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Landesgymnasium für Hochbegabte Schwäbisch Gmünd

Musical, Kunst, Chöre, Band, Orchester, Musikunterricht, Creative Writing; Sportliche Addita: z. B. Basketball, Fußball, Tanzen, Klettern, Volleyball …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Zielsetzung
  2. 2. Aufnahme und Zusammenleben auf dem Campus
  3. 3. Unterricht, Kurse und Lernverträge
  4. 4. Addita und sprachlich-fachliche Profile
  5. 5. Internat, Beratung und Kosten
  6. 6. Förderangebote, Forschung und Wettbewerbe

Überblick und Zielsetzung

Das Landesgymnasium für Hochbegabte Schwäbisch Gmünd (LGH) ist ein staatliches Gymnasium mit Internat zur Förderung hochbegabter junger Menschen in Baden-Württemberg. Es wurde 2004 gegründet und nahm im Schuljahr 2004/2005 zunächst mit den Klassenstufen 7 und 10 den Betrieb auf. Im Schuljahr 2024/2025 hatte die Schule 240 Schülerinnen und Schüler sowie 52 Lehrkräfte; das LGH kann höchstens 288 Schülerinnen und Schüler aufnehmen. Die maximale Klassenstärke beträgt 24.

Träger ist der Schulverband Landesgymnasium für Hochbegabte Schwäbisch Gmünd, dem die Stadt Schwäbisch Gmünd und der Ostalbkreis angehören. Die Schule befindet sich im Universitätspark 21 in Schwäbisch Gmünd. Schule und Internat folgen einem angelsächsisch inspirierten Campusmodell und bilden eine pädagogische Einheit. Das LGH ist nach dem Landesgymnasium Sankt Afra das zweite entsprechende Gymnasium der Hochbegabtenförderung in Deutschland.

Das Leitbild verfolgt das Ziel, hochbegabten jungen Menschen die positive Entfaltung ihrer Talente zu ermöglichen. Gefördert werden sollen nicht nur intellektuelle Leistungen, sondern auch die ganzheitliche Persönlichkeitsentwicklung und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Als Leitspruch dient ein Zitat des Psychologen William Stern: „Intelligenz an sich ist ein Rüstzeug: Wertvoll wird sie erst durch die positiven Ziele, in deren Dienst sie verwandt wird.“

Aufnahme und Zusammenleben auf dem Campus

Voraussetzungen für die Aufnahme sind eine in drei Stufen getestete hohe Begabung, eine Bewerbung mit Motivationsschreiben des Kindes und der Eltern sowie hohe soziale Kompetenz. Ein Intelligenztest bildet die Grundlage für weitere Tests und Beurteilungen. Die soziale Kompetenz wird an Projekttagen geprüft: Bewerberinnen und Bewerber verbringen diese im Internat und bearbeiten in Gruppen verschiedene Projekte.

Wer die Aufnahmetests besteht, wird zunächst für ein halbes Jahr in eine Probephase aufgenommen. Danach wird über den endgültigen Verbleib entschieden. Übersteigt die Zahl der erfolgreichen Bewerberinnen und Bewerber die Zahl der Plätze, werden Schülerinnen und Schüler aus Baden-Württemberg bevorzugt.

Der Internatsbesuch war bis zum Ende des Schuljahres 2007/08 verpflichtend. Durch einen Ministerratsbeschluss wurde diese Pflicht aufgehoben; seit 2008/09 werden auch externe Schülerinnen und Schüler in jede Klasse aufgenommen. Sie sollen dennoch aktiv am Campusleben teilnehmen. Mit zunehmendem Alter erhalten Selbstorganisation und Freiräume mehr Gewicht. Die damit verbundenen Lerngelegenheiten sollen demokratisches Zusammenleben und die Übernahme von Verantwortung fördern.

