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E-Portfolio
Das E-Portfolio besteht aus „digitalen Sammelmappen“, mit denen Menschen (z. B. Studierende) ihren Lernprozess dokumentieren, reflektieren und/oder präsentieren …
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Begriff und Kennzeichen
Ein E-Portfolio (Elektronisches Portfolio) ist die digitale Form einer Sammelmappe. Menschen, etwa Studierende, nutzen digitale Sammelmappen, um ihren Lernprozess zu dokumentieren, zu reflektieren und/oder zu präsentieren. Es ist bewusst zusammengestellt und enthält Materialien, Nachweise und Reflexionen; deshalb kann es als „Schaufenster des Lernens“ dienen.
Anders als ein klassisches Lerntagebuch, das vor allem schriftliche Reflexion über persönliche Lernerfahrungen ermöglicht, sammelt ein E-Portfolio stärker Belege für Lernleistungen. Möglich sind verschiedene digitale Formen, zum Beispiel Blogs, Profilseiten und multimediale Inhalte. Gegenüber Portfolios auf Papier unterscheiden sich E-Portfolios daher vor allem durch ihre Form, nicht unbedingt durch ihre Inhalte.
Nach Salzburg Research ist es eine digitale Sammlung selbst ausgewählter Artefakte, also „mit Geschick gemachter Arbeiten“. Sie soll sowohl Ergebnisse als auch den Lernpfad beziehungsweise das Wachstum der Kompetenzentwicklung in einer bestimmten Zeit und für bestimmte Zwecke zeigen. Die Person ordnet die Artefakte selbst im Hinblick auf das Lernziel und kontrolliert als Eigentümer, wer wann wie viele Informationen sehen darf.
Brück-Hübner (2020, S. 103) beschreibt Lernenden-E-Portfolios als absichtsvoll angelegte Sammlungen von meist selbstständig ausgewählten Arbeiten. Sie können Kompetenzen, Leistungen, Fortschritte und die individuelle Entwicklung in einem bestimmten Bereich sichtbar machen. Meist ergänzen Selbstreflexionen die Produkte. Das E-Portfolio kann den dialogischen, entwicklungsförderlichen Austausch zwischen Lernenden und Lehrenden unterstützen oder zur Leistungsbewertung dienen, teilweise anhand gemeinsam ausgehandelter Bewertungskriterien. Kennzeichnend gegenüber Papierportfolios sind Multimedialität, Interaktivität und Konnektivität.
Einsatz und Nutzen
E-Portfolios werden in Schulen und Hochschulen als Lern- und Bewertungsmethode eingesetzt. Sie können lebenslanges Lernen dokumentieren und dazu dienen, sich selbst sowie eigene Leistungen zu präsentieren.
An der Schnittstelle von Studium und Beruf können sie Studium und spätere Berufsfelder inhaltlich verbinden. Dann sind sie nicht nur ein Werkzeug der Hochschullehre, sondern ein Instrument zur Begleitung lebenslangen Lernens. Sie können einen tieferen und breiteren Einblick in Leistungen und Kompetenzen geben als bisherige Vernetzungsplattformen. Nur für das Studium allein ist ihr Einsatz angesichts des Aufwandes selten gerechtfertigt; eine genannte Ausnahme ist das Reflexionsportfolio. Als Schnittstellenmanagement können E-Portfolios über den Studienabschluss hinaus genutzt werden.
Der Mehrwert liegt auch in der Förderung von Motivation sowie Medien- und/oder IT-Kompetenz. IT kann den Lernprozess und Querverbindungen erweitern. Kontakt mit Tutor, Schulkollegen oder Kommilitonen ist möglich. Artefakte lassen sich speichern und verwalten; automatische Dokumentation, Tagging, Suchfunktionen und Hyperlinks zu Referenzmaterial sind mögliche Funktionen. Rückmeldungen können von außen und jederzeit gegeben werden. Dokumente müssen zudem nicht vervielfältigt und verteilt werden, weil sie für Leseberechtigte zugänglich sind.
Medienpädagogisch sollen E-Portfolios Fachkompetenz fördern und Lernprozesse dokumentieren. Bilder, Videos und andere digitale Artefakte können eingebunden sowie Inhalte flexibel ergänzt, ausgetauscht und verwendet werden. Auch eine chronologische Darstellung der Lernbiografie ist möglich.
