Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Lombardischer Rhythmus

Der lombardische Rhythmus ist eine Sonderform der Punktierung, bei der die punktierte Note an die zweite, weniger betonte Stelle der Notengruppe tritt.

Inhalt2 Abschnitte
  1. 1. Grundprinzip und Ausführung
  2. 2. Begriff und barocke Spielpraxis

Grundprinzip und Ausführung

Der lombardische Rhythmus ist eine Sonderform der Punktierung. Dabei steht die punktierte, also längere Note an der zweiten und weniger betonten Stelle einer Notengruppe. Bei einer gewöhnlichen Punktierung erklingt zuerst die längere und danach die kürzere Note, etwa bei „Al-le“ im Weihnachtslied „Alle Jahre wieder“. Beim lombardischen Rhythmus ist die Reihenfolge umgekehrt: Auf eine kurze Note folgt eine punktierte lange Note, beispielsweise auf eine Sechzehntelnote eine punktierte Achtelnote.

Nach Quantz soll man „von zwo oder drey kurzen Noten die anschlagende kurz machet, und hinter die durchgehende einen Punct setzet“. Die umgekehrte Punktierung erzeugt eine beschwingte, leichte Wirkung. Ein Beispiel findet sich im Mittelteil, dem Trio, des Menuetts aus W. A. Mozarts Streichquartett in d-Moll, KV 421: Dort steigt die Melodie der ersten Violine im lombardischen Rhythmus federleicht auf.

Im Notenbild ist der lombardische Rhythmus kaum von einer Synkope zu unterscheiden. Bei der Ausführung bleibt jedoch die zweite, längere Note des lombardischen Rhythmus unbetont und leicht. Bei einer Synkope erhält die zweite Note dagegen ebenfalls einen Akzent.

Begriff und barocke Spielpraxis

Die Bezeichnung „lombardisch“ geht auf die barocke Praxis der Inegalität zurück. Gleichmäßig notierte Achtel oder Sechzehntel wurden in bestimmten musikalischen Zusammenhängen ungleichmäßig gespielt. Wenn bei jedem Notenpaar die erste Note verlängert und die zweite verkürzt wurde, nannte man dies „französisch“. Die umgekehrte Ausführung wurde als „lombardisch“ bezeichnet.

Heute meint „lombardischer Rhythmus“ eine exakte Punktierung im Verhältnis der Notenwerte 1:3. In der historischen Spielpraxis war das Verhältnis von kurz und lang dagegen noch nicht genau festgelegt; bei der Ausführung bestand ein gewisser Spielraum.

Weiterlesen