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NS-Zwangsarbeit im Raum Berlin

NS-Zwangsarbeit im Raum Berlin diente der Aufrechterhaltung der dortigen Produktion während des Zweiten Weltkriegs. Französische Zwangsarbeiterinnen bei …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Umfang
  2. 2. Betroffene Gruppen und Behandlung
  3. 3. Betriebe und Arbeitseinsatz
  4. 4. Lagersystem
  5. 5. Erinnerung

Bedeutung und Umfang

Die NS-Zwangsarbeit im Raum Berlin diente während des Zweiten Weltkriegs dazu, die Produktion aufrechtzuerhalten. Besonders wichtig war sie für die Rüstungsindustrie, da Berlin ein zentraler Rüstungsstandort des Deutschen Reiches war. Insgesamt wurden dort während des Krieges mehr als 500.000 Menschen durch Zwangsarbeit ausgebeutet. Das entsprach etwa 20 Prozent aller Beschäftigten.

Der völkerrechtswidrige Einsatz von Kriegsgefangenen in Berlin begann im Juni 1941. Damals wurden 1.673 Kriegsgefangene unbekannter Nationalität in Rüstungsbetrieben eingesetzt. Ab 1941 stieg die Zahl der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter stark an. Am 1. September 1944 waren es einschließlich der Kriegsgefangenen bereits mehr als 300.000, am Jahresende 350.000. Den größten Anteil stellten Bürger der Sowjetunion mit 19,2 Prozent. Es folgten Menschen aus Polen mit 14,5 Prozent und aus Frankreich mit 12 Prozent.

Das zentrale Durchgangslager befand sich in der Nordmarkstraße, der heutigen Fröbelstraße, im Bezirk Prenzlauer Berg. Von dort wies das Arbeitsamt die Arbeitskräfte den Berliner Einsatzorten zu.

Betroffene Gruppen und Behandlung

Zu den Betroffenen gehörten Kriegsgefangene, ausländische zivile Arbeitskräfte, KZ-Häftlinge, jüdische Zwangsarbeiter und sogenannte Militärinternierte. Ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen unterschieden sich nach Herkunft und nationalsozialistischer Einstufung erheblich.

Sowjetische Kriegsgefangene und sogenannte Ostarbeiter wurden besonders schlecht behandelt. Wie KZ-Häftlinge erhielten sie keinen Lohn. Italienische Arbeitskräfte waren zunächst auf freiwilliger Grundlage angeworben worden. Nachdem das zuvor mit Deutschland verbündete Italien 1943 zum Kriegsgegner geworden war, wurden sie interniert und zur Zwangsarbeit eingesetzt. Als Militärinternierte stellte man sie den sowjetischen Arbeitskräften gleich und bewachte sie besonders streng. Nach den Richtlinien durften sie sogar Sanitäreinrichtungen nur in Begleitung eines Polizisten besuchen.

Das einzige Arbeitserziehungslager Berlins, das ausschließlich für Männer bestimmt war, befand sich in Wuhlheide. Ein Arbeitserziehungslager war eine Haftstätte, in der Menschen etwa wegen angeblicher „Nichterfüllung der Arbeitspflicht“ bestraft wurden. In Wuhlheide mussten die Gefangenen äußerst harte Zwangsarbeit leisten; dabei wurde die Prügelstrafe eingesetzt. Zu den bekanntesten Häftlingen gehörten der Sportler Werner Seelenbinder und der Berliner Dompropst Bernhard Lichtenberg.

Auch Kirchengemeinden beschäftigten Zwangsarbeiter. Ein Beispiel sind die als „Sklaven der Kirche“ bezeichneten Menschen in der Berliner Hermannstraße, die Kriegstote bestatten mussten.

Betriebe und Arbeitseinsatz

Zahlreiche große, mittlere und kleine Berliner Unternehmen profitierten von der Zwangsarbeit. In der metallverarbeitenden Industrie gehörten dazu besonders Siemens in Siemensstadt und die AEG-Apparate-Werke in Treptow, aber auch viele kleinere und mittlere Betriebe, vor allem in Kreuzberg. In der Salamander-Schuhfabrik wurden insbesondere Frauen eingesetzt.

