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Palouse

Die Palouse ist eines der wichtigsten weizenproduzierenden Gebiete der USA. Etwa 250 Kilometer nördlich des Oregon Trail gelegen, erfuhr die Region gegen Ende …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Lage und Bedeutung
  2. 2. Abgrenzung und Siedlungsgeschichte
  3. 3. Landschaft und Böden
  4. 4. Landwirtschaft und Mechanisierung
  5. 5. Umweltveränderungen
  6. 6. Brände und Besonderheiten

Lage und Bedeutung

Die Palouse ist eine Region im Nordwesten der Vereinigten Staaten. Sie umfasst Teile des östlichen Washington, des nördlichen Zentral-Idaho und in manchen Definitionen auch das nordöstliche Oregon. Sie ist eines der wichtigsten Weizenanbaugebiete der USA und außerdem das wichtigste Anbaugebiet für Linsen in den USA.

Die Region liegt etwa 250 Kilometer nördlich des Oregon Trail. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wuchs sie stark; zeitweise übertraf ihre Bevölkerung sogar die der Gegend um den Puget Sound, also um Seattle. Bekannt ist die Palouse vor allem für ihre fruchtbaren, welligen Hügel, ihre Lößböden und ihre starke landwirtschaftliche Prägung.

Abgrenzung und Siedlungsgeschichte

Die genaue Abgrenzung der Palouse ist nicht einheitlich. Traditionell meint der Name das Gebiet der fruchtbaren Hügel und Prärien nördlich des Snake River, nördlich des Clearwater River, entlang der Grenze von Washington und Idaho und südlich von Spokane, mit dem Palouse River als wichtigem Bezugspunkt. Die Gemeinde Palouse in Washington liegt im Whitman County, etwa 11 Kilometer westlich von Potlatch in Idaho.

Manche Definitionen fassen die Region weiter und beziehen die gesamte Weizenanbauregion ein, darunter Walla Walla County, die Camas Prairie in Idaho, das Big-Bend-Gebiet im zentralen Columbia River Plateau sowie kleinere landwirtschaftliche Gebiete im Asotin County und Umatilla County. Auch der World Wide Fund for Nature verwendet eine weite Definition der Palouse-Grasländer.

Die landwirtschaftliche Erschließung begann im Zusammenhang mit dem Walla Walla Country südlich des Snake River. Dort wurde in den 1860er Jahren gezeigt, dass Trockenfeldbau mit Weizen möglich war. In den 1870er Jahren wurde Walla Walla rasch in Ackerland umgewandelt. In der Palouse, die zuvor vor allem für Rinder- und Schafhaltung genutzt wurde, begannen zur gleichen Zeit erste Versuche mit Ackerbau. Als diese erfolgreich waren, zogen in den 1880er Jahren viele Farmer in die Region. Die Northern Pacific Railway erschloss die Palouse ebenfalls in den 1880er Jahren und beschleunigte das Wachstum. Um 1890 war fast alles freie Land der Palouse für den Weizenanbau erschlossen.

Anders als Walla Walla mit einem klaren Zentrum entwickelte die Palouse mehrere nahe beieinanderliegende Zentren: Colfax, Palouse, Pullman und Moscow. Dazu kamen mindestens zehn kleinere Unterzentren. In weiteren Definitionen werden auch Randstädte wie Lewiston, Ritzville und besonders Spokane einbezogen. Spokane wurde als Hauptstadt des Inland Empire bekannt, einer Wirtschaftsregion mit Weizenanbau, Bergbau und Holzwirtschaft. Ab 1910 bezeichneten sich viele Bewohner eher als Einwohner des Inland Empire, des Weizengürtels, des Columbia-Beckens oder einzelner Bundesstaatsregionen; ältere Namen wie Palouse blieben aber gebräuchlich.

