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Martin Barre
Martin Lancelot Barre (* 17. November 1946 in Birmingham, England) ist ein britischer Musiker. Er war von 1968 bis 2012 Leadgitarrist der …
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Überblick und musikalisches Profil
Martin Lancelot Barre (* 17. November 1946 in Birmingham, England) ist ein britischer Musiker. Von 1968 bis 2012 war er Leadgitarrist, also der vor allem für prägnante Gitarrenmelodien und Soli zuständige Gitarrist, der Progressive-Rock-Band Jethro Tull. Seit der Auflösung der Band im Jahr 2012, die Ian Anderson durchsetzte und die Barre als endgültige Trennung betrachtete, arbeitet er mit einer eigenen Band.
Neben Gitarre spielt Barre Querflöte, Bouzouki, Mandoline, Marimba und Saxophon. Spätestens seit dem Album Aqualung galten scharfe Riffs – kurze, wiederkehrende musikalische Figuren – und ausgedehnte Zwischensoli als sein Markenzeichen. Besonders deutlich ist dies im Titelsong von Minstrel in the Gallery. Seine Gitarrenarbeit trug dazu bei, dass Crest of a Knave 1988 den Grammy-Award für Best of Hard Rock erhielt. Neben Ian Anderson wurde Barre zu einer tragenden Säule von Jethro Tull.
Weg zur Musik und Zeit bei Jethro Tull
Barre wurde in Kings Heath in Birmingham geboren. Sein Vater war Ingenieur und wollte ursprünglich beruflich Klarinette spielen. Barre spielte im Gymnasium Flöte. Als er seine erste Gitarre kaufte, schenkte ihm sein Vater Alben von Barney Kessel, Johnny Smith und Wes Montgomery, um seine musikalische Perspektive zu erweitern.
Er studierte drei Jahre Architektur am Lanchester Polytechnic, der heutigen Coventry University, ohne das Studium abzuschließen. Nachdem er für Birmingham eine Straßenkreuzung entworfen hatte, erschien ihm eine Laufbahn in der Architektur zu langweilig; er wechselte zur Musik. Seine frühe musikalische Karriere begann in der Band The Moonrakers.
Als Mick Abrahams Jethro Tull verließ, suchte Bandleader Ian Anderson einen Gitarristen. Barre spielte vor, doch zunächst fiel die Wahl auf Tony Iommi. Iommi verließ die Band nach kurzer Zeit wieder zugunsten von Black Sabbath. Danach wurde nur Barre zu einem zweiten Vorspielen eingeladen. Er ist erstmals auf dem zweiten Jethro-Tull-Album Stand Up zu hören.
Soloarbeit und Martin Barre Band
Während seiner Zeit bei Jethro Tull arbeitete Barre gelegentlich an eigenen Projekten. Seine Solodiskografie umfasst acht Soloalben, darunter ein Livealbum. 2012 tourte er mit Martin Barre’s New Day. Anschließend baute er die Martin Barre Band auf. Deren Programm verbindet Bearbeitungen von Tull-Stücken mit Neukompositionen.
Im September 2013 erschien das Soloalbum Away with Words. Im Herbst 2013 ging Barre mit Jonathan Noyce am Bass, Frank Mead an Saxofon, Flöte und Mundharmonika, Pat O’May an der Gitarre, Dan Crisp an Gesang und Akustikgitarre sowie George Lindsay am Schlagzeug auf Europatournee. 2014 folgten das Studioalbum Order of Play und Live in Munich, 2015 Back to Steel. Im August 2019 nahm Barre an Fairport's Cropredy Convention teil.
Für 2020 plante Barre eine Welttournee unter dem Motto „50 Jahre Jethro Tull-Musik“. Wegen der COVID-19-Pandemie wurden die meisten Auftritte abgesagt und auf 2021–22 verschoben. Adam Wakeman, Clive Bunker und Dee Palmer sollten als Gastmusiker mitwirken.
Zu seinen Studioalben zählen A Trick of Memory (1994), The Meeting (1996), Stage Left (2003), Away with Words (2013), Order of Play (2014), Back to Steel (2015), Roads Less Travelled (2018) und MLB - 50 Years of Jethro Tull (2019). Als Livealben erschienen Live in Munich (2014) und Live at the Factory Underground (2019).
Rezeption, Privatleben und Ausrüstung
Barres bekanntestes Gitarrenspiel ist in Aqualung, Cross-Eyed Mary und Locomotive Breath zu hören. Sein Signature Solo – ein besonders wiedererkennbares Solo – in Aqualung von 1971 wurde von Leserinnen und Lesern des Guitar Player Magazins zu einem der besten Rockgitarrensoli aller Zeiten gewählt. Guitar World stufte es 2007 als eines der 100 besten Gitarrensoli ein. Pete Brown und HP Newquest nannten es das 25. beste Solo aller Zeiten in den USA und das 20. beste Solo aller Zeiten in Großbritannien.
Mark Knopfler bezeichnete Barres Arbeit mit Ian Anderson 2005 als magisch. Joe Bonamassa nennt Barre, besonders wegen des Bluesspiels auf den frühen Alben, einen direkten Einfluss. Auch Steve Vai, Joe Satriani und Eric Johnson nennen ihn als Einfluss. Geddy Lee von Rush sprach im Zusammenhang mit Thick as a Brick von Barres großartigen Gitarrenklängen.
Barre ist verheiratet, war Marathonläufer und joggt, surft, fährt Snowboard und spielt Tennis. Er besitzt ein eigenes Tonstudio. Er spielt eine PRS 513, eine Fake Gibson Les Paul Custom und eine Hamer Chapparal E-Gitarre. Als Verstärker verwendet er einen Soldano Decatone 100-Watt Triple Channel Amp Head; im Studio und live setzt er das Boss CS-2 Compressor Guitar Effect Pedal sowie den Hornby Skewes Treble Booster ein.