Der Siemens-Konzern mit Siemens & Halske, den Siemens-Schuckertwerken und den Siemens-Reiniger-Werken beutete in und um Berlin besonders KZ-Häftlinge aus. 1942 entstanden direkt auf dem Gelände des Konzentrationslagers Ravensbrück zwanzig Fertigungsbaracken für 800 Frauen. 1943/1944 arbeiteten KZ-Häftlinge bei der Siemens-Kabel-Gemeinschaft in Berlin-Gartenfeld, 1944/1945 in den Siemens-Schuckertwerken in Berlin. Ende 1944 waren beim Siemens-Konzern ohne die zugehörigen Gesellschaften 17.400 der insgesamt 65.400 Arbeitskräfte Zwangsarbeiter. Ihr Anteil an der Belegschaft betrug damit 26,6 Prozent.

Ein weiteres Beispiel ist die Graetz–Radio AG in Berlin-Treptow in der Elsenstraße. Das Unternehmen ersetzte die seit 1940 eingesetzten jüdischen Zwangsarbeiter bis zu deren Abtransport in die Vernichtungslager 1943 schrittweise durch russische, französische und niederländische Arbeitskräfte. Insgesamt betraf dies etwa 1.100 Personen. Russische Arbeitskräfte wurden seit Juni 1942 eingesetzt, galten als Gefangene und standen auch am Arbeitsplatz ständig unter Bewachung. Niederländische Zwangsarbeiter erhielten dagegen denselben Akkordlohn wie deutsche nichtjüdische Arbeiter. Sie wurden nicht bewacht und durften sich außerhalb der Arbeitszeit frei bewegen.

Für die russischen Arbeiterinnen unterhielt die Graetz AG ein eigenes „Russinnenlager“ in der Köpenicker Landstraße 208–218 in Berlin-Baumschulenweg. Unter bestimmten Voraussetzungen durften sie in Gruppen von höchstens fünf Personen und nur in Begleitung einer Wachperson hinausgeführt werden.

1944 verlagerten viele Berliner Unternehmen ihre Produktionsstätten aus Angst vor Bombenangriffen in das Umland. Deshalb nahm die Zahl der in Berlin eingesetzten Zwangsarbeiter anschließend nicht weiter zu.

Lagersystem

Die Zwangsarbeiter waren in einer sehr großen Zahl von Lagern untergebracht. Die meisten boten Platz für 100 bis 200 Menschen. Die beiden größten Lager mit jeweils bis zu 3.000 Personen lagen in Adlershof und Falkensee. Neben Gemeinschaftslagern der Deutschen Arbeitsfront gab es zahlreiche betriebseigene Lager.

Die genaue Gesamtzahl ist nicht gesichert. Rainer Kubatzki verzeichnete für ganz Berlin mehr als 1.000 Lager und für Kreuzberg 26. Seit 2002 wurden jedoch allein in Kreuzberg mehr als 365 Lager nachgewiesen, also vierzehnmal so viele. Aus diesem Verhältnis wird im Artikel eine mögliche Gesamtzahl von mehr als 10.000 Lagern abgeleitet. Intensivere Nachforschungen in einzelnen Bezirken stützen dort die Vermutung, dass die von Kubatzki erfassten Lager nur einen kleinen Teil des tatsächlichen Bestands darstellen. Wegen dieser Hochrechnung bleibt die fünfstellige Gesamtzahl eine Schätzung.

Erinnerung

1997 wurde an einer Fassade des Ehrenhofs des Siemens-Verwaltungsgebäudes in Berlin die Erinnerungstafel „Das Geheimnis der Erlösung heißt Erinnerung“ angebracht. Das von Beate Passow und Andreas von Weizsäcker geschaffene Mosaik erinnert an die Zwangsarbeiter bei Siemens. Es zeigt vor einem aufgelösten Hintergrund einen Siemens-D-Zug, die verbreitete Bezeichnung für einen 1924 hergestellten Röhrenempfänger.

Lernvideos zu NS-Zwangsarbeit im Raum Berlin

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