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Kartengestaltung

Die Gestaltung von kartografischen Produkten umfasst alle Schritte zur bestmöglichen Darstellung der Sachverhalte je nach Thema, Ausgabeart und Nutzergruppe …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Ziel der Kartengestaltung
  2. 2. Planung und Umsetzung thematischer Karten
  3. 3. Anforderungen an Karten für den Unterricht
  4. 4. Kartengestaltung als Kommunikationsprozess

Grundidee und Ziel der Kartengestaltung

Kartengestaltung umfasst alle Schritte, die eine möglichst gute Darstellung von Sachverhalten ermöglichen. Welche Gestaltung geeignet ist, hängt vor allem vom Thema, von der Ausgabeart und von der vorgesehenen Nutzergruppe ab. Berücksichtigt werden sowohl die inhaltliche Konzeption als auch die grafische Ausgestaltung.

Bei amtlichen Kartenwerken sind Planung und Umsetzung stark reglementiert. Die thematische Kartografie bietet dagegen größeren Gestaltungsspielraum. Dadurch ist jedoch für jede Karte eine sorgfältige Konzeption erforderlich. Eine thematische Karte soll räumlich bezogene Inhalte verständlich und zweckgerecht vermitteln oder durch die Verbindung verschiedener Inhaltsaspekte neue Erkenntnisse ermöglichen.

Planung und Umsetzung thematischer Karten

Die Entstehung einer thematischen Karte reicht von redaktionellen Vorplanungen über die inhaltliche Konzeption und Datenaufbereitung bis zur grafisch-methodischen Umsetzung. Die einzelnen Schritte müssen nicht immer in derselben Reihenfolge erfolgen.

  • Zuerst wird das Thema geprüft: Die dargestellten Objekte oder Sachverhalte müssen in ihrem räumlichen Bezug sinnvoll darstellbar sein.
  • Die Aussage der Karte wird festgelegt. Sie kann einen vorgegebenen Inhalt vermitteln oder durch die Verknüpfung von Inhaltsaspekten neue Erkenntnisse ermöglichen.
  • Nutzerkreis und Zweck bestimmen, für wen die Karte gedacht ist und welches Ziel sie erfüllen soll.
  • Ausgabemedium und -umfeld werden berücksichtigt. Eine Karte kann gedruckt oder digital erscheinen, allein stehen, Teil eines Kartenwerks sein oder einen Text ergänzen.
  • Darstellungsgebiet und Maßstab werden festgelegt. Dazu gehört die Entscheidung zwischen einer Insel- und einer Rahmenkarte sowie bei kleinen Maßstäben die Wahl eines passenden Kartennetzentwurfs.
  • Die benötigten Daten werden erhoben oder recherchiert, ausgewählt, aufbereitet und gegebenenfalls klassifiziert.
  • Anschließend wird eine passende Darstellungsmethode gewählt. Sie hängt unter anderem von Thema, Zielaussage, Nutzerkreis, Maßstab, Datenlage und Ausgabemedium ab. Systematiken grafischer Darstellungsmethoden wurden beispielsweise von Arnberger, Imhof, Witt und Salistschew entwickelt und bilden weiterhin eine Grundlage für die Methodik thematischer Karten.
  • Für die räumliche Einordnung der thematischen Inhalte werden geeignete kartografische Grundlagenelemente ausgewählt. Dafür dienen häufig Elemente topografischer Karten oder Grundlagendateien aus GIS-Software. Ihre Auswahl richtet sich nach Kartenaussage, Darstellungsmethodik und Maßstab. Oft werden sie durch Generalisierung, also eine maßstabsbedingte Vereinfachung, bearbeitet.
  • Die Karte wird entsprechend der gewählten Methode umgesetzt. Dabei sind unter anderem grafische Dichte, grafische Ebenen, Farb- und Formassoziationen sowie die Erfassbarkeit wichtig. Auch die Platzierung der Textelemente erfolgt in diesem Schritt.
  • Schließlich werden weitere Kartenbestandteile wie Legende, Maßstabsleiste, Titel und Nordpfeil ausgewählt und passend gestaltet.

Anforderungen an Karten für den Unterricht

Schulkarten sollen lehrplan- beziehungsweise rahmenplangerecht, altersgemäß, übersichtlich und anschaulich sein. Sie sind maßstäblich verkleinerte, vereinfachte und verschlüsselte Draufsichtsabbildungen von Strukturen und Prozessen in Erdräumen. Ihre zentrale Aufgabe besteht darin, die georäumliche Vorstellungsbildung zu fördern und Informationen über georäumliche Komponenten der Natur und der Gesellschaft zu vermitteln.

