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Johannes Huber (Mediziner, 1946)

Johannes Huber (Mediziner, 1946). österreichischer Mediziner, Universitätsprofessor für Endokrinologie und Vorsitzender der österreichischen Bioethik-Kommission.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Fachgebiet
  2. 2. Ausbildung und berufliche Laufbahn
  3. 3. Öffentliches und medizinisches Wirken
  4. 4. Kritik und Kontroversen
  5. 5. Auszeichnungen
  6. 6. Veröffentlichungen

Überblick und Fachgebiet

Johannes Huber (* 31. Mai 1946 in Bruck an der Leitha) ist ein österreichischer Mediziner und Theologe. Er wurde vor allem durch seine Arbeit in der Endokrinologie, Reproduktionsmedizin und Gynäkologie bekannt. Endokrinologie ist das medizinische Fachgebiet, das sich mit Hormonen und hormonell gesteuerten Vorgängen im Körper beschäftigt. Reproduktionsmedizin befasst sich mit Fortpflanzung, Fruchtbarkeit und medizinischer Unterstützung bei Kinderwunsch.

Für das Verständnis seiner Bedeutung ist wichtig, dass Huber sowohl eine theologische als auch eine medizinische Ausbildung hat und in mehreren Bereichen wirkte: als Hochschullehrer und Abteilungsleiter, als Mitglied medizinethischer Gremien, als Autor populärwissenschaftlicher und weltanschaulicher Bücher sowie als öffentliche Stimme in strittigen bioethischen Fragen.

Ausbildung und berufliche Laufbahn

Huber besuchte das Bundesgymnasium Hollabrunn und legte dort 1965 die Matura ab. Danach studierte er katholische Theologie und Medizin an der Universität Wien. 1973 wurde er zum Doktor der Theologie promoviert, 1975 zum Doktor der Medizin. Von 1973 bis 1983 war er einer von zwei persönlichen Sekretären von Kardinal Franz König.

1985 habilitierte sich Huber an der Medizinischen Fakultät der Universität Wien. Seine Habilitationsschrift behandelte „Strukturelle und numerische Chromosomenaberrationen bei gynäkologischen Malignomen“. Eine Habilitation ist eine wissenschaftliche Qualifikation, die in vielen deutschsprachigen Ländern Voraussetzung für eine Professur sein kann. Chromosomenaberrationen sind Veränderungen der Chromosomen, also der Träger der Erbinformation. Gynäkologische Malignome sind bösartige Tumoren im Bereich der Frauenheilkunde.

Von 1992 bis 2011 war Huber Professor und Leiter der klinischen Abteilung für Endokrinologie und Reproduktionsmedizin an der Universität Wien, ab 2004 an der Medizinischen Universität Wien. Von 1995 bis 1996 leitete er provisorisch die gesamte Frauenklinik im Wiener AKH. Zwischen 2001 und 2006 war er Vorsitzender der Bioethik-Kommission. Außerdem war er Mitglied des Obersten Sanitätsrates und korrespondierendes Mitglied des Kuratoriums Alpbach.

Seine Forschungs- und Publikationsschwerpunkte sind Frauengesundheit, Reproduktionsmedizin, Endokrinologie und interdisziplinäre Gynäkologie. Fachlich wird er im Artikel vor allem als Endokrinologe beschrieben.

Öffentliches und medizinisches Wirken

Huber trat nicht nur als Mediziner, sondern auch im Grenzbereich von Wissenschaft, Religion und Ethik hervor. 1978 organisierte er in München unter der Patronanz der Bayerischen Akademie der Wissenschaften ein Symposium zu „Glaube und Wissen“. Gemeinsam mit Oskar Schatz gestaltete er dazu einen Kongressband, der 1980 unter dem Titel „Glaube und Wissen“ bei Herder erschien. Beiträge stammten unter anderem von Viktor Frankl, Golo Mann, Konrad Lorenz, Rupert Riedl und Erich Fromm.

1985 bereitete Huber mit Uli Märkle die Aufführung der Krönungsmesse mit Herbert von Karajan und den Wiener Symphonikern vor. Sie fand im Rahmen eines Pontifikalamtes statt, das Papst Johannes Paul II. zelebrierte.

Als Abteilungsleiter im AKH gründete Huber die erste und einzige Transgender-Ambulanz in Österreich. Eine Transgender-Ambulanz ist eine medizinische Einrichtung für Menschen, deren Geschlechtsidentität nicht mit dem bei Geburt zugewiesenen Geschlecht übereinstimmt, und kann Diagnostik, Beratung und Behandlung anbieten.

