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Niklaus Wirth
Dabei erweiterte er auch die formale Sprache Backus-Naur-Form (BNF), die zur Notation der Syntax von Algol 60 eingesetzt wurde, zur Erweiterten Backus-Naur …
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Überblick und Bedeutung
Niklaus Emil Wirth (15. Februar 1934–1. Januar 2024) war ein Schweizer Informatiker. Er entwickelte mehrere Programmiersprachen und verfasste Lehrbücher, die sich besonders mit Programmierung, Algorithmen, Datenstrukturen und Compilerbau befassten.
Bekannt ist Wirth vor allem als Entwickler der Programmiersprache Pascal. Außerdem entwarf er Euler, PL360, Modula, Modula-2 und Oberon. Seine Sprachen zeichneten sich durch klare Konzepte und Einfachheit aus. Wirth interessierte sich stärker für die theoretischen Grundlagen und die Eignung von Programmiersprachen für die universitäre Lehre als für ihre kommerzielle Nutzung in der Industrie.
Nach Wirth ist das Wirthsche Gesetz benannt. Es besagt, dass sich Software schneller verlangsamt, als sich die Hardware beschleunigt. Gemeint ist, dass neue Software trotz leistungsfähigerer Hardware oft so viel umfangreicher oder komplexer wird, dass die erwartete Geschwindigkeitssteigerung nicht vollständig bei den Nutzern ankommt.
Ausbildung, Forschung und Programmiersprachen
Wirth erwarb 1959 das Diplom als Elektroingenieur an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich und 1960 den Master of Science an der Université Laval in Kanada. 1963 promovierte er mit einem Fulbright-Stipendium an der University of California in Berkeley bei Harry Huskey. Thema seiner Dissertation war die Verallgemeinerung der Programmiersprache Algol 60.
Nach Assistenzprofessuren an der Stanford University und der Universität Zürich wurde Wirth 1968 Professor für Computerwissenschaften an der Eidgenössischen Technischen Hochschule. Dort lehrte und forschte er bis zu seinem Ruhestand 1999. Studienaufenthalte führten ihn 1976 bis 1977 sowie 1984 bis 1985 zum Palo Alto Research Center (PARC) von Xerox.
Ausgehend von seiner Dissertation entwickelte Wirth 1966 gemeinsam mit Helmut Weber in Stanford Euler. Er entwarf außerdem PL360, die 1968 auf dem IBM System/360 implementiert wurde. An der Weiterentwicklung und Verallgemeinerung von Algol war er ebenfalls beteiligt. Zusammen mit Tony Hoare schuf er Algol W und wirkte an Algol 68 mit.
Da ihm die Entwürfe zu Algol 68 zunehmend zu komplex erschienen, definierte und implementierte Wirth von 1968 bis 1972 praktisch im Alleingang Pascal. Bei dieser Arbeit erweiterte er die Backus-Naur-Form (BNF), eine Notation zur Beschreibung der Syntax von Algol 60, zur Erweiterten Backus-Naur-Form (EBNF). Auf Pascal folgten Modula (1973–1976), Modula-2 (1977–1980) und Oberon (1985–1990). Diese Nachfolger erreichten trotz ihrer Einfachheit und klaren Konzepte nicht den Erfolg von Pascal. An der 1983 veröffentlichten DIN-Norm 66256 zur Standardisierung von Pascal war Wirth nicht beteiligt.
Computersysteme und weitere Arbeiten
Nach seinen Aufenthalten im Xerox PARC entwickelte Wirth die Computersysteme Lilith (1980) und Ceres (1986) sowie die dazugehörigen Betriebssysteme. Versuche, diese Workstations kommerziell zu vermarkten, waren trotz teilweise bahnbrechender Eigenschaften wenig erfolgreich.
Wirth griff außerdem sein Jugendhobby Modellflug wieder auf. Unter anderem stattete er mehrere selbstnavigierende Modellhubschrauber mit Bordcomputern aus, die mit Oberon programmiert waren. Von seinem Aufenthalt im Xerox PARC 1980 brachte er als einer der ersten Computermäuse nach Europa mit. Daraus entstand die erste Serienmaus des Schweizer Unternehmens Logitech.
Wirth ging 1999 als Professor der ETH Zürich in den Ruhestand. Er starb am 1. Januar 2024 in Zürich im Alter von 89 Jahren.
Auszeichnungen und Veröffentlichungen
Wirth erhielt zahlreiche Auszeichnungen. 1984 erhielt er als erster und, laut Artikel mit Stand 2024, bisher einziger deutschsprachiger Informatiker den ACM Turing Award. 1988 folgte der Computer Pioneer Award der IEEE Computer Society sowie der Science and Technology Prize von IBM Europe. Weitere Auszeichnungen waren 1995 der Pour le mérite für Wissenschaften und Künste, 1999 der Outstanding Research Award in Software Engineering von ACM Sigsoft und 2002 der Technologiepreis der Eduard-Rhein-Stiftung. 2001 wurde der Asteroid (21655) Niklauswirth nach ihm benannt; 2007 wurde Wirth in die Academia Europaea gewählt. Er war außerdem Mitglied der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften, Acatech. Eine besondere Ehrung ist die Bezeichnung „Niki – der Roboter“ für eine Software zum Erlernen der Programmiersprache Pascal.
Zu Wirths wichtigen Büchern gehören A Generalization of Algol (Dissertation, 1963), Systematisches Programmieren (1972), PASCAL: User Manual and Report (1974, zusammen mit Kathleen Jensen), Algorithmen und Datenstrukturen (1975), Compilerbau (1977), Programming in Modula-2 (1982), Algorithmen und Datenstrukturen mit Modula-2 (1986), Project Oberon (1992), Programming in Oberon (1992), Digital Circuit Design for Computer Science Students. An Introductory Textbook (1995), Grundlagen und Techniken des Compilerbaus (1995) sowie Algorithmen und Datenstrukturen, Oberon-Version (2004). In Compilerbau wird ein PL/0-Compiler erklärt und vollständig implementiert.
Zu den genannten Artikeln zählen A Plea for Lean Software (1995), A Brief History of Software Engineering, gemeinsam mit Helmut Weber EULER, A Generalization of ALGOL and its Formal Definition (1966), gemeinsam mit C. A. R. Hoare A Contribution to the Development of ALGOL (1966), The Programming Language Pascal (1971) und The Programming Language Oberon (1988).