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Ottobrunn

Temperatur (°C), −1,8, −0,5, 3,2, 7,3, 12,0, 15,3, 17,3, 16,7, 13,5, 8,4, 3 ... In Ottobrunn gibt es drei Grundschulen: die Grundschule an der Friedenstraße ( …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Raum
  2. 2. Entstehung und historische Entwicklung
  3. 3. Bevölkerung, Politik und Zusammenleben
  4. 4. Kultur, Sport und Natur
  5. 5. Wirtschaft, Wohnen und Verkehr
  6. 6. Bildung, Betreuung und öffentliche Dienste

Überblick und Raum

Ottobrunn ist eine Gemeinde im oberbayerischen Landkreis München, südöstlich der Landeshauptstadt. Am 31. Dezember 2025 hatte sie 22.729 Einwohner. Auf nur 5,23 km² leben damit 4346 Einwohner je km². Ottobrunn besitzt das kleinste Gemeindegebiet im Landkreis München und gehört zu den am dichtesten besiedelten Gemeinden Deutschlands.

Die Ortsmitte liegt in Luftlinie etwa 10,5 Kilometer vom Münchner Marienplatz entfernt; bis zur Münchner Stadtgrenze sind es an der kürzesten Stelle rund 535 Meter. Nachbargemeinden sind Neubiberg, Putzbrunn, Hohenbrunn, Taufkirchen und Unterhaching. Die Grenzen verlaufen teilweise mitten durch dicht bebaute Gebiete. Ottobrunn teilt die Postleitzahl 85521 mit Riemerling; seine Grundstücke gehören trotz der politischen Selbstständigkeit weiterhin zur Gemarkung Unterhaching.

85,6 Prozent der Gemeindefläche waren Ende 2013 Siedlungs- oder Verkehrsfläche. Wegen der nahezu vollständigen Bebauung kann die Gemeinde keine neuen Baugebiete mehr ausweisen. Landwirtschaftliche Flächen sind kaum noch vorhanden. Der größte Wald ist der mit Neubiberg geteilte Bahnhofswald, der in Ottobrunn Amalienwald heißt.

Ottobrunn liegt auf der Münchner Schotterebene und besitzt weder Flüsse noch Bäche. Das Gelände fällt leicht von Süden nach Norden ab. Die amtliche Höhe beträgt 555 m ü. NHN; der natürliche Tiefpunkt liegt bei 546 Metern. Der höchste Punkt ist der 565 Meter hohe, 1971 künstlich aufgeschüttete Rodelhügel Bölkowberg. Unter der Gemeinde liegt eine mächtige, poröse Kiesschicht; das Grundwasser befindet sich etwa 15 Meter tief. Heißwasservorkommen von 130 °C in drei Kilometern Tiefe wären für Geothermie geeignet, doch stehen der Gemeinde keine Bohrrechte mehr zur Verfügung.

Das Klima ist wechselhaft und relativ niederschlagsreich, zugleich aber vergleichsweise sonnig. Für die Normalperiode 1961 bis 1990 wurden im Jahresmittel etwa 7,8 °C, 1052,5 Millimeter Niederschlag und 1709,1 Sonnenstunden errechnet. Diese Werte sind nur Anhaltspunkte, weil der Deutsche Wetterdienst in Ottobrunn selbst nie eine Messstation betrieb.

Entstehung und historische Entwicklung

Das heutige Gemeindegebiet war ursprünglich Teil des Höhenkirchener Forstes und wurde erst um 1800 Unterhachinger Bauern zugeteilt. Am 6. Dezember 1832 verabschiedete sich der 17-jährige Prinz Otto von Wittelsbach an der Straße München–Rosenheim von seinem Vater, bevor er als künftiger König nach Griechenland reiste. Zur Erinnerung wurde 1834 die Ottosäule enthüllt, heute Wahrzeichen und Mittelpunkt des Gemeindewappens.

Die eigentliche Siedlung entstand ab 1902, als Clemens Schöps das Ausflugslokal Waldschlößchen errichtete. Nach der Verlängerung der Bahnstrecke durch den Wald bauten immer mehr Münchner dort Wochenend- und Landhäuser. Mehrere Waldkolonien wuchsen allmählich zusammen. 1913 wurde der Name Ottobrunn vorgeschlagen, 1921 amtlich genehmigt. Stromanschluss, Feuerwehr, Wasserwerk, Notkirche, Waldschule und Bahnhaltepunkt folgten in den Jahren bis 1926.