Software und technische Unterstützung
Serge Ravet, ehemaliger Direktor des European Institute for E-Learning (ElfEL), unterscheidet das E-Portfolio von zwei unterstützenden Begriffen: Ein ePortfolio Management System (ePMS) unterstützt auf Ebene einer Organisation E-Portfolio-Prozesse, etwa die Entwicklung von Einsatzszenarien aus ihren Zielen und Werten. Ein ePortfolio Organiser (ePO) hilft bei individuellen Lernprozessen, deren Planung und der persönlichen Entwicklung beziehungsweise Identitätsbildung. ePMS und ePO sollen aufeinander bezogen sein.
Der technische Einstieg kann niedrigschwellig mit Textverarbeitung, Präsentationssoftware oder Autorenwerkzeugen erfolgen. Als Beispiele für nutzbare Software nennt der Artikel unter anderem Drupal, Elgg, EPOS, Epsilen, Evernote, Exabis, Factline, Fronter, H5P-Inhalttyp Portfolio, ILIAS, Mahara, Movable Type, OpenOLAT, OLAT, Pebblepad, Sakai, Taskstream, Wakelet und WordPress.
Grundtypen
Reflexionsportfolios umfassen Lernportfolios und Beurteilungsportfolios. Beim Lernportfolio steht die Entwicklung des Erstellers im Mittelpunkt. Eigentümer und Ersteller sind dieselbe Person; sie führt das Portfolio aus eigener Motivation. Typisch sind selbst entwickelte Aufgaben und Übungen, über die der Ersteller reflektiert.
Ein Beurteilungsportfolio dient dagegen der Beurteilung. Seine Lernaufgaben und Bewertungskriterien werden von außen vorgegeben.
Beim Entwicklungsportfolio wird die eigene berufliche Entwicklung beziehungsweise Karriere reflektiert. Diese Darstellung richtet sich vor allem nach außen. Ein Präsentationsportfolio dient ebenfalls der Außendarstellung und kann auf ein Produkt ausgerichtet sein.
Gestaltung eines reifen Portfolios
Challis (2005) beschreibt sechs Kategorien für ein „reifes“ E-Portfolio. Material soll sorgfältig nach Publikum und Thema ausgewählt werden; Beispiele und Illustrationen helfen, unpassende oder triviale Materialien sollen fehlen.
Die Reflexion soll tiefes Verständnis, Entwicklung und Selbstbewusstsein des Erstellers erkennen lassen. Reaktionen anderer werden einbezogen und beantwortet. Die Inhalte sollen über einen bestimmten Zeitraum hinweg Überlegungen zeigen sowie Tiefe und Breite besitzen. Materialien müssen zum Kontext passen; Texte sollen kurz, bündig, in Prosa und akkurat geschrieben sein.
Multimedia kann den Inhalt verbessern, wenn es angemessen ist und nicht ablenkt. Audio- und Videodateien sollen nur in hoher Qualität verwendet werden. Das Erscheinungsbild soll ordentlich sein; Abbildungen sollen zum Zweck des Portfolios und zu seinem Ersteller passen, ablenkende Elemente fehlen und Verbindungen fertiggestellt sein. Die Navigation soll intuitiv sein, eigene Wege ermöglichen und alles verlinken.
Arbeitsprozess und europäischer Zusammenhang
Die Portfolioarbeit lässt sich als Spirale aus fünf Prozessen darstellen. Erstens klären Lernender und Betreuer gemeinsam Zielsetzung und Kontext; diese Ziele werden schriftlich im Portfolio festgehalten und schaffen einen Bezugspunkt. Zweitens werden Artefakte gesammelt, ausgewählt und mit dem Lernziel verknüpft. Drittens reflektiert und steuert der Lernende seinen Lernprozess: Er legt Reflexionen dar, hinterfragt Leistungen kritisch und vergleicht seine Position mit den Zielen.
Viertens werden E-Portfolio-Artefakte präsentiert und weitergegeben. Eine Zusammenfassung macht Informationen für Dritte zugänglich, sodass diese den Kompetenzaufbau betrachten können. Fünftens werden Lernprozess und Kompetenzaufbau als Ganzes bewertet und evaluiert.
Das ursprüngliche EIfEL (European Institute for E-Learning), das E-Portfolios stark förderte, ging in das eigenständige European E-learning Institute (EUEI) mit Sitz in Dänemark über; dieses ist breiter auf digitales Lernen ausgerichtet. Europortfolio wollte innovative Praktiken und Technologien fördern, Dimensionen des Lernens verbinden sowie zu technischen Standards und zur Kompatibilität von E-Portfolios mit ähnlichen Technologien und Services beitragen. Es wurde durch den Europass abgelöst.