Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Kulturelles Gedächtnis

Als kulturelles Gedächtnis bezeichnen die deutschen Kulturwissenschaftler Aleida Assmann und Jan Assmann „die Tradition in uns, die über Generationen, …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Bedeutung
  2. 2. Kommunikatives und kulturelles Gedächtnis
  3. 3. Tradition, Wiederholung und Formen der Weitergabe
  4. 4. Medien, Bildung und Kunst

Begriff und Bedeutung

Als kulturelles Gedächtnis bezeichnen Aleida Assmann und Jan Assmann die „Tradition in uns“: Texte, Bilder und Riten, die durch Wiederholung über Generationen, Jahrhunderte oder teilweise Jahrtausende gefestigt sind. Sie prägen Zeit- und Geschichtsbewusstsein sowie Selbst- und Weltbild.

Das kulturelle Gedächtnis gehört zum kollektiven Gedächtnis, also zu Erinnerungen und Überlieferungen, die eine Gemeinschaft teilt. Aby Warburg verwendete dafür bereits den Ausdruck soziales Gedächtnis; Maurice Halbwachs prägte die Bezeichnung mémoire collective. Davon unterscheidet sich Carl Gustav Jungs stärker psychologisch und biologisch verstandene Lehre vom kollektiven Unbewussten, das sich besonders in Träumen und gemeinsam geteilten Mythen zeigen soll.

Kommunikatives und kulturelles Gedächtnis

Kommunikatives Gedächtnis und kulturelles Gedächtnis sind die beiden Bestandteile des kollektiven Gedächtnisses. Das kommunikative Gedächtnis beruht auf mündlicher Überlieferung. Es reicht über die vorangegangenen drei Generationen, nach Assmann ungefähr 80 Jahre, ist alltagsnah und an bestimmte Gruppen gebunden.

Das kulturelle Gedächtnis umfasst dagegen den archäologischen und schriftlichen Nachlass der Menschheit und bezieht sich auf eine mythische Urzeit. Es wird mündlich, schriftlich, normativ und narrativ weitergegeben. Normativ bedeutet dabei, dass Überlieferungen Regeln oder verbindliche Orientierung vermitteln; narrativ bedeutet, dass sie in erzählender Form vermittelt werden.

Tradition, Wiederholung und Formen der Weitergabe

Im Unterschied zum kommunikativen Gedächtnis besitzt das kulturelle Gedächtnis ein höheres Maß an Formalität und Geformtheit. Seine zentralen Begriffe sind Tradition und Wiederholung. Überlieferte Inhalte werden also in festen Formen bewahrt und wiederholt.

In oralen Gesellschaften, deren Überlieferung nicht vor allem schriftlich erfolgt, geben Gedächtnisexperten das kulturelle Gedächtnis weiter. Sichtbar wird es auch in Gedenktagen und religiösen Festen.

Medien, Bildung und Kunst

Aleida Assmann betont die Rolle von Medien als „externe Speichermedien und kulturelle Praktiken“. Verändert sich ihr Entwicklungsstand, verändert sich notwendigerweise auch die Verfasstheit des Gedächtnisses.

Einzelne Menschen erwerben kulturelles Gedächtnis als Bildungsbesitz. Es schafft ein Bewusstsein für die uranfängliche vertikale Verankerung geistigen Lebens und kann einen Lebensentwurf nach historischen, religiösen, mythischen oder philosophischen Vorbildern sinnstiftend ermöglichen. Selbst ein unreflektiert gelebtes Schicksal kann aus dieser Sicht als Kulturprodukt und Wiederholung erklärt werden.

Zugleich bildet kulturelles Gedächtnis einen Fundus kunsttauglicher Themen und Motive. Kunstwerke greifen diese tradierten Inhalte auf und gestalten sie jeweils neu.

Lernvideos zu Kulturelles Gedächtnis

Weiterlesen