Während der NS-Zeit entstanden der benachbarte Fliegerhorst und ab 1940 die Luftfahrtforschungsanstalt München. Für deren Bau mussten 1944 in einem Außenlager des Konzentrationslagers Dachau 350 bis 600, zeitweise bis zu 900 Gefangene unter unmenschlichen Bedingungen Zwangsarbeit leisten. Das Forschungsprojekt blieb unvollendet. Zugleich stieg die Einwohnerzahl durch aus München Geflüchtete; nach 1945 kamen viele Flüchtlinge und Heimatvertriebene hinzu.

Am 1. April 1955 wurde Ottobrunn von Unterhaching getrennt und selbstständige Gemeinde. Damit erreichte die erst 53 Jahre alte Siedlung ihre politische Selbstständigkeit allein durch organisches Wachstum, also ohne Zusammenschluss älterer Orte.

1958 verlegte Ludwig Bölkow seine Bölkow-Entwicklungen KG mit 223 Mitarbeitern auf das frühere Forschungsgelände. Daraus entwickelte sich über mehrere Unternehmensstufen der Luft-, Raumfahrt- und Rüstungskonzern Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB). Am Standort arbeiteten 1977 etwa 6500 und Ende der 1980er Jahre rund 10.000 Menschen. Die benachbarte IABG wurde 1961 gegründet. Ottobrunn galt dadurch jahrzehntelang als führender europäischer Hochtechnologie-Standort. Das starke Wachstum führte zu neuen Wohnsiedlungen, Hochhäusern, Gewerbegebieten und Sportanlagen. In den 1980er Jahren entstanden eine geplante Ortsmitte mit Rathaus, Fußgängerzone und Wolf-Ferrari-Haus.

Nach dem Ende des Kalten Krieges verursachten gestrichene Rüstungsaufträge und die Verlagerung von Entwicklungsprojekten eine schwere Strukturkrise. Eine führende Rolle blieb vor allem in der Raumfahrtentwicklung erhalten. Seit 2013 entsteht auf Taufkirchener Gebiet der Ludwig Bölkow Campus mit einer großen Fakultät für Luft-, Raumfahrt und Sicherheit. Gemeinsam mit Airbus Defence and Space könnte er auch den Ottobrunner Teil des Technologie- und Innovationsparks wiederbeleben.

Bevölkerung, Politik und Zusammenleben

Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Einwohnerzahl von 18.739 auf 21.542, also um 2803 beziehungsweise 15 Prozent. Ende 2022 waren es 22.430 Einwohner. Der Frauenanteil und der Anteil der mindestens 65-Jährigen lagen nach den angegebenen Vergleichsdaten über dem Durchschnitt des Landkreises.

Der Gemeinderat umfasst neben dem Ersten Bürgermeister 30 Mitglieder. Für die Wahlperiode 2026 bis 2032 entfallen 11 Sitze auf die CSU, 7 auf die SPD, 6 auf die Grünen, je 2 auf AfD und Bürgervereinigung Ottobrunn sowie je 1 auf FDP und Die Linke. Die Wahlbeteiligung am 8. März 2026 betrug 61,5 Prozent. Seit dem 1. Mai 2026 ist Florian Schardt (SPD) Erster Bürgermeister. Die 1962 gegründete Bürgervereinigung Ottobrunn ist eine parteiunabhängige örtliche Wählergruppe, die ursprünglich gegen eine starke Veränderung des Ortsbildes entstand.

Das Gemeindewappen zeigt in Blau die silberne Ottosäule mit einem Löwen auf dem Sockel und je einer bewurzelten silbernen Tanne auf beiden Seiten. Säule und Löwe verweisen auf König Otto und das Haus Wittelsbach, die Tannen auf die Entstehung als Wald- und Rodungssiedlung. Ottobrunn unterhält Partnerschaften mit Margreid in Südtirol, Nauplia in Griechenland und Mandelieu-La Napoule in Frankreich.