Landschaft und Böden

Die Landschaft der Palouse wird durch auffällige Schluff-Dünen geprägt. Schluff ist ein feinkörniges Lockermaterial; die Hügel bestehen aus Löß, also vom Wind abgelagertem feinem Sediment. Diese Formen entstanden während der letzten Eiszeit. Das Material wurde von glazialen Sander-Ebenen im Westen und Süden herangeweht.

Die Palouse-Hügel bilden keine regelmäßigen Ketten, sondern eher zufällige Buckel und Senken. Die steilsten Hänge sind nach Nordosten ausgerichtet und erreichen bis zu 45°. Die sehr fruchtbaren Lößböden sind zwischen 5 und 130 Zentimeter tief. Flachere Gebiete liegen oft offen, während höher gelegene Bereiche wie die Palouse Range häufig dichten Nadelwald tragen.

Landwirtschaft und Mechanisierung

Die frühe Landwirtschaft in der Palouse war sehr arbeitsintensiv. Sie beruhte stark auf menschlicher Arbeit sowie auf Pferden und Maultieren. Ein organisiertes Ernte- und Dreschteam in den 1920er Jahren bestand aus 120 Männern und 320 Pferden und Maultieren. Wenn der Weizen reif war, zogen solche Gruppen von Farm zu Farm.

Obwohl der Mähdrescher Anfang des 20. Jahrhunderts bereits erfunden war, konnte er in der Palouse zunächst nur begrenzt genutzt werden. Auf ebenem Boden brauchte eine solche Maschine 40 Pferde und sechs Männer zur Bedienung; auf den steilen Hügeln war das besonders schwierig. Deshalb blieb die Palouse bei der Nutzung von Mähdreschern zunächst hinter anderen Agrarregionen der USA zurück. Erst ein kleinerer Mähdrescher der Idaho Harvester Company in Moscow machte den Einsatz besser möglich. Um 1930 wurden schließlich 90 % des Weizens der Palouse mit dem Mähdrescher geerntet.

Auch Traktoren setzten sich nur langsam durch. Die ersten dampf- und benzingetriebenen Modelle waren zu schwer und unbeweglich für die steilen Hügel. Selbst die leichteren Modelle der 1920er Jahre wurden wenig genutzt. Um 1930 verwendeten nur 20 % der Farmer in der Palouse Traktoren. Nach dem Zweiten Weltkrieg stieg der landwirtschaftliche Ertrag durch den Einsatz von Düngemitteln um das Zwei- bis Vierfache.

Umweltveränderungen

Die Palouse war ursprünglich eine ausgedehnte Prärie aus mittelhohen, mehrjährigen Gräsern, darunter Blaubüschel-Weizengras (Agropyron spicatum) und Idaho-Schwingel (Festuca idahoensis). Heute wird sie fast vollständig landwirtschaftlich genutzt. Von der ursprünglichen Prärie ist nur noch etwas mehr als ein Prozent erhalten; sie gehört damit zu den am stärksten bedrohten Ökosystemen der Vereinigten Staaten.

Die Besiedlung und die Umwandlung in Ackerland verdrängten einen großen Teil der ursprünglichen Tierwelt. Viele Säugetier- und Vogelarten, die früher zahlreich waren, sind nur noch in kleinen Restbeständen vorhanden. Intensive Landwirtschaft lässt oft kaum Zwischenräume für Pflanzen und Tiere, weil Felder bis an Straßenränder genutzt werden. Viele frühere zeitweise wasserführende Bäche wurden überpflügt. Ganzjährige Gewässer verloren häufig ihre Feuchtwiesen; einige führen nur noch jahreszeitlich Wasser oder haben sich tief eingeschnitten.

Auwälder, also Wälder entlang von Flüssen und Bächen, sind besonders wichtige Bruträume für viele Vogelarten. Wenn Bäume und Gebüsche an Flusskorridoren verschwinden, sinken Zahl und Vielfalt der Vögel. In der Palouse-Ökoregion ist der größte Teil der an Auwälder gebundenen Vogelarten verschwunden. Eine Untersuchung von Professor J. Ratti von der University of Idaho zeigte zugleich, dass auf einem etwa 40 Quadratkilometer großen Gebiet, das von Ackerland in vorstädtische Wohnbebauung umgewandelt wurde, die Zahl der Vogelarten in 10 Jahren von 18 auf 86 stieg.