Die Schülermitverantwortung (SMV) hat eine große Bedeutung. Schülerinnen und Schüler können demokratische Prozesse in Gremien mitgestalten, vom Schülerrat bis zum LGH-Rat, dem Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte sowie Schul- und Internatsleitung angehören. Schüler- und Stufensprecher werden direkt von den Schülerinnen und Schülern gewählt. Sie vertreten die Schülerschaft und helfen, regelmäßige Veranstaltungen, Aktionen und Initiativen umzusetzen.

Unterricht, Kurse und Lernverträge

In den Klassen 7 bis 10 ist das Schuljahr in Trimester gegliedert; in der Kursstufe sind nach dem Schulgesetz Semester vorgeschrieben. In Mathematik und Fremdsprachen findet der Unterricht in Kursen statt, die nach dem Kenntnisstand gestaffelt sind. Dadurch können Schülerinnen und Schüler bei Lücken Kurse wiederholen oder bei großem Vorsprung überspringen.

Wer auch im höchsten Kurs eines Fachs unterfordert ist, kann mit der Fachlehrkraft einen Lernvertrag schließen. Dabei entfällt die regelmäßige Teilnahme am Unterricht. Die Schülerin oder der Schüler verpflichtet sich jedoch, Unterrichtsinhalte und weitergehenden Stoff selbstständig zu erarbeiten; meist gehören eigenständige Hausarbeiten dazu. Lernverträge sind in allen Fächern möglich. Zusätzlich kann neben dem Unterricht ein Frühstudium an einer Partneruniversität des LGH absolviert werden.

Der Unterricht ist weniger kompakt organisiert als an üblichen Gymnasien und enthält deutlich mehr Hohlstunden. Das Konzept geht davon aus, dass Schülerinnen und Schüler diese Zeit zur selbstständigen Weiterbildung nutzen. Bis zur Oberstufe werden die einzelnen Kurse mit geringerer Stundenzahl als an gewöhnlichen Gymnasien durchlaufen. Ergänzt wird der Unterricht durch Addita. Die im Artikel genannten Abiturnotendurchschnitte betragen 1,5 im Jahr 2007, 1,6 im Jahr 2020 und 1,4 im Jahr 2022. 2020 erreichten 12 Schülerinnen und Schüler, 2022 22 Schülerinnen und Schüler den Schnitt 1,0.

Addita und sprachlich-fachliche Profile

Addita sind Aktivitäten über den normalen Unterricht hinaus und ein wichtiger Teil des Schulkonzepts. In den Klassen 7 bis 10 müssen drei Addita besucht werden. Es gibt kognitive Addita, etwa Staatsphilosophie, ChemTech, NUGI+ in Biologie, iLab in Informatik, SIGMA in Mathematik oder Elementarteilchenphysik. Musisch-künstlerisch-praktische Addita umfassen beispielsweise Musical, Kunst, Chöre, Band, Orchester, Musikunterricht und Creative Writing. Zu den sportlichen Addita gehören unter anderem Basketball, Fußball, Tanzen, Klettern, Volleyball, Badminton und Turnen. Manche Addita werden von Lehrkräften geleitet; bei Schüleraddita übernehmen Schülerinnen und Schüler die Leitung und werden von einer Lehrkraft unterstützt.

Wer in Klasse 7 aufgenommen wird, muss neben Englisch seit mindestens Klasse 6 Französisch oder Latein gelernt haben. In Klasse 8 kommt verpflichtend eine weitere Fremdsprache hinzu: Italienisch, Altgriechisch, Russisch, Französisch, Spanisch oder Latein. In Klasse 9 und 10 sind insgesamt drei Profilfächer zu belegen. Zusätzlich zu Englisch und der zweiten Fremdsprache muss eine dritte Fremdsprache oder Naturwissenschaft und Technik (NWT) gewählt werden.

