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Klassik Stiftung Weimar

Stiftung Weimarer Klassik, Staatliche Kunstsammlungen zu Weimar, Nationale Forschungs- und Gedenkstätten der klassischen deutschen Literatur in Weimar.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Aufgabe
  2. 2. Entstehung und historische Entwicklung
  3. 3. Kunstsammlungen und Verluste in der NS-Zeit
  4. 4. Organisation, Finanzierung und Strategie
  5. 5. Welterbe, digitale Angebote und Einrichtungen

Überblick und Aufgabe

Die Klassik Stiftung Weimar, abgekürzt KSW und in Eigenschreibweise Klassik Stiftung Weimar, ist eine gemeinnützige Stiftung des öffentlichen Rechts mit Sitz in Weimar. Sie wurde am 1. Januar 2003 vom Freistaat Thüringen gegründet. Ihr Zweck ist die Erhaltung historischer Stätten in Weimar. Nach der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und vor der Kulturstiftung des Bundes in Halle gilt sie als zweitgrößte Kulturstiftung Deutschlands.

Die Stiftung betreut ein großes Ensemble aus über 27 historischen Museen, Schlössern, Gärten und Forschungseinrichtungen in und um Weimar. Dazu gehören besonders bekannte Orte wie Goethes Wohnhaus, Schillers Wohnhaus, die Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek sowie das Goethe- und Schiller-Archiv. Damit verbindet die Stiftung Aufgaben der Denkmalpflege, Museumsarbeit, Forschung, Bildung und kulturellen Vermittlung.

Entstehung und historische Entwicklung

Die heutige Klassik Stiftung Weimar entstand am 1. Januar 2003 durch den Zusammenschluss der Stiftung Weimarer Klassik mit den Staatlichen Kunstsammlungen zu Weimar. Die Stiftung Weimarer Klassik war die Nachfolgerin der 1953 gegründeten Nationalen Forschungs- und Gedenkstätten der klassischen deutschen Literatur in Weimar. Zunächst hieß die neue Einrichtung Stiftung Weimarer Klassik und Kunstsammlungen; seit 2006 trägt sie ihren heutigen Namen.

Die Wurzeln der Stiftung reichen bis in das Jahr 1885 zurück. Damals wurden das Goethe-Nationalmuseum und das Goethe- und Schiller-Archiv gegründet. Nach der Bildung des Landes Thüringen gingen das Goethe-Nationalmuseum, weitere Gebäude der klassischen Zeit in Weimar und die Weimarer Schlösser in das Eigentum des Landes über. In den 1920er-Jahren wurden dem Goethe-Nationalmuseum weitere Gebäude zugeordnet. Ebenfalls 1918 entwickelten sich die Staatlichen Kunstsammlungen zu Weimar aus dem ehemaligen Fürstenbesitz.

1953 wurden die Einrichtungen, mit Ausnahme der Staatlichen Kunstsammlungen zu Weimar, als Nationale Forschungs- und Gedenkstätten der klassischen deutschen Literatur in Weimar, kurz NFG, vereinigt. Dazu gehörten unter anderem Schillers Wohnhaus, Goethes Gartenhaus, das Wittumspalais und das Kirms-Krackow-Haus. Später kamen weitere Orte hinzu, darunter 1954 die Dornburger Schlösser, 1956 das Nietzsche-Archiv, 1961 Schloss Ettersburg, 1968 die thüringische Landesbibliothek, später der Park an der Ilm, Schloss und Park Tiefurt sowie Belvedere. 1969 wurde die Landesbibliothek in Zentralbibliothek der deutschen Klassik umbenannt; seit 1991 heißt sie Herzogin Anna Amalia Bibliothek.

Nach der Wiedervereinigung wurden 1991 die Einrichtungen und Sammlungen der Nationalen Forschungs- und Gedenkstätten in die neu gegründete Stiftung Weimarer Klassik überführt.

Kunstsammlungen und Verluste in der NS-Zeit

Die Staatlichen Kunstsammlungen zu Weimar wurden 1919 gegründet. Sie entstanden vor allem in den Jahren 1922 bis 1928 aus den Museen und Sammlungsbeständen des abgedankten großherzoglichen Hauses Sachsen-Weimar und Eisenach. Seitdem wurden die historischen Bestände durch Schenkungen, Ankäufe und Leihgaben erweitert. Dadurch schlossen die Sammlungen auch an zeitgenössische Kunstentwicklungen an.

Ein wichtiger Einschnitt war das Jahr 1937. In der nationalsozialistischen Aktion „Entartete Kunst“ wurde aus der Sammlung des Schlossmuseums eine große Zahl von Werken beschlagnahmt. Betroffen waren unter anderem Arbeiten von Otto Dix, Lyonel Feininger, Wassily Kandinsky, Ernst Ludwig Kirchner, Paul Klee, Käthe Kollwitz, August Macke, Franz Marc, Edvard Munch, Emil Nolde, Oskar Schlemmer und Karl Schmidt-Rottluff. Viele der beschlagnahmten Werke wurden vernichtet.

Organisation, Finanzierung und Strategie

Die Klassik Stiftung Weimar ist eine gemeinnützige Stiftung des öffentlichen Rechts. Ihre Kernaufgaben und ihre Organisation werden durch das Thüringer Gesetz über die Klassik Stiftung Weimar von 2009 bestimmt. Wichtige Grundsatzentscheidungen trifft ein Stiftungsrat, soweit sie nicht durch das Gesetz dem Präsidium oder der Präsidentin beziehungsweise dem Präsidenten übertragen sind.

