-Falle verstanden werden.