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Mein Führer – Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler

Der Film spielt in der Schlussphase des Zweiten Weltkriegs und beschäftigt sich mit Adolf Hitlers Befinden, der vorhat, am Neujahrstag eine große Rede zu halten …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick
  2. 2. Handlung
  3. 3. Produktion und Veröffentlichung
  4. 4. Rollen und Besetzung
  5. 5. Andere Fassungen
  6. 6. Kritische Einordnung

Überblick

„Mein Führer – Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler“ ist eine deutsche Hitler-Parodie von Regisseur und Drehbuchautor Dani Levy aus dem Jahr 2007. Der Film ist 94 Minuten lang, wurde von X Filme Creative Pool produziert und ist auf Deutsch. Er spielt in der Schlussphase des Zweiten Weltkriegs, kurz vor Neujahr 1945, und verbindet Komödie mit einer erfundenen Handlung über Adolf Hitlers Zustand und die NS-Propaganda.

Im Mittelpunkt steht der Plan, Hitler für eine große Rede am Neujahrstag vorzubereiten. Weil Hitler schwach, verwirrt und heiser ist, soll der jüdische Schauspieler Professor Adolf Grünbaum ihm rhetorisch helfen. Die Geschichte ist ausdrücklich als Parodie und nicht als historische Darstellung angelegt. Zugleich berührt sie Themen wie Propaganda, Antisemitismus, Gewalt, Machtkämpfe im NS-Regime und die Frage, ob und wie man Hitler komisch darstellen darf.

Handlung

Professor Adolf Grünbaum, ein jüdischer Weltschauspieler, erzählt die Handlung rückblickend. Er sitzt mit seiner Frau und seinen vier Kindern im KZ Sachsenhausen. In Berlin bereitet Reichspropagandaminister Joseph Goebbels eine große Massenveranstaltung im Berliner Lustgarten für den Neujahrstag 1945 vor. Sie soll die kriegsmüden Deutschen wieder für den Krieg motivieren.

Hitler lebt in der zerstörten Hauptstadt in der Neuen Reichskanzlei und ist selbst körperlich und psychisch geschwächt. Deshalb lässt Goebbels Grünbaum aus dem Konzentrationslager holen, damit er Hitler als Lehrer, Motivator und Redecoach unterstützt. Anfangs lehnt Grünbaum diese Aufgabe ab. Später gewinnt Hitler Vertrauen zu ihm und spricht über persönliche Gefühle und Kindheitserinnerungen, unter anderem darüber, dass sein Vater ihn misshandelt habe.

Grünbaum gerät in einen schweren inneren Konflikt. Mehrfach denkt er darüber nach, Hitler zu töten. Gleichzeitig verhindert er paradoxerweise sogar einen Mordversuch auf Hitler und erinnert seine Frau daran, dass auch Hitler ein Opfer seiner Kindheit sei. Während der Sitzungen werden Hitler und Grünbaum von führenden Nationalsozialisten beobachtet und abgehört.

Goebbels plant mit Heinrich Himmler ein Attentat auf Hitler, weil dieser aus ihrer Sicht den „Endsieg“ gefährdet. Unter Hitlers Rednerpult soll eine Bombe versteckt werden. Die Schuld soll Grünbaum zugeschoben werden, um den Hass auf Juden weiter zu verstärken und daraus politischen Nutzen zu ziehen.

Grünbaum verhandelt mit Goebbels über die Freilassung seiner Familie, die ihm zunächst gewährt wird. Als er auch die Freilassung der Insassen von Sachsenhausen fordert, verweigert Goebbels dies. Grünbaum weigert sich daraufhin, weiterzuarbeiten, und wird mit seiner Familie wieder nach Sachsenhausen verschleppt. Hitler verlangt jedoch seine Rückkehr. Goebbels täuscht Grünbaum schließlich vor, die KZ-Insassen seien freigelassen worden.

Am Tag der Rede ist Hitler so heiser, dass er nicht sprechen kann. Da die 3,5 Millionen Reichsmark teure Veranstaltung nicht abgesagt werden soll, spricht Grünbaum unter dem Podest über die Lautsprecheranlage, während Hitler nur die Lippen bewegt und gestikuliert. Grünbaum weicht bald vom vorgesehenen Text ab und verspottet Hitler. Daraufhin wird er erschossen. Hitler flieht kurz vor der Explosion der Bombe. Tödlich verletzt erzählt Grünbaum die Geschichte zu Ende und sagt voraus, dass der Krieg bald enden und Hitler sich das Leben nehmen werde.

Produktion und Veröffentlichung

Der Film wurde von Januar bis März 2006 gedreht. Drehorte waren unter anderem Außenkulissen auf dem Gelände des Studio Babelsberg in Potsdam sowie mehrere Orte in Berlin, darunter das Bundesministerium der Finanzen, das frühere Reichsluftfahrtministerium, und der Berliner Dom auf der Museumsinsel.

