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Katharina Zweig

Katharina Anna Zweig, geborene Lehmann (* 22. Mai 1976 in Hamburg), ist eine deutsche Informatikerin. Sie leitet als Universitätsprofessorin am Fachbereich …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Person und Bedeutung
  2. 2. Ausbildung und beruflicher Weg
  3. 3. Forschung und gesellschaftliche Positionen
  4. 4. Auszeichnungen und wichtige Schriften

Person und Bedeutung

Katharina Anna Zweig, geborene Lehmann, (* 22. Mai 1976 in Hamburg) ist eine deutsche Informatikerin. Als Universitätsprofessorin am Fachbereich Informatik der RPTU in Kaiserslautern leitet sie das Algorithm Accountability Lab. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit steht die Frage, wie Algorithmen gesellschaftlich verantwortbar entwickelt, geprüft und eingesetzt werden können.

Ihr Hauptforschungsgebiet ist „Network Analysis Literacy“. Damit ist die Entwicklung und Vermittlung von Methoden gemeint, mit denen komplexe Netzwerke analysiert und ihre Ergebnisse verständlich erklärt werden können. Seit 2016 beschäftigt sie sich außerdem mit „Algorithm Accountability“, also der Rechenschaftspflicht und überprüfbaren Verantwortung von Algorithmen. Als Wissenschaftskommunikatorin erklärt sie komplexe Zusammenhänge und die Auswirkungen künstlicher Intelligenz auf die Gesellschaft für eine fachfremde Allgemeinheit.

Ausbildung und beruflicher Weg

Zweig studierte an der Universität Tübingen zunächst Biochemie mit den Nebenfächern Physikalische Chemie und Physiologie und schloss dieses Studium 2001 mit einem Diplom ab. Fünf Jahre später beendete sie dort zusätzlich ihr Studium der Bioinformatik. 2007 wurde sie in der theoretischen Informatik bei Michael Kaufmann promoviert. Ihre Dissertation trug den Titel „Local Behavior and Global Structures in the Evolution of Complex Networks“.

Mit einem Stipendium der Leopoldina arbeitete sie anschließend eineinhalb Jahre als Postdoc in der Gruppe von Tamás Vicsek an der Eötvös-Loránd-Universität in Budapest im Bereich Statistische Biophysik. Danach leitete sie an der Universität Heidelberg am Interdisziplinären Zentrum für wissenschaftliches Rechnen eine Nachwuchsgruppe zu „Graphentheorie und Analyse komplexer Netzwerke“.

Seit 2012 leitet sie an der damaligen TU Kaiserslautern eine Arbeitsgruppe mit demselben Schwerpunkt, die später in Algorithm Accountability Lab umbenannt wurde. Sie gestaltete dort federführend den Studiengang Sozioinformatik. Dieser untersucht die Auswirkungen der Digitalisierung auf Individuum, Organisation und Gesellschaft. Von 2013 bis 2018 war sie Junior-Fellow der Gesellschaft für Informatik.

2016 gründete sie mit Lorena Jaume-Palasí, Lorenz Matzat und Matthias Spielkamp die Plattform AlgorithmWatch; dort ist sie nicht mehr aktiv. 2018 wurde sie als Sachverständige in die Enquete-Kommission „Künstliche Intelligenz – Gesellschaftliche Verantwortung und wirtschaftliche, soziale und ökologische Potenziale“ des Deutschen Bundestags berufen. 2020 gründete sie mit Karen Joisten und anderen an der TU Kaiserslautern das CEDIS-Zentrum (Center for Ethics and the Digital Society). Es dient der Grundlagenforschung zu Ethik und Digitalisierung, dem Transfer von Erkenntnissen zur vertrauenswürdigen Gestaltung und Nutzung von KI-Systemen sowie der Beratung von Regierungen und Verwaltungen.

Forschung und gesellschaftliche Positionen

Zweigs Forschung befasst sich hauptsächlich mit der Methodenentwicklung und Methodenanalyse in der komplexen Netzwerkanalyse. Komplexe Netzwerke sind Beziehungsstrukturen, deren Elemente und Verbindungen untersucht werden. Seit 2016 wurde dieser Schwerpunkt auf Algorithm Accountability erweitert.

Zweig bezeichnet Ergebnisse von Algorithmen, die Menschen klassifizieren, als „entseelte Entscheidungen“, wenn die Algorithmen nicht von Anfang an einer rigorosen Qualitätskontrolle unterworfen werden. Sie fordert eine Ethik für Algorithmen und einen erweiterten Datenschutz für relationale Informationen, also für Informationen über Beziehungen zwischen Personen oder anderen Elementen. Zugleich äußert sie sich kritisch zur Umsetzung des Rechts auf Vergessen. Ihre Arbeit verbindet damit Informatik, gesellschaftliche Verantwortung, Datenschutz und die ethische Gestaltung künstlicher Intelligenz.

Auszeichnungen und wichtige Schriften

Zu den Auszeichnungen und Ehrungen gehören:

  • 2013: Junior-Fellow der Gesellschaft für Informatik
  • 2014: Digitaler Kopf im Rahmen des Wissenschaftsjahres „Die digitale Gesellschaft“
  • 2017: Ars legendi-Fakultätenpreis für Ingenieurwissenschaften und Informatik
  • 2018: Theodor-Heuss-Medaille gemeinsam mit den anderen Mitgründern von AlgorithmWatch
  • 2019: Communicator-Preis
  • 2020: KI-Botschafter des Landes Rheinland-Pfalz
  • 2022: Abt Jerusalem-Preis für herausragende wissenschaftliche Beiträge zum Dialog der Geistes-, Natur- und Technikwissenschaften
  • 2024: GDD-Datenschutzpreis
  • 2025: Bundesverdienstkreuz 1. Klasse

Zu ihren wissenschaftlichen und allgemeinverständlichen Veröffentlichungen gehören „Network Analysis Literacy“ (2016), „Ein Algorithmus hat kein Taktgefühl. Wo künstliche Intelligenz sich irrt, warum uns das betrifft und was wir dagegen tun können“ (2019), „Sozioinformatik: Ein neuer Blick auf Informatik und Gesellschaft“ (2021), „Die KI war’s! Von absurd bis tödlich: Die Tücken der künstlichen Intelligenz“ (2023) und „Weiß die KI, dass sie nichts weiß?“ (2025). Außerdem war sie unter anderem Herausgeberin von „Algorithmics of Large and Complex Networks“ (2009) und den „Proceedings of the first workshop on Socioinformatics“ (2014). 2025 wurde „Weiß die KI, dass sie nichts weiß?“ vom Handelsblatt unter die 10 wichtigsten Wirtschaftsbücher des Jahres gewählt.

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