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Obertonflöte

Eine Obertonflöte ist eine Flöte ohne Grifflöcher, bei der durch unterschiedlichen Blasdruck Töne der Naturtonreihe entstehen. Der Musiker produziert durch …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Grundprinzip
  2. 2. Verbreitung und heutige Nutzung
  3. 3. Bauformen und Herstellung
  4. 4. Anblasen und Spielen

Grundprinzip

Eine Obertonflöte ist eine Flöte ohne Grifflöcher. Ihre Töne entstehen durch unterschiedlichen Blasdruck: Beim Überblasen erzeugt der Musiker über einem Grundton mehrere Obertöne der Naturtonreihe. Ist das untere Ende offen, entsteht eine Obertonreihe; wird es mit einem Finger verschlossen, entstehen ein weiterer Grundton und dessen Obertöne. So stehen zwei ineinandergreifende Obertonleitern für Melodien zur Verfügung.

Nach der Tonerzeugung unterscheidet man endgeblasene Längsflöten, Kernspaltflöten und Querflöten. Grifflochlose Flöten, die nur einen Ton hervorbringen, heißen Eintonflöten.

Verbreitung und heutige Nutzung

Lange Rohre werden in Südamerika als Blasrohre zum Jagen, für Zeremonien und zum Musizieren verwendet. Die einfache Obertonflöte aus einem oben schräg abgeschnittenen Pflanzenstängel wird schräg über den Rand angeblasen und war beziehungsweise ist weltweit bekannt.

In Europa waren Pflanzenstängel-Flöten besonders bei Kindern verbreitet. Aufwendigere Holzflöten, oft mit Kernspalte wie bei einer Blockflöte, spielten und fertigten vor allem Hirten. In Westeuropa verschwand die Obertonflöte mit dem Wandel von Kultur und Lebensweise weitgehend aus der traditionellen Musik. Einzelne Formen gibt es noch in Osteuropa: tilincă in Rumänien, tilinkó in Ungarn und koncovka in der Slowakei. In Norwegen gibt es die seljefløyte aus Weidenrinde, in Uganda die kurzlebige ludaya aus Pflanzenstängel.

Bei der äthiopischen embilta aus Bambus oder Metall wird die Oktave über dem Grundton gespielt; durch Überblasen können außerdem Quinte und Quarte darüber entstehen. Im Westen wird die Obertonflöte heute wieder in meditativer Musik sowie in Rockmusik und elektronischer Musik verwendet.

Bauformen und Herstellung

Grifflochlose Obertonflöten gibt es in vielen Typen. Zu ihnen gehören Endkantenflöten aus Pflanzenstängeln oder Metall sowie Aufschnittkantenflöten. Letztere können einen Zungenspalt oder einen Kernspalt besitzen. Kernspaltflöten gibt es mit geradem Anblasende, mit Außenkern oder mit schnabelartigem Mundstück.

Die einfachste Bauform ist die Pflanzenstängelflöte: Ein hohler Stängel von etwa 250–500 mm Länge und 8–11 mm Durchmesser wird am Anblasende in einem Winkel von etwa 60° schräg angeschnitten. Sie kann auch aus Weidenrinde, Plastik oder Metall bestehen.

Ellen-, Unter- und Goralenflöten aus Osteuropa ähneln im Prinzip einer Blockflöte. Meist wird Holunder-, Ahorn- oder Haselholz gespalten und ausgehöhlt oder mit einem verlängerten Schlangenbohrer ausgebohrt. Das Rohr ist 300–1000 mm lang und hat 10–18 mm Durchmesser. Anschließend werden Labium, Kernspalte und Luftkanal eingeschnitzt und ein Kern aus Hartriegel oder Hasel eingesetzt. Die Kernspalte leitet die Luft auf das Labium, die Anblaskante, an der der Ton entsteht. Die Herstellung erfordert Übung sowie genaue Kenntnis der Winkel von Luftkanal und Labium.

Anblasen und Spielen

Die Spieltechnik richtet sich nach der Bauform. Endkantenflöten aus Pflanzenstängeln werden ähnlich der arabischen ney am Anblasende in einem Winkel von etwa 40° angeblasen. Anblaswinkel und Luftstrahl lassen sich mit Lippen und Zunge verändern. Dadurch entsteht ein breites Klangspektrum, doch der Grundton ist meist nicht spielbar; auch hohe Obertöne fehlen häufig. Die verfügbare Materialleiter, also der Tonvorrat, ist daher vergleichsweise klein.

Bei Flöten mit Luftkanal wird der Luftstrahl sauber auf die Spalte geleitet. Deshalb braucht man wenig Übung; Grundton und bei guter Bauweise auch hohe Obertöne sind gut spielbar. Die Flöte kann etwa zwischen Daumen und Mittelfinger gehalten werden, während der Zeigefinger das Endloch schließt.

Für gedackte Töne muss das untere Loch vollständig geschlossen sein. Langsames Schließen ermöglicht gezogene Töne. Bei leichtem Blasen erklingt ein tiefer Ton, bei stärkerem Blasen der nächsthöhere Ton der Obertonleiter. Sehr hohe Obertöne benötigen viel Luftdruck; dieser kann aufgebaut werden, indem die Zunge am Gaumen liegt und ein „t“-Laut erzeugt wird. Das Verschließen des unteren Endes liefert die zweite Obertonleiter.

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