Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Karl Marcell Heigelin
Karl Marcell Heigelin (* 9. Juni 1798 in Kupferzell-Rüblingen; † 4. August 1833 in Winnenden) war ein deutscher Architekt und Architekturtheoretiker.
Inhalt2 Abschnitte
Architekt, Lehrer und Abgeordneter
Karl Marcell Heigelin (* 9. Juni 1798 in Kupferzell-Rüblingen; † 4. August 1833 in Winnenden) war ein deutscher Architekt und Architekturtheoretiker. Seine Bedeutung liegt vor allem in seiner Tätigkeit als Lehrer und Verfasser von Fachschriften zur Baukunst: Er vermittelte Architekturwissen an angehende Beamte und Fachleute und wirkte an einer wichtigen frühen technischen Bildungseinrichtung in Stuttgart mit.
Nach dem Gymnasium in Stuttgart erhielt Heigelin erste Anleitung in der Baukunst bei Carl Christian von Seeger. Ab 1813 lernte er bei Karl Albrecht Kümmerer (1767–1823), dem Landbaumeister für den Enz- und Neckarkreis. Danach arbeitete er gemeinsam mit seinem Freund Ludwig Zanth als Assistent von Karl Reinhard Ferdinand Fischer (1784–1860), zunächst in Schwäbisch Hall und später in Ellwangen (Jagst).
Von 1820 bis 1822 unternahm Heigelin eine Studienreise. Sie führte ihn zu Georg Moller nach Darmstadt, zu Heinrich Christoph Jussow nach Kassel sowie nach Paris, Lyon, Turin, Rom und Neapel. Von Neapel aus besuchte er Pompei und Paestum; auf der Rückreise hielt er sich in Florenz, Venedig, Vicenza und zuletzt bei Leo von Klenze in München auf. Zu Beginn des Jahres 1823 bestand er in Stuttgart die Staatsprüfung für „bürgerliche und höhere Baukunst“.
Unterricht und Fachschriften
Nach der Prüfung ließ sich Heigelin als Privatdozent für Baukunst in Tübingen nieder. An der Staatswirtschaftlichen Fakultät hielt er Vorlesungen für künftige Finanzbeamte und erteilte außerdem privaten Architekturunterricht. Weil in wirtschaftlich schlechten Zeiten kaum Planungs- und Bauaufträge zu erwarten waren, arbeitete er vor allem publizistisch.
1829 wurde er Hauptlehrer an der neu gegründeten Gewerbeschule in Stuttgart. Dort unterrichtete er deutsche Stilübungen, Kunstgeschichte und Mythologie, Enzyklopädie des Bauwesens, Haus- und Geschäftsbuchführung, beschreibende Geometrie sowie Plan- und Maschinenzeichnen. Auch an der landwirtschaftlichen Unterrichts-, Versuchs- und Musteranstalt in Hohenheim lehrte er. Im Herbst 1832 wurde er provisorischer Vorstand der Gewerbeschule, aus der sich das Stuttgarter Polytechnikum und später die Technische Hochschule Stuttgart entwickelte. Im Juli 1833 erkrankte er an einem heftigen „Nervenfieber“ und starb kurz darauf.
Politisch wurde Heigelin 1831 in Ludwigsburg in den Württembergischen Landtag gewählt. Am 15. Januar 1833 trat er sein Mandat an. Der sogenannte „vergebliche Landtag“ tagte jedoch nur ein einziges Mal und löste sich wieder auf.
Zu Heigelins Schriften gehören „Über den Zusammenhang der Kunst mit Wissenschaft und Leben“ (1823), das „Allgemeine Handbuch der Heizung“ (1827), das „Handbuch der neuesten ökonomischen Bauarten“ (1827) sowie, zusammen mit Ignaz von Jaumann, „Ueber die Erbauung einer neuen Kathedralkirche zu Rottenburg“ (1828). Sein umfangreichstes Werk war das Ludwig Zanth gewidmete „Lehrbuch der höheren Baukunst für Deutsche“ in 3 Bänden (Leipzig 1829–1833). 1831 veröffentlichte er außerdem den „Entwurf einer erweiterten Organisazion der technischen Centralschule zu Stuttgart“.