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Nomenklatur der monoklonalen Antikörper

Ein Antikörper ist ein Protein, welches in B-Zellen produziert und vom menschlichen Immunsystem sowie anderer Wirbeltiere verwendet wird, um spezifische fremde …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Aufbau
  2. 2. Präfix und Wirkungsbereich
  3. 3. Herkunftsspezies
  4. 4. Suffixe und Namenszusätze
  5. 5. Beispiele und Entwicklung

Grundidee und Aufbau

Die Nomenklatur für monoklonale Antikörper ist eine Konvention zur Bildung generischer beziehungsweise nicht-proprietärer Wirkstoffnamen. Antikörper sind Proteine, die in B-Zellen entstehen und dem Immunsystem von Menschen und anderen Wirbeltieren helfen, fremde Strukturen wie Bakterien oder Viren zu erkennen. Monoklonale Antikörper werden in identischen, oft künstlich erzeugten Zellen hergestellt und richten sich gegen ein einzelnes Epitop, also einen bestimmten Abschnitt eines Zielmoleküls. Sie werden vor allem medizinisch vielfältig eingesetzt.

Die Namensregeln gelten sowohl für die International Nonproprietary Names (INN) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als auch für die United States Adopted Names (USAN). Ein Name besteht grundsätzlich aus Präfix, Infix und Suffix. Die Wortbestandteile geben teilweise den Wirkungsbereich, die Herkunft und die technische Form des Antikörpers an. Bis 2017 bestand das Infix aus zwei Wortstämmen; der zweite Wortstamm zur Herkunftsspezies wurde danach nicht mehr neu verwendet.

Präfix und Wirkungsbereich

Das Präfix besitzt keine fachliche Bedeutung. Es soll den Wirkstoff eindeutig kennzeichnen und zu einem wohlklingenden Namen beitragen. Antikörper mit demselben Zielbereich und derselben Herkunft können sich deshalb nur durch das Präfix unterscheiden. Adalimumab und Golimumab sind beispielsweise beide TNF-Blocker, unterscheiden sich aber in ihrer chemischen Struktur.

Die Silbe nach dem Präfix beschreibt den Wirkungsbereich und bildet den ersten Wortstamm des Infixes. Sie kann sich auf Organsysteme, Tumoren oder Krankheitserreger beziehen. Beispiele sind:

  • -ci- beziehungsweise früher -ci(r)- für den kardiovaskulären Bereich,
  • -li- beziehungsweise -li(m)- für das Immunsystem,
  • -ne- beziehungsweise -ne(u)(r)- für das Nervensystem,
  • -ba- beziehungsweise -ba(c)- für Bakterien,
  • -vi- beziehungsweise -vi(r)- für Viren,
  • -toxa- für Toxine,
  • -tu- beziehungsweise früher verschiedene Tumorstämme für Tumoren.

Aus dem Wirkungsbereich lässt sich nicht ableiten, wie der Antikörper im Körper wirkt. Therapeutische, prophylaktische und diagnostische Antikörper werden dadurch nicht unterschieden. Die ursprünglichen Wortstämme wurden meist aus Konsonant-Vokal-Konsonant-Folgen gebildet; zur leichteren Aussprache konnte der letzte Konsonant entfallen. 2009 wurden kürzere Formen eingeführt. Für humane Antikörper gegen das Immunsystem gilt beispielsweise -lumab statt des älteren -limumab. Die frühere Nomenklatur besaß sieben Tumorstämme, doch seit der Überarbeitung wird wegen häufig mehrerer Tumorziele nur -tu- verwendet.

Herkunftsspezies

Bis 2017 zeigte ein weiterer Wortstamm vor -mab, auf welcher Spezies die Aminosäuresequenz beruhte. Häufig verwendet wurden -o- für Maus, -u- für Mensch, -zu- für humanisiert und -xi- für chimär. -e- für Hamster und -i- für Primaten wurden dagegen praktisch nie verwendet.

