Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Lutz Felbick
... Musik, Musiktheorie, Gehörbildung und Improvisation. Felbick war ab 2006 Gastdozent an zahlreichen Musikhochschulen im In- und Ausland, unter anderem …
Inhalt5 Abschnitte
Überblick
Lutz Felbick (* 22. Oktober 1954 in Hückeswagen) ist ein deutscher Musiker und Musikwissenschaftler. Seine Arbeit verbindet künstlerische Praxis als Jazzpianist, Chorleiter und besonders Konzertorganist mit Forschung, Lehre und kulturpädagogischem Engagement. Wichtige Arbeitsfelder sind Orgelmusik, Improvisation, Neue Musik, Jazz, Musiktheorie und Gehörbildung. Gehörbildung beziehungsweise Hörerziehung bezeichnet das systematische Lernen, musikalische Vorgänge hörend zu erkennen und zu verstehen.
Künstlerische Arbeit
Felbick begann 1971 im Bergischen Land mit öffentlichen Auftritten als Jazzpianist, Chorleiter und Organist. Nach seinem A-Examen an der Robert Schumann Hochschule in Düsseldorf war er von 1982 bis 1992 Kantor der Dreifaltigkeitskirche in Aachen. Dort gestaltete er das Veranstaltungskonzept Musik in II mit eigenen Chor-, Orchester- und Orgelkonzerten, „Geöffnete-Ohren-Konzerten“ und Gastkonzerten.
Als Konzertorganist sowie als Mitglied der Improvisationsensembles „Common Sense“ und JATO trat er im In- und Ausland auf. Zu seinem Repertoire gehörten unter anderem das gesamte Orgelwerk von Johann Sebastian Bach und Jehan Alain. Von Germaine Laboles damals wenig bekannter Orgel-Symphonie realisierte er die Ersteinspielung. Solokonzerte gab er beispielsweise in Notre-Dame de Paris, Westminster Abbey London, der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche und der St. Hedwigs-Kathedrale Berlin sowie in Washington, Kiew, Lund, Jalta und Helsinki. JATO spielte unter anderem bei den Wiener Festwochen und den Leverkusener Jazztagen.
Am 3. November 2017 wirkte Felbick bei „Dom im Licht“ am Aachener Dom als Solist mit sinfonischen Orgelwerken vor mehr als 4000 Zuschauern mit. Zu seinen Aufnahmen zählt Olivier Messiaens Messe de la Pentecôte für den WDR von 1989; sie wurde 2007 bundesweit im ARD-Programm gesendet. Gemeinsam mit dem Saxophonisten Heribert Leuchter unternahm er eine Konzertreise nach Washington und Tampa. 2001 war er mit seiner früheren Lehrerin Almut Rößler Künstlerischer Leiter der Aachener Messiaen-Tage. Im selben Jahr erhielt er in den USA das Zertifikat Advanced Deep Listening von Pauline Oliveros.
Forschung, Lehre und Kulturarbeit
Seit 1987 veröffentlichte Felbick musikwissenschaftliche Arbeiten, unter anderem beim Bärenreiter-Verlag. Seine 1991 erschienene Bibliographie sowjetischer Orgelmusik erfasst 178 russische beziehungsweise sowjetische Orgelmusikkomponisten und erschloss laut Artikel erstmals eine bislang unerforschte Musikliteratur. Eine weitere Bibliographie zur Gehörbildung/Hörerziehung umfasst mehr als 3000 Titel.
Von 1994 bis 2021 lehrte Felbick als Lehrbeauftragter für Musiktheorie und Gehörbildung an der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf. Dort entwickelte er methodische Konzepte für die Gehörbildung weiter. Ab 2006 war er Gastdozent an zahlreichen Musikhochschulen im In- und Ausland, darunter an der Hochschule für Musik und Theater München und der Schola Cantorum Basiliensis. Seit 2003 entwickelte er in Aachen die private Singschule Tonart; dort arbeitet er als Chorleiter sowie Lehrer für Gehör- und Stimmbildung.
In Aachen engagierte er sich außerdem in der Gesellschaft für Zeitgenössische Musik Aachen (GZM). Er wirkte am Aufbau der Musikschule music loft und des Kulturhauses Klangbrücke mit, das eine Studiobühne für Neue Musik, Improvisation und Jazz sowie Probe- und Unterrichtsräume bietet. In der Klangbrücke und auf Fachkongressen hielt er Vorträge über Neue Musik, Musiktheorie, Gehörbildung und Improvisation.
Seine 2011 abgeschlossene Dissertation behandelt Lorenz Christoph Mizler und erschien 2012 als Lorenz Christoph Mizler de Kolof – Schüler Bachs und pythagoreischer „Apostel der Wolffischen Philosophie“. Der WDR3 stellte 2013 zudem Felbicks Forschungen zur Begriffsgeschichte des „Kulturorchesters“ vor. Für das ab 2017 erscheinende dreibändige Lexikon Schriften über Musik schrieb er drei Beiträge.
Wichtige Veröffentlichungen
Zu Felbicks Buchveröffentlichungen gehören Tonarten einer Stadt – eine Zeitreise durch die Aachener Musikgeschichte (2018), das er mit anderen Autoren herausgab. Das Buch bietet zur Aachener Musikgeschichte von der Karolingerzeit bis zur Gegenwart Informationen und umfangreiche Bibliographien. 2021 veröffentlichte er die Bibliographie Gehörbildung / Hörerziehung mit Einführung und vierfachem Index. Es folgten Das Wunder des Hörens: Reflexionen zu einem musikalischen, wissenschaftlichen und spirituellen Thema (2024) sowie die historisch-kritische Quellenedition Werktreues Dirigieren - An Beispielen großer Orchestermusik gelehrt von Peter Raabe (2026), die er unter Mitarbeit von Elmar Kunkis herausgab.
Weitere Schriften behandeln unter anderem evangelische Kirchenmusik und Musikgeschichte in Aachen, sowjetische Orgelmusik, Orgelmusik in den Staaten GUS/Baltikum, musikalisches Hören, Improvisation, Musikpsychologie, Johann Sebastian Bach, Lorenz Christoph Mizler und den Begriff „Kulturorchester“. Damit zeigt sich die Verbindung seiner Forschung zu Musikgeschichte, Musiktheorie, Hörpädagogik und Improvisation.
Tonträger
Die Tonträger dokumentieren Felbicks Orgelspiel und seine Improvisationsarbeit. Dazu zählen Aufnahmen an der Orgel des Kulturhauses in Kiew (1990) mit Werken von J. S. Bach, F. Mendelssohn-Bartholdy und M. Reger sowie an der Klais-Orgel der Dreifaltigkeitskirche Aachen (1990) mit Germaine Laboles Symphonie en Si-Mineur und Jehan Alains Trois Dances. Die Kiewer LP-Aufnahme von 1990 erschien 2023 digitalisiert als Orgelmusik aus Kiew.
Mit JATO veröffentlichte er unter anderem Von Hisdorisch nach Gesus (1992), Windladen (2011) und einen Konzertmitschnitt aus St. Josef Köln-Porz vom 29. September 2013, jeweils mit Orgel und weiteren Instrumenten, darunter Saxophone von Heribert Leuchter. Weitere Veröffentlichungen sind das Neujahrskonzert Notre Dame Paris 1989 sowie Ja-to Bach mit Felbick an der Orgel und Leuchter am Sopransaxophon.