Die intensive Landwirtschaft veränderte auch den Wasserhaushalt. Begradigte Abflusswege führen zu kurzfristigen Hochwassern mit größeren Wassermengen, verstärken Erosion und begünstigen das Trockenfallen ganzjähriger Gewässer. Schon in den 1930er Jahren beobachteten Bodenwissenschaftler eine deutliche Zunahme der Tiefenerosion und breitere Flussbetten. Durch das Einschneiden der Bäche und Flüsse sank der Grundwasserspiegel in angrenzenden Feuchtwiesen. Am südlichen Palouse River wurde dadurch um 1900 Landwirtschaft auf Flächen möglich, die zuvor zu nass gewesen waren. Weil Ackerpflanzen die ganzjährigen Gräser verdrängten, versickert weniger Wasser, und mehr Niederschlag fließt oberflächlich ab. Dadurch sind manche früher ganzjährige Bäche heute im Sommer trocken, mit Folgen für Amphibien und wasserbewohnende Lebewesen.

Seit 1900 wurden 94 % des Graslands und 97 % der Feuchtgebiete der Palouse-Ökoregion in Ackerland, Flächen zur Futtergewinnung oder Weideland umgewandelt. Etwa 63 % des Waldes von 1900 bestehen noch heute, 7 % sind Wiederaufforstungsflächen oder Gebüsch. Der Rest wurde in Landwirtschafts- oder Stadtgebiet umgewandelt. In Canyon-Gebieten um Snake River und Clearwater River blieb Weidewirtschaft länger bestehen, weil die Böden dünner, die Hänge steiler und das Klima heißer und trockener waren. Dort veränderte sich die Vegetation deutlich: Ursprüngliche Gräser wurden durch Trespen und Schadkräuter wie Flockenblumen ersetzt, die im späten 19. Jahrhundert aus Eurasien in die USA eingeführt wurden.

Brände und Besonderheiten

Über die frühere Häufigkeit von Bränden in der Palouse-Prärie wird diskutiert. Einigkeit besteht aber darin, dass Feuersbrünste heute seltener sind als früher. Gründe sind Feuerwehren, Straßen als Feuerschneisen und die Umwandlung von Gras- und Waldflächen in Ackerland. Historiker berichten von Buschfeuern in Kiefernstreifen am Rand der Prärie, die im späten Herbst durch Blitzeinschlag entstanden. Wie weit solche Feuer auf die Prärie übergriffen, ist nicht bekannt.

Die Annahme, dass die Nez Percé die Prärie absichtlich in Brand steckten, um das Wachstum von Camassia zu fördern, ist mangels historischer Quellen nicht bewiesen. Weiße Siedler nutzten bis in die 1930er Jahre Brandrodung, um Land für Besiedlung und Weideland vorzubereiten. Seitdem sind Waldbrände deutlich seltener geworden. Dadurch nahm die Baumdichte in Wäldern zu, und Gebüsche sowie Bäume breiteten sich in früher offene Gebiete aus. Wenn heute Waldbrände auftreten, können sie sich zu Flächenbränden entwickeln und größere Schäden bis zur Vernichtung des Bestands verursachen.

Zu den besonderen Merkmalen der Palouse gehört der Riesenregenwurm Driloleirus americanus aus der Familie der Megascolecidae. Er ist fast einen Meter lang, weiß und riecht nach Lilien. Außerdem wurde in dieser Gegend von den Nez Percé die Pferderasse Appaloosa gezüchtet. Weiße Siedler nannten sie zunächst Palouse horse; daraus entwickelte sich später der Name Appaloosa.

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