In bioethischen Debatten polarisierte Huber. Bei der Diskussion um Patientenverfügungen ging es um die Frage, ob ein Arzt den ausdrücklich festgelegten Willen eines Patienten oder einer Patientin in einer medizinischen Notlage übergehen darf. Huber äußerte zu einem Beispiel einer Frau mit starkem Blutverlust während eines Kaiserschnitts, es würde sehr viel Härte erfordern, Mutter und Kind wegen religiöser Überzeugungen der Familie sterben zu lassen. Nach Inkrafttreten des Patientenverfügungsgesetzes forderte er Verständnis für Kollegen, die sich in solchen Fällen aus Gewissensgründen über den ausdrücklichen Patientenwillen hinwegsetzen, wenn dieser auf einem „theologisch falschen“ Hintergrund beruhe.

In der Diskussion über das Recht auf Leben äußerte Huber Verständnis dafür, Schwangerschaften mit nicht lebensfähigen Kindern jederzeit mit der humansten verfügbaren medizinischen Methode abzubrechen, wenn die Kinder wegen schwerer Beeinträchtigungen spätestens bei der Geburt mit Sicherheit sterben würden.

Kritik und Kontroversen

Huber stand wiederholt in der Kritik, Esoterik und Pseudowissenschaften zu verbreiten. Pseudowissenschaft bezeichnet Aussagen oder Methoden, die wissenschaftlich wirken, aber nach Einschätzung von Kritikern wissenschaftlichen Standards nicht genügen. Esoterik meint hier weltanschauliche oder spirituelle Vorstellungen, die nicht auf allgemein anerkannten wissenschaftlichen Nachweisen beruhen.

Zwischen 2007 und 2010 wurde Huber kritisiert, weil er eine von ihm und einem anderen Arzt entwickelte und kommerziell angebotene Krebstherapie mit nach Darstellung der Kritiker unhaltbaren Heilungsversprechen beworben hatte. Die Süddeutsche Zeitung bezeichnete dies als „Medizinskandal“. Die damalige Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky äußerte scharfe Kritik an den beiden Ärzten. Ulrich H. J. Körtner, Mitglied der Bioethikkommission, nannte Huber „eine Belastung“ für das Gremium.

Im November 2017 wurde Huber für den Negativpreis „Goldenes Brett vorm Kopf“ nominiert, der von der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften vergeben wird. Zur Begründung hieß es, Huber sorge „regelmäßig mit antiwissenschaftlichen Behauptungen für Aufsehen“. In seinen Büchern präsentiere er „eine Vielzahl esoterischer Ideen – von Schutzengeln über magische Auren bis hin zu übersinnlicher Informationsübertragung und die Bedeutung früherer Leben für unser zukünftiges Schicksal“. Huber weist diese Kritik zurück.

Auszeichnungen

Huber erhielt mehrere Auszeichnungen. 2006 bekam er das Große Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich. 2019 wurde ihm die Opilio-Rossi-Medaille für hervorragende Leistungen um das Laienapostolat verliehen. 2023 erhielt er das Goldene Doktordiplom der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien.

Weitere im Artikel genannte Auszeichnungen sind der MenoAward von „Wechselweise“ im Jahr 2024 und der Thomas-Morus-Preis im Jahr 2026.

Veröffentlichungen

Huber veröffentlichte zahlreiche Bücher, die medizinische, religiöse, philosophische und weltanschauliche Themen verbinden. Zu den frühen Titeln gehört „Hormone für die Schönheit“ von 1997. Gemeinsam mit Christian Gruber und Doris Gruber veröffentlichte er 2004 „Länger leben mit den Weisheiten der Klöster“. 2007 erschien „Das Ende des Alterns“, das im Untertitel „medizinische Möglichkeiten der Verjüngung, Stammzellentherapie, Organverjüngung“ nennt.

Weitere Werke behandeln Fragen von Schöpfung, Unsichtbarem, Ganzheitlichkeit, Schicksal und Sinn des Lebens. Beispiele sind „Baupläne der Schöpfung. Hat die Welt einen Architekten?“ mit Walter Thirring von 2011, „Es existiert. Die Wissenschaft entdeckt das Unsichtbare“ von 2016, „Der holistische Mensch“ von 2017, „Woher wir kommen. Wer wir sind. Wohin wir gehen“ von 2018 und „Die Anatomie des Schicksals“ von 2019.

Spätere Veröffentlichungen sind unter anderem „Das Gesetz des Ausgleichs“ von 2020, „Die Kunst des richtigen Maßes“ von 2021, „Wunderwerk Frau“ und „Die Himmelsleiter“ von 2022, „Das Mann-Frau-Geheimnis“ und „Die Datenbank der Ewigkeit“ von 2023 sowie der Roman „Der Seelenheiler“ von 2024. Für 2025 und 2026 werden außerdem „Hirnfit bis 100“ mit Elisabeth Gürtler-Mauthner sowie „Haut und Heilung: Der holistische Mensch und seine Hülle“ mit Elisabeth Gürtler und Florian Gruber genannt.

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