Religiös prägen drei katholische Pfarreien – St. Otto, St. Magdalena und St. Albertus Magnus – sowie die evangelisch-lutherische Michaelskirche das Gemeindeleben. Hinzu kommen die Neuapostolische Kirche, eine Freie evangelische Gemeinde und die Siebenten-Tags-Adventisten. Seit 1999 feiern die katholischen und evangelischen Gemeinden jährlich einen ökumenischen Gottesdienst.

Kultur, Sport und Natur

Zentrales Kultur- und Veranstaltungsgebäude ist das Wolf-Ferrari-Haus mit Fest- und Ratssaal, Kino, Gemeindebibliothek, Volkshochschulräumen und weiteren Einrichtungen. Das Otto-König-von-Griechenland-Museum behandelt die Ursprünge Ottobrunns sowie das Wirken seines Namenspatrons in Griechenland. Seine Sammlung umfasst mehr als 200 Objekte zu Philhellenismus, griechischem Freiheitskampf und Griechenland unter König Otto. Der Kunstverein betreibt die Galerie Treffpunkt Kunst und einen Skulpturengarten. Konzerte finden besonders im Wolf-Ferrari-Haus und in den Kirchen statt; zahlreiche Chöre und Ensembles tragen zum Musikleben bei.

Zu den regelmäßigen Veranstaltungen zählen das Ottostraßenfest, das Sommerfeuer auf der Maderwiese, Kunst- und Kunsthandwerksausstellungen, Flohmärkte, Theater- und Kabarettabende sowie der Ottobrunner Kulturstammtisch. Das Südtiroler Weinfest gehört mit etwa 1000 Gästen zu den Höhepunkten des Gemeindelebens.

Der Sportpark am Haidgraben ist das wichtigste Sportzentrum. Zu ihm gehören das 1999 eröffnete Phönix-Bad mit Hallen- und Freibad, Sauna und Wellnessbereich, ein Fußball- und Leichtathletikstadion, die Ferdinand-Leiß-Halle, das einzige Freiluft-Eislaufstadion des Landkreises, Tennis- und Trainingsplätze, Basketball- und Beachvolleyballanlagen sowie der Bölkowberg. Das Phönix-Bad zieht jährlich rund 400.000 Besucher an. Größter Verein ist der 1949 gegründete TSV Ottobrunn mit knapp 3000 Mitgliedern und zehn Abteilungen. Weitere Vereine widmen sich unter anderem Fußball, Schwimmen, Eis- und Rollsport, Tanz, Behindertensport, Volleyball, Skibob und Schießsport.

Wichtige Denkmäler sind die Ottosäule von 1834, das Waldschlößchen von 1902, die Gedenkstätte für das KZ-Außenlager, das Friedrich-Ebert-Denkmal und der Gedenkstein für die Opfer des Zweiten Weltkriegs. Historische Gebäude sind wegen der jungen Siedlungsgeschichte selten.

Nur 6,8 Prozent der Gemeindefläche waren Ende 2013 bewaldet. Der 23 Hektar große Bahnhofswald ist seit 1976 Landschaftsschutzgebiet. Grünanlagen nehmen 2,3 Prozent ein; dazu gehören mehrere Wiesen, der Park am Ranhazweg und der 10,3 Hektar große Parkfriedhof. Der Landschaftspflegeverband München-Land legt Biotope, Teiche, Streuobstwiesen und Hecken an. Ein wichtiges Projekt ist ein 1,2 Hektar großes Biotop mit neun Laichtümpeln für die in Bayern vom Aussterben bedrohte Wechselkröte.

Wirtschaft, Wohnen und Verkehr

Am westlichen Ortsrand liegen die Gewerbegebiete Nord und Mitte sowie der überwiegend auf Taufkirchener Gebiet befindliche Technologie- und Innovationspark. Im Gewerbegebiet Nord ist TE Connectivity mit rund 600 Mitarbeitern der größte Arbeitgeber Ottobrunns. Das Gewerbegebiet Mitte enthält unter anderem das Einkaufszentrum Isar Center, Einzelhandelsbetriebe und Technologiefirmen. Der Technologie- und Innovationspark ging aus den Werksgeländen von MBB und IABG hervor; dort befinden sich unter anderem Airbus Defence and Space, die IABG und der Ludwig-Bölkow-Campus.