Eine dritte Fremdsprache oder NWT kann optional durch ein Spitzenadditum ersetzt werden. Dafür sind besondere Leistungen wie Vorträge und Ausarbeitungen erforderlich. Ein Spitzenadditum kann eine weitere Fremdsprache oder ein gewöhnliches Additum sein. Durch das Kurssystem können Schülerinnen und Schüler theoretisch, abhängig vom Stundenplan, bis zu 8 Fremdsprachen lernen. In der Oberstufe stehen Leistungskurse in Englisch, Französisch, Spanisch, Latein, Geschichte, Gemeinschaftskunde, Wirtschaft, Physik, Chemie und Biologie zur Wahl; bei großem Interesse auch in Kunst, Musik und Sport.

Internat, Beratung und Kosten

Im Internat wohnen die Schülerinnen und Schüler nach Geschlechtern getrennt in Wohngruppen der Mittel- oder Oberstufe. Es gibt drei Internatsgebäude: eines für die Oberstufe sowie je eines für Mittelstufenjungen und Mittelstufenmädchen. Die Aufteilung kann sich wegen der Schülerzahlen ändern. Eine Wohngruppe umfasst fünf bis sechs Doppelzimmer, einen gemeinsamen Wohnraum mit Küchenzeile und ein Bad. In der Mittelstufe betreuen zwei oder drei Lehrkräfte als Mentoren eine Wohngruppe, in der Oberstufe eine Lehrkraft.

Lehrkräfte erfüllen damit eine Doppelfunktion: Sie unterrichten und begleiten die Schülerinnen und Schüler als Mentoren in Schule und Internat. Die meisten Lehrkräfte wohnen in separaten Häusern auf dem Campus. Außerdem wählt jede Schülerin und jeder Schüler einen Gymnasialmentor. Dieser berät und unterstützt bei der Schul- und Lernlaufbahn. Mindestens dreimal pro Schuljahr finden Gespräche zwischen Schüler, Eltern und Gymnasialmentor statt.

Als öffentliches Gymnasium ist der Schulbesuch kostenlos. Für Unterbringung und Verpflegung im Internat werden im Schuljahr 2025/26 elf Raten zu je 670 Euro verlangt. Externe Schülerinnen und Schüler zahlen eine Verpflegungspauschale von 200 Euro. Zuschüsse werden nach den BAföG-Richtlinien gewährt.

Förderangebote, Forschung und Wettbewerbe

Zum LGH gehört das Kompetenzzentrum für Hochbegabtenförderung (KH). Es hat interne und externe Aufgaben: Es wirkt bei Auswahl und Beratung der Schülerinnen und Schüler mit, beteiligt sich an Fortbildungen und Erhebungen innerhalb der Schule und ist eine landesweite Anlaufstelle für Fragen der Hochbegabtenförderung. In Abstimmung mit der Schulleitung verantwortet es die Fort- und Weiterbildung der LGH-Lehrkräfte zum Thema Hochbegabung. Das KH dient außerdem als Testzentrum für Universitätszulassungstests wie ACT und TSA. Es berät Schülerinnen und Schüler sowie Eltern in persönlichen und schulischen Angelegenheiten; gegebenenfalls gehört auch psychologische Betreuung dazu. Das LGH beschäftigt zusätzlich eine Schulsozialarbeiterin.

Das Schülerforschungszentrum wurde im Schuljahr 2007/2008 im Gebäude 11 eingeweiht. Es ermöglicht Schülerinnen und Schülern des LGH und anderer Schulen in Schwäbisch Gmünd erste Forschungsarbeiten, zum Beispiel in einem gentechnischen S1-Labor. Zu seinen Einrichtungen gehören ChemTech für Chemie, NUGI+ für Biologie, iLab für Informatik, SIGMA für Mathematik und die Technology Student Association (TSA).

Schülerinnen und Schüler nehmen regelmäßig an Wettbewerben wie Jugend forscht, Jugend musiziert, Debating, Landes- und Bundeswettbewerb Mathematik, Bundeswettbewerb Fremdsprachen und TSA teil. 2011 und 2012 gehörten Teilnehmende des LGH bei Jugend forscht zu den Gewinnern. 2011 gewann ein Schüler bei der International Junior Science Olympiade in Durban eine Goldmedaille.

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