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Lerntagebuch
Ein Lerntagebuch (englisch learning log oder learning journal) ist ein pädagogisches Werkzeug, um Lernprozess und -verhalten von Schülern parallel zum …
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Bedeutung und Grundidee
Ein Lerntagebuch (englisch learning log oder learning journal) ist ein pädagogisches Werkzeug. Es soll Lernprozess und Lernverhalten von Schülern parallel zum Unterricht fördern. Dazu dokumentieren Schüler ihr eigenes Lernen über längere Zeit und regelmäßig nebenher.
Anders als ein Lesetagebuch ist es nicht an eine bestimmte Lektüre gebunden. Es unterscheidet sich außerdem von Portfolio und wissenschaftlichen Arbeiten dadurch, dass es keinen zentralen Fokus besitzt. Wer ein e-Portfolio erstellt, hat damit automatisch auch ein Lerntagebuch.
Führung und Gestaltung
Entscheidend ist, das Lerntagebuch regelmäßig über einen längeren Zeitraum zu führen. Nur so kann der Lernende sein Lernverhalten vergleichen und Veränderungen bewerten.
Die Form richtet sich nach Alter und Situation der Schüler. Der Text kann gegliedert werden; Illustrationen, Bilder und Tabellen können das Arbeiten unterstützen. Möglich ist freies Schreiben mit wenigen Vorgaben, aber auch die gezielte Arbeit mit Prompts. Prompts sind Bearbeitungshinweise oder Fragen, die das Nachdenken über Lernen anregen. Für Schüler mit wenig Erfahrung im Umgang mit Lernstrategien sollten sie eher spezifisch sein.
Das Lerntagebuch darf jedoch keine bloße Wissensabfrage sein. Schüler sollen den Inhalt relativ selbstständig und problemorientiert bestimmen können.
Ziele für Lernen und Selbststeuerung
Die regelmäßige Beschäftigung mit dem Lernstoff soll ihn vertiefen und das Verständnis verbessern. Sie kann Verständnisillusionen entgegenwirken: Lernende können durch die intensivere Auseinandersetzung logische Fehler und Widersprüche in ihrem eigenen Konzept entdecken und korrigieren.
Ein Hauptziel ist das Bewusstsein für den eigenen Lernprozess. Schüler sollen Lernstrategien anwenden, die sie unterstützen. Dies soll nicht nur imitierend geschehen. Indem sie ihre Arbeitsergebnisse überarbeiten, können sie Vor- und Nachteile von Strategien erkennen und deren Anwendung gegebenenfalls anpassen.
Das Aufschreiben eigener Gedanken hilft außerdem, einen Überblick zu gewinnen sowie neue Assoziationen und Ideen zu entwickeln.
Lernzyklus und Strategien
Der Lernprozess lässt sich als Zyklus aus drei miteinander verbundenen Phasen verstehen:
- Elaboration und Organisation: Vorhandenes Wissen wird strukturiert und ausgearbeitet. Erarbeitungsstrategien können etwa darin bestehen, eigene Beispiele zu formulieren, die den Stoff veranschaulichen.
- Monitoring: Der Arbeitsprozess wird überwacht. Negatives Monitoring bedeutet, Verständnisschwierigkeiten zu erkennen und zu formulieren; positives Monitoring bedeutet, eine positive Lernerfahrung festzustellen. Bei Problemen versucht der Lernende, diese zu beheben.
- Remediale Strategien: Es werden Maßnahmen für die weitere Arbeit überlegt, die künftige Schwierigkeiten beheben sollen.
Dabei werden kognitive Strategien eingesetzt, etwa Wiederholung und Organisation durch Gruppierung oder Hierarchisierung. Sie wandeln einfache Informationen in dynamisches Wissen um. Daneben ist die metakognitive Ebene wichtig: Lernende sind sich ihrer kognitiven Strategien bewusst und können sie gezielt einsetzen. Dass Schüler solche Strategien verwenden, ist jedoch nicht selbstverständlich, auch wenn sie sie bereits kennen.
Nutzen von Bearbeitungshinweisen
Untersuchungen mit verschiedenen Formen von Lerntagebüchern zeigen, dass Bearbeitungshinweise die Nutzung kognitiver und metakognitiver Lernstrategien sowie den Lernerfolg stärker fördern können als ausschließlich freies Schreiben. Sie können unterschiedliche Phasen des Lernprozesses ansprechen.
Beispiele sind: „Wie kannst du die Lerninhalte am besten sinnvoll strukturieren?“ für kognitive Organisation; „Welche Beispiele können die Lerninhalte veranschaulichen, bestätigen oder ihnen widersprechen?“ für kognitive Erarbeitung; „Welche Punkte hast du bislang (nicht) verstanden?“ für metakognitives Monitoring; sowie Fragen danach, welche Bereiche nochmals bearbeitet und wie Verständnisschwierigkeiten behoben werden können, für remediale Strategien.
Kognitive und metakognitive Prompts erhöhen vor allem den Einsatz von Strategien aus dem jeweiligen Bereich. Beide Arten fördern die Verarbeitung des gewonnenen Wissens mindestens kurz- bis mittelfristig. Die besten Ergebnisse lieferte eine Kombination aus Prompts verschiedener Bereiche.