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Karl Clauss Dietel

Karl Clauss Dietel (* 10. Oktober 1934 in Reinholdshain bei Glauchau; † 2. Januar 2022 in Chemnitz) war ein deutscher Form- und Produktgestalter.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Bedeutung
  2. 2. Ausbildung und beruflicher Weg
  3. 3. Gestaltungsprinzipien
  4. 4. Wichtige Arbeiten und Arbeitsfelder
  5. 5. Rezeption und Erinnerung

Überblick und Bedeutung

Karl Clauss Dietel (* 10. Oktober 1934 in Reinholdshain bei Glauchau; † 2. Januar 2022 in Chemnitz) war ein deutscher Form- und Produktgestalter. Er prägte besonders die Gestaltung industrieller Produkte in der DDR und entwarf unter anderem Fahrzeuge, Rundfunkgeräte, EDV-Anlagen, Schreibmaschinen, Strickmaschinen und architekturbezogene Arbeiten. Seine Bedeutung liegt auch darin, dass er Produkte nicht nur äußerlich formen, sondern auf lange Nutzbarkeit, Reparatur und sich wandelnde Bedürfnisse ausrichten wollte.

Dietel war Professor an der Fachschule für angewandte Kunst Schneeberg, leitete sie von 1986 bis 1990 als Direktor und stand von 1988 bis 1990 als Präsident dem Verband Bildender Künstler der DDR vor. 2014 erhielt er als erster ostdeutscher Gestalter den Bundesdesignpreis für sein Lebenswerk; die Jury schrieb ihm zu, die ostdeutsche Designentwicklung bis zur Jahrtausendwende maßgeblich geprägt zu haben.

Ausbildung und beruflicher Weg

Nach einer Ausbildung zum Maschinenschlosser in Glauchau von 1949 bis 1952 studierte Dietel von 1953 bis 1956 an der Ingenieurschule für Kraftfahrzeugbau Zwickau. Es folgte von 1956 bis 1961 ein Studium an der Hochschule für bildende und angewandte Kunst in Berlin-Weißensee, unter anderem bei Ernst Rudolf Vogenauer. Danach arbeitete er bis 1963 als Formgestalter im VEB Zentrale Entwicklung und Konstruktion für den Fahrzeugbau (ZEK) Karl-Marx-Stadt und anschließend freischaffend.

In seiner Diplomarbeit beurteilte er die Fahrzeuge der DDR aus gestalterischer Sicht negativ: Sie hätten meist das Prädikat „gestaltet“ nicht verdient oder seien als „nicht gestaltet“ zu bewerten. Aus seiner Diplomarbeit für einen Pkw mit rundem Fahrzeugbug und aerodynamisch optimalem Vollheck entstand 1962 der Grundentwurf zum Wartburg 353 für das Automobilwerk Eisenach. Dieser beruhte auf einer Skizze der AWE-Entwicklungsabteilung um Hans Fleischer; die Innengestaltung entwarf Dietel mit Lutz Rudolph.

Von 1967 bis 1975 lehrte Dietel im Honorarauftrag an der Hochschule für industrielle Formgestaltung Halle, Burg Giebichenstein, danach in Schneeberg. Dort wurde er 1984 Professor und nach der deutschen Wiedervereinigung 1992 in dieser Stellung bestätigt. Im Verband Bildender Künstler war er ab 1965 Mitglied, von 1970 bis 1974 Vorsitzender der Sektion Formgestaltung/Kunsthandwerk und seit 1974 Vizepräsident. Am 25. Juni 1981 trat er als Vizepräsident aus Protest gegen die vom Amt für Industrielle Formgestaltung der DDR ausgeübte „Auftragslenkung“ zurück. Nach Willi Sittes Rücktritt wurde er 1988 Präsident und leitete den Verband bis zu dessen Auflösung 1990.

Dietel war Mitglied der SED und der SED-Bezirksleitung Karl-Marx-Stadt. Seit 1959 observierte ihn das MfS, auch im Zusammenhang mit der Galerie und Künstlergruppe Clara Mosch; nach seinem Rücktritt 1981 wurde die Beobachtung zu einem „Operativen Vorgang“.

Gestaltungsprinzipien

Zentral ist Dietels 1967 formuliertes Offenes Prinzip. Es bezeichnet Entwürfe, die Zugang für Austausch, Pflege und Reparatur bieten. Dadurch können technische Neuerungen ebenso an ein Objekt angepasst werden wie veränderte Ansprüche und Vorlieben der Nutzer. Anschaulich verwirklicht wurde das Prinzip bei den Kleinkrafträdern Simson S 50 und S 51.