2013 gab es 8760 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. 42,9 Prozent arbeiteten im produzierenden Gewerbe, 16,4 Prozent in Handel, Verkehr und Gastgewerbe und 40,7 Prozent in sonstigen Dienstleistungen. Die Kaufkraft lag nach Daten von 2007 deutlich über dem deutschen Durchschnitt, während die Verkaufsfläche je Einwohner mit 1,29 m² unter den Vergleichswerten Deutschlands und ähnlich großer bayerischer Orte lag.

Das Straßennetz ist rund 52 Kilometer lang. Wichtigste Achse ist die Alte Landstraße/Rosenheimer Landstraße. Drei Autobahnanschlüsse verbinden Ottobrunn mit der A 8 und A 99. Seit 1972 wird die Gemeinde von der Münchner S-Bahn bedient. Die S5 fährt täglich im 20-Minuten-Takt; laut Fahrplan dauert die Fahrt zum Ostbahnhof 14, zum Hauptbahnhof 26 und zum Flughafen 68 Minuten. Neun Regionalbuslinien ergänzen das Angebot. Eine Verlängerung der Münchner U-Bahn-Linie U5 über Neubiberg und Ottobrunn zum Ludwig-Bölkow-Campus wird geprüft.

Ende 2013 bestanden 4207 Wohngebäude mit 10.059 Wohnungen. Die durchschnittliche Wohnfläche betrug 45 m² je Einwohner, die durchschnittliche Belegung 2,07 Personen pro Wohnung.

Bildung, Betreuung und öffentliche Dienste

Ottobrunn besitzt drei Grundschulen und ein Gymnasium. Im Schuljahr 2013/14 besuchten 857 Kinder die Grundschulen und 1190 Jugendliche das Gymnasium. Dieses bietet einen naturwissenschaftlich-technologischen und einen sprachlichen Zweig und fördert seit den frühen 2000er Jahren das durchgängige Lernen mit Informationstechnologien. Zur weiteren Bildung gehören die Volkshochschule SüdOst, die Rosmarie-Theobald-Musikschule und die Ballettschule.

15 Kindertageseinrichtungen betreuten am 1. März 2014 insgesamt 925 Kinder. Für Jugendliche bestehen das seit 1977 betriebene Jugendzentrum Einstein, Mobile Jugendarbeit, Jugendsozialarbeit an den Schulen, das Jugendcafé Kleist 30 sowie Angebote von Pfadfinder- und Kirchengruppen.

Für ältere Menschen gibt es drei stationäre Einrichtungen mit zusammen 395 Plätzen sowie ambulante Hilfen. Das Haus der Senioren bietet seit 1984 Freizeit-, Informations- und Bildungsangebote. Ergänzt wird die Versorgung durch Tagespflege, zwei Demenzwohngemeinschaften und den Hospizkreis Ottobrunn, dessen ehrenamtliche Begleiter Schwerkranke, Sterbende und Angehörige kostenlos unterstützen.

Die Gemeindebibliothek im Wolf-Ferrari-Haus verfügt über rund 50.000 Medien und bietet seit Oktober 2012 auch digitale Ausleihe an. Die Freiwillige Feuerwehr hatte Ende 2022 155 Einsatzkräfte und 35 Mitglieder der Jugendfeuerwehr. Sie bewältigt jährlich etwa 700 bis 900 Einsätze, ungefähr zur Hälfte als First Responder, also als medizinische Ersthelfer.

Seit dem 1. Juli 2025 erhält das gesamte Ortsgebiet sein Trinkwasser von der gemeinschaftlichen Wasserversorgung Hohenbrunn. Ottobrunn ist außerdem Sitz zweier Zweckverbände: Der Zweckverband München-Südost übernimmt Aufgaben der Abwasser- und Abfallwirtschaft, der Schulzweckverband trägt mehrere weiterführende Schulen im südöstlichen Landkreis. Die Luitpold und Ludwig Rothenanger-Stiftung unterstützt Bedürftige in Ottobrunn, Hohenbrunn und angrenzenden Gemeinden; von 2000 bis 2014 half sie mehr als 2700 Menschen mit insgesamt über 2 Millionen Euro.

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