Von 2001 bis zum 31. Juli 2019 war Hellmut Seemann Präsident der Stiftung. Seit dem 1. August 2019 leitet Ulrike Lorenz, die frühere Direktorin der Kunsthalle Mannheim, die Klassik Stiftung Weimar. Der Stiftungsrat besteht aus neun Mitgliedern. Vertreten sind unter anderem Landes- und Bundesministerien, die Stadt Weimar, das Haus Sachsen-Weimar und Eisenach sowie der wissenschaftliche Beirat.

Die öffentlichen Zuwendungen werden über Finanzierungsabkommen geregelt. Für das Jahr 2011 beliefen sie sich auf 19,74 Millionen Euro. Hinzu kamen rund 3,5 Millionen Euro eigene Einnahmen sowie weitere Drittmittel für zusätzliche Projekte. 2014 wurde beschlossen, dass die Stiftung über 25 Jahre weitere 14 Millionen Euro von Bund und Ländern erhalten soll, um kommentierte Online-Ausgaben zu Goethes Leben und Werk zu erstellen. Dafür wurde die Forschungsgruppe Propyläen gegründet. Die Stiftung beschäftigte nach Stand Januar 2017 etwa 400 Mitarbeiter; für 2019 werden 384 Beschäftigte und ein Umsatz von 34.800.000 Euro genannt.

2008 legten der Bund und das Land Thüringen ein Sonderinvestitionsprogramm mit rund 150 Millionen Euro auf. Es dient großen Projekten im Rahmen des Masterplans Kosmos Weimar. Dazu gehören der Wiederaufbau der durch den Brand 2004 zerstörten Buchbestände der Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek, die Sanierung des Goethe- und Schiller-Archivs, die Restaurierung von Handschriften, ein zentrales Kunstdepot mit vorgesehenen Baukosten von 10 Millionen Euro und ein neues Bauhaus-Museum. Außerdem soll das Stadtschloss Weimar zum Zentrum der Stiftung ausgebaut werden. Die Werkstatt für Papierrestaurierung gilt als bundesweit führend auf ihrem Fachgebiet.

Der Wissenschaftsrat empfahl 2004 eine Strukturkommission, die ein Konzept für eine organisatorische und inhaltliche Neustrukturierung entwickeln sollte. 2005 stimmte der Wissenschaftsrat den Empfehlungen dieser Kommission zu. 2010 wurde die Umsetzung erneut extern evaluiert; die Bewertungsgruppe besuchte die Stiftung am 18. und 19. Oktober 2010. Die wissenschaftspolitische Stellungnahme wurde 2011 beraten und verabschiedet.

Seit Ulrike Lorenz 2019 die Leitung übernahm, arbeitet die Stiftung an einer strategischen Neuausrichtung. Ende 2020 gab sie sich ein neues Leitbild. Darin steht das Ziel, nicht nur die Vergangenheit zu erforschen, sondern auch die Gegenwart aktiv mitzugestalten und Zukunftsvisionen zu entwerfen. Mit dem Themenjahr 2021 „Neue Natur“ begann eine neue Programmarchitektur, bei der Jahresthemen die Veranstaltungs- und Ausstellungsplanung prägen.

Welterbe, digitale Angebote und Einrichtungen

Mehrere Bestände und Orte der Klassik Stiftung Weimar haben internationale Bedeutung. 1998 nahm die UNESCO das Ensemble Klassisches Weimar in die Welterbeliste auf. Es umfasst mehrere Weimarer Gebäude und Parkanlagen, von denen der größte Teil zur Stiftung gehört. 2001 wurde der gesamte handschriftliche Nachlass Goethes, der im Goethe- und Schiller-Archiv aufbewahrt wird, in das UNESCO-Register Memory of the World aufgenommen. Mit dem Haus Am Horn ist die Stiftung außerdem Teil des UNESCO-Welterbes Bauhaus und seine Stätten in Weimar, Dessau und Bernau.

Zu den digitalen Angeboten der Stiftung gehören virtuelle Ausstellungen, 360°-Rundgänge und die mobile App Weimar+. Die App entstand 2019 zur Eröffnung des Bauhaus-Museums Weimar und hieß zunächst Bauhaus+. Damals begleitete sie die neue Dauerausstellung. Im Zusammenhang mit dem Themenjahr 2021 „Neue Natur“ wurde sie weiterentwickelt und in Weimar+ umbenannt.

Zu den Einrichtungen in Weimar gehören unter anderem das Goethe-Nationalmuseum mit Goethes Wohnhaus, das Bauhaus-Museum Weimar, das Musterhaus Am Horn, das Stadtschloss Weimar, Schillers Wohnhaus und Schiller-Museum, das Neue Museum Weimar, das Wittumspalais, der Park an der Ilm mit Goethes Gartenhaus, Römischem Haus, Parkhöhle und Pogwisch-Haus, außerdem das Liszt-Haus, das Haus Hohe Pappeln, Schloss, Park und Orangerie Belvedere, Schloss und Park Tiefurt, das Nietzsche-Archiv, die Fürstengruft und das Kassengewölbe auf dem Jacobsfriedhof.

In der Thüringer Umgebung gehören unter anderem das Wielandgut Oßmannstedt, Schloss und Park Ettersburg, Schloss Kochberg mit Park und Liebhabertheater sowie das Schiller-Museum Bauerbach zur Stiftung. Als wissenschaftliche Einrichtungen und Sammlungen nennt der Artikel die Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek, das Goethe- und Schiller-Archiv, das Kolleg Friedrich Nietzsche, die Graphischen Sammlungen, das Naturwissenschaftliche Kabinett im Goethe-Nationalmuseum, die Kutschensammlung im Kutschenmuseum Auerstedt und das Zentrum für Klassikforschung. Außerdem bestehen Verbindungen zu mehreren Förder- und Freundeskreisen sowie zu Unternehmen wie der Museumshop GmbH Weimar und der SALVE Service GmbH.

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