Zu seinen weiteren Begriffen und Konzepten gehören „Gebrauchspatina“ (1971/72, erstmals in form+zweck veröffentlicht), „Die großen 5 L“ von 1981 — Langlebig, Leicht, Lütt, Lebensfreundlich, Leise —, „Hand und Serielles – Unikat und Serie“ (1983) sowie „Poesie des Funktionalen“ (2000). Sie verdeutlichen seinen Anspruch, Funktion, Alltagstauglichkeit, Dauerhaftigkeit und Gestaltung zusammenzudenken.

Wichtige Arbeiten und Arbeitsfelder

Ein Schwerpunkt war der Fahrzeugbau. Bis 1984 gestaltete Dietel insgesamt sieben Nachfolgemodelle für den Trabant, ab etwa 1965 gemeinsam mit Lutz Rudolph. Vier Fahrzeuge wurden vollständig entwickelt, einschließlich 1:1-Modellen, Windkanaluntersuchungen und Testfahrten mit Musterfahrzeugen, erreichten jedoch keine Serienfertigung. Dazu gehörten der Trabant 603 und weitere kompakte Pkw mit Vollheck. Ein Vollheck ist eine Karosserieform, bei der das Heck als geschlossener, nach hinten auslaufender Aufbau gestaltet ist. Dietel hatte bereits 1963 für den kompakten Vollheck-Pkw plädiert; auch seine Studien zum Wartburg 353 sahen eine Vollheck-Karosserie vor.

Sein Werk umfasste außerdem die Rundfunkgeräte „Heliradio“ mit Lutz Rudolph (1960–1991), die Schreibmaschinen Erika 50/60 und Erika 110/120 (1965–1981), die Schreibmaschine Robotron Cella (1983–1985), Großrechner und Speichertechnik wie R300, R21 sowie ZMB 30 und ZMB 61, Gastromaschinen von Feuma und Flachrundstrickmaschinen von Elite-Diamant. Bei Motorrädern und Kleinkrafträdern arbeitete er unter anderem an Simson-Modellen, am Motor M 531 und an MZ-Modellen. Nach 1990 gestaltete er weiter, etwa das Elektrofahrrad „Cityblitz“ (1991), Maschinen für Terrot und Lasermaschinen Excimer 193-1 (2005).

Neben Produkten entwarf Dietel Architektur, Arbeitsumgebungen, Farb- und Kommunikationskonzepte sowie freie Plastiken. Beispiele sind das Gestaltungsprogramm Karl-Marx-Stadt/Chemnitz von 1969, das FDGB-Heim „Am Fichtelberg“ in Oberwiesenthal, Deckenelemente im Palast der Republik, Arbeiten am Mercure-Hotel Chemnitz sowie der „Raum der Stille“ der Bethanien-Kliniken Chemnitz. Mit Lutz Rudolph gewann er 1996 den ersten Preis im Architekturwettbewerb Stadtpavillon Chemnitz. Er gestaltete außerdem Bauten und Arbeitsumgebungen für Volkswagen in Bratislava und Sachsen sowie weitere Unternehmen.

Rezeption und Erinnerung

Dietels Arbeiten wurden seit 1962 in DDR-Ausstellungen zur „Guten Form“ beziehungsweise „DDR Form“ gezeigt und waren unter anderem Gegenstand der Ausstellungen „Suche nach Gestalt unserer Dinge“ (1985), „Clauss Dietel und Lutz Rudolph – Gestaltung ist Kultur“ (2002/2003), „Clauss Dietel, Sachsen – Fahrzeugformen ab 1961“ (2004/2005) und „simson, diamant, erika – Formgestaltung von Karl Clauss Dietel“ (2021). Werke von ihm befinden sich beispielsweise in den Kunstsammlungen Chemnitz, im Museum für Kommunikation Berlin, im Deutschen Technikmuseum Berlin, im Industriemuseum Chemnitz, im Grassi Museum für Angewandte Kunst Leipzig und in der Pinakothek der Moderne beziehungsweise der Neuen Sammlung.

Zu seinen Auszeichnungen zählen der Nationalpreis der DDR für Kunst und Kultur III. Klasse (1980), der Designpreis DDR im Kollektiv (1984), der Designpreis der Bundesrepublik Deutschland (2014) und das „Goldene Lenkrad“ in Prag/Tschechien (2018). Am 20. Juni 2024 errichtete die Gemeinde Reinholdshain vor seinem Geburtshaus, Wolkenburger Str. 4, einen Gedenkstein mit Metalltafel; eingeweiht wurde er am 21. Juni 2024.

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