Schulkarten dienen deshalb nicht in erster Linie lexikalischen Zwecken. Sie sind jedoch Demonstrations-, Kommunikations- und Erkenntnismittel des Unterrichts. Ihre Gestaltung muss stark nutzer- beziehungsweise zielgruppenorientiert sein. Ein Mediendeterminismus nach dem Muster „Hier ist das Produkt – schauen wir mal…“ soll vermieden werden.

Für gedruckte Schulkarten gelten insbesondere folgende Grundsätze:

  • Der Titel nennt sowohl das Darstellungsthema als auch die abgebildete Region.
  • Jede Karte enthält einen Zahlenmaßstab und einen Linearmaßstab beziehungsweise eine Maßstabsleiste, entweder am Kartenrand oder in der Legende.
  • Jede Schulkarte besitzt eine vollständige Legende oder verweist auf eine entsprechende Sammellegende beziehungsweise Generallegende.
  • Inhaltliche und grafische Belastung müssen dem Abstraktions- und Aufnahmevermögen der Zielgruppe entsprechen. Besonders für die unteren Klassenstufen gilt die Faustregel „Weniger ist mehr“.
  • Die Kartengestaltung wird in Inhalt und Grafik stufenweise angelegt, damit sich das Abstraktionsvermögen und die Leistungen bei der Kartennutzung weiterentwickeln können. Als Beispiel wird die Abstufung von Klasse 5 bis Klasse 10 genannt. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit von „Stufenatlanten“; auch Verschleißgründe sprechen für diese Form.
  • Die „Namenplatte“, also die Gesamtheit beziehungsweise Anordnung der Namen in der Karte, muss Wichtiges von Unwichtigem und Bedeutendes von Unbedeutendem grafisch unterscheiden, ohne dass ein umfangreiches Legendenstudium nötig ist.
  • Signaturen, also kartografische Zeichen, sollten möglichst für sich selbst sprechen und nicht ausschließlich mithilfe des „Geheimschlüssels“ der Legende entschlüsselt werden müssen. Signaturen und Farben müssen semantisch, also in ihrer Bedeutung, und optisch deutlich unterscheidbar sein.
  • Zur Förderung von Assoziationen sollen Signaturen möglichst bildhaft gestaltet werden.
  • In der Legende ist eine Signaturengruppenbildung mit Leitfarben und Leitformen zu beachten. Außerdem soll das Prinzip von Primär- und Sekundärsignaturen angewendet werden.
  • Frontale Medien wie Schulwandkarten sollten mit Schülerarbeitsmitteln, etwa Schulatlanten, möglichst im Regionalausschnitt und in der Grundanlage des Zeichenschlüssels übereinstimmen.
  • Frontale Unterrichtsmittel müssen wegen der notwendigen Fernwirkung Wesentliches noch stärker hervorheben. Unwesentliches soll zurücktreten oder entfallen.
  • Die Anordnung der Karten in einem Atlas sollte der regionalen Abfolge des Lehrplans entsprechen. Jede Region beginnt mit Gesamtübersichtsdarstellungen, den Hauptkarten. Danach folgen als Nebenkarten regionale und thematische Beispiele.

Kartengestaltung als Kommunikationsprozess

Bereits auf der IV. Generalversammlung der Internationalen Kartographischen Vereinigung (IKV) im Jahr 1972 wurde die Beziehung zwischen Kartenhersteller und Kartennutzer besonders berücksichtigt. Nur durch diese Beziehung kann bestimmt werden, wie wirksam und leistungsfähig die Informationen einer Karte für unterschiedliche Gruppen von Kartennutzern sind.

Kartengestaltung und Kartennutzung wirken wechselseitig aufeinander ein. Beide sind gleichrangige Bestandteile des kartografischen Kommunikationsprozesses. Das gilt besonders für die Schulkartografie. Sie muss einerseits altersgemäße Verständlichkeit und eine dem Zweck entsprechende Gestaltung der kartografischen Darstellungsweisen sicherstellen. Andererseits soll sie die Schülerinnen und Schüler zu unterschiedlichen und zunehmend anspruchsvolleren Formen der Kartennutzung befähigen.

Damit bildet die Schulkartografie ein wichtiges Brückenglied zwischen der Schulpraxis als Kartennutzer und der praktischen Kartografie als Kartengestalter. Einzelne Kartenformen und Kartentypen werden im Artikel nicht ausführlich behandelt; dafür wird auf weiterführende Spezialliteratur verwiesen.

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