Nicht-menschliche Antikörper können vom menschlichen Immunsystem als fremd erkannt, schnell abgebaut und Überempfindlichkeitsreaktionen auslösen. Bei chimären Antikörpern wird deshalb die konstante Region durch die humane Form ersetzt; sie tragen -xi-. Bei humanisierten Antikörpern werden Teile der variablen Region ersetzt; sie tragen -zu-. Meist bleibt nur der Bereich der Complementarity determining regions (CDRs) nicht-menschlich. Diese drei Schleifen an der Spitze jeder variablen Domäne sind für die Bindung an das Ziel entscheidend. Teilweise chimäre und teilweise humanisierte Antikörper tragen -xizu-. Die Silben zeigen jedoch nicht immer die genaue Fremdspezies: Basiliximab und Gomiliximab enden beide auf -ximab, obwohl ihre nicht-menschlichen Anteile von Maus beziehungsweise Makake stammen.

Suffixe und Namenszusätze

Historisch endeten monoklonale Antikörper auf -mab. Bis 2021 wurde dieses Suffix auch für Fragmente mit mindestens einer variablen, antigenbindenden Domäne verwendet. Seit 2022 gelten genauere Endungen:

  • -bart bezeichnet vollständige, monospezifische Immunglobuline mit modifizierten konstanten Regionen (Fc).
  • -ment steht für monospezifische Fragmente mit mindestens einer antigenbindenden variablen Domäne.
  • -mig kennzeichnet bi- oder multispezifische Immunglobuline mit unterschiedlichen variablen Domänen.
  • -tug bezeichnet vollständige, monospezifische und unveränderte Immunglobuline mit identischen CDR-Sätzen.

Zusätze kennzeichnen besondere Verbindungen. Pegylierte Antikörper tragen -pegol, etwa Certolizumab pegol. Bei Antikörper-Wirkstoff-Konjugaten beschreibt ein Zusatz den Wirkstoff und den Linker, zum Beispiel vedotin in Brentuximab vedotin. Radiotherapeutische oder radiodiagnostische Konjugate enthalten ein Radioisotop und einen Chelator-Linker, etwa bei (^111In)Indiumcapromab pendetid und (^90Y)Yttriumibritumomab tiuxetan.

Beispiele und Entwicklung

Olaratumab lässt sich als olara-t-u-mab zerlegen: ein menschlicher Antikörper gegen Tumoren. Benralizumab besteht aus benra-li-zu-mab und bezeichnet einen humanisierten Antikörper gegen das Immunsystem. Adalimumab bedeutet ada-lim-u-mab und steht für einen humanen Antikörper gegen das Immunsystem; nach der Nomenklatur von 2009 wäre der Name adalumab. Abciximab ist ein chimärer Antikörper gegen den kardiovaskulären Bereich. Trastuzumab ist ein humanisierter Antikörper gegen Tumoren, insbesondere im Zusammenhang mit Brustkrebs. Der vor der Standardisierung benannte muromonab-CD3 wurde 1986 zugelassen; sein Name bedeutet „murine monoclonal antibody“, der gegen CD3 gerichtet ist.

Die Antikörperforschung begann mit der Entdeckung neutralisierender Substanzen gegen Diphtherie und Tetanus durch Emil von Behring und Kitasato Shibasaburō im Jahr 1890. Die Hybridom-Technik zur Herstellung monoklonaler Antikörper wurde 1975 von Georges J. F. Köhler und César Milstein veröffentlicht. Die WHO führte 1950 das INN-System ein; -mab wurde um 1990 vorgeschlagen, das heutige System entstand 1991 bis 1993. Nach einer Überarbeitung ab Oktober 2008 wurden 2009 besonders die Wirkungsbereichsstämme angepasst; 2010 erhielten die ersten Antikörper Namen nach dem neuen System.

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