Gefördert wurde die Produktion von der Filmstiftung NRW, der Filmförderungsanstalt FFA Berlin, dem Medienboard Berlin-Brandenburg und der Investitionsbank Hessen. Die Filmmusik stammt von Niki Reiser, die Kamera führten Carl-Friedrich Koschnick und Carsten Thiele, der Schnitt lag bei Peter R. Adam.

Die Premiere fand am 9. Januar 2007 in der Lichtburg in Essen statt. In Deutschland startete der Film am 11. Januar 2007, in der Schweiz am 18. Januar und in Österreich am 19. Januar. Er lief fünf Monate im Kino und hatte etwa 790.000 Zuschauer. Im September 2007 erschien er auf DVD. Die Deutsche Film- und Medienbewertung FBW in Wiesbaden verlieh ihm das Prädikat „wertvoll“.

Rollen und Besetzung

Die Hauptrollen spielen Helge Schneider als Adolf Hitler und Ulrich Mühe als Professor Adolf Grünbaum. Sylvester Groth spielt Joseph Goebbels, Ulrich Noethen Heinrich Himmler, Stefan Kurt Albert Speer, Adriana Altaras Elsa Grünbaum und Katja Riemann Eva Braun.

Einige Besetzungen hatten Bezüge zu anderen Filmen über die NS-Zeit. Katja Riemann spielte nach „Goebbels und Geduldig“ erneut Eva Braun. Ulrich Noethen hatte bereits in „Der Untergang“ Heinrich Himmler dargestellt. Für Ulrich Mühe war „Mein Führer“ der letzte Spielfilm; er starb am 22. Juli 2007 an einer Krebserkrankung. Sylvester Groth spielte Joseph Goebbels später erneut in Quentin Tarantinos „Inglourious Basterds“ von 2009.

Andere Fassungen

Ursprünglich sollte Helge Schneider als Hitler die Erzählung beginnen. Außerdem wurde ein anderes Ende gedreht: Darin überlebt Hitler den Zweiten Weltkrieg und lebt als 117-jähriger Mann unter dem Decknamen Baron Alois im Sauerland. Dort malt er Bilder seines Hundes Blondi und erklärt, er stehe jederzeit wieder als Reichskanzler zur Verfügung.

Dani Levy verzichtete nach ersten Probevorführungen auf diese Rahmenhandlung. Er erklärte am 8. Januar 2007 auf 3sat, die Kinofassung mit stärkerem Fokus auf das jüdische Schicksal sei besser geeignet, den Zuschauern „Gewissenssicherheit zu geben“.

Auch ein Handlungsstrang über eine Affäre zwischen Goebbels und Eva Braun wurde entfernt, weil er zu stark vom eigentlichen Thema abgelenkt hätte. Nur eine gekürzte Szene blieb im Film, allerdings in anderem Zusammenhang: Hitler und Eva Braun versuchen am Silvesterabend, Geschlechtsverkehr zu haben, was an Hitlers Impotenz scheitert. Die ursprünglich geplante Schnittfassung ist auf der DVD enthalten.

Kritische Einordnung

Schon vor dem Kinostart wurde kritisiert, dass Dani Levy eine Filmkomödie über Adolf Hitler drehte. Der wichtigste Einwand war, eine solche Darstellung könne die Verbrechen des Nationalsozialismus verharmlosen. Nach der Veröffentlichung blieb diese Frage ein zentraler Punkt der Kritiken.

Helge Schneider äußerte kurz vor der Premiere gegenüber der Schweizer Boulevardzeitung „Blick“, die Aussage des Films sei „im Nachhinein verändert“ worden; der Fokus sei von Hitler „mit aller Gewalt“ auf die jüdische Geschichte verlegt worden. Hitler sei ihm „zu profan“, und er könne darüber „nicht lachen“. Zugleich sagte er, der Film sei „kein schlechter Film. Bloß ein anderer.“ Dies wurde in Teilen der deutschen Presse als Distanzierung verstanden.

Dieter Graumann, Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, warf dem Film eine „Verklärung“ Hitlers und seiner Zeit vor. Rolf Hochhuth kritisierte ihn als Geschichtsfälschung. Andere Stimmen bewerteten den Film positiver: Jürgen Schmieder sah in der „Süddeutschen Zeitung“ eine berührende Karikatur, die Hitler lächerlich mache, ohne in plumpe Komik zu fallen. Fritz Pleitgen meinte, Levy habe das NS-System auf parodistische Weise entlarvt.

Weitere Kritiken hoben die Ambivalenz des Films hervor. Henryk M. Broder schrieb im „Spiegel“, der Film falle in einen absurden und einen moralischen Teil auseinander. Das „Lexikon des internationalen Films“ nannte ihn solide inszeniert, aber unentschlossen zwischen Aberwitz und aufgesetzter Tragik. Dani Levy selbst beschrieb den Film als Ausdruck seines Traums, mit „subversiver Fantasie“ in die Geschichte einzugreifen.

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