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Jacques Savary
Jacques Savary (* 22. September 1622 in Doué-la-Fontaine; † 7. Oktober 1690 in Paris) war ein französischer Kaufmann und Verwaltungsbeamter und gilt als …
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Bedeutung und Lebensweg
Jacques Savary (* 22. September 1622 in Doué-la-Fontaine; † 7. Oktober 1690 in Paris) war ein französischer Kaufmann und Verwaltungsbeamter. Er gilt als Mitbegründer der Handelswissenschaft, also der systematischen Lehre vom Handel, seinen Regeln und kaufmännischen Verfahren.
Nach dem Tod seines Vaters wurde Savary von seinem Onkel Guillaume Savary in Paris erzogen und zum Kaufmann ausgebildet. Er begann eine Lehre in einer vornehmen Gilde und arbeitete auch bei einem Anwalt und einem Notar. Später war er im Tuchgroßhandel tätig, außerdem als Fabrikant, Verleger und Gutachter. Insgesamt erstellte er 109 Gutachten.
1650 heiratete er Catherine Thomas († 1685), die Tochter des wohlhabenden Pariser Kaufmanns Pierre Thomas. Das Ehepaar hatte 17 Kinder, davon 11 Jungen und 6 Mädchen.
Rolle im Staatsdienst und Handelsrecht
1658 verließ Savary die Wirtschaft und trat auf Empfehlung des Finanzministers Nicolas Fouquet in den Staatsdienst ein. Er wurde Verwalter der königlichen Staatsdomänen, also königlicher Besitzungen und Einnahmequellen.
Nach dem Sturz Fouquets im Jahr 1661 verlor Savary diesen Posten. Außerdem erhielt er erhebliche private Vorschüsse, die er an die Staatskasse geleistet hatte, nicht zurück. Danach arbeitete er wieder als Gutachter. Auf Aufforderung Ludwigs XIV. reichte er zwei Gutachten ein, in denen er Vorschläge zur Abschaffung von Missständen im Handel machte.
Dadurch wurde Wirtschaftsminister Jean-Baptiste Colbert auf ihn aufmerksam. 1667 holte Colbert Savary in die Staatskanzlei Ludwigs XIV. Im Jahr 1670 wurde Savary in das 13 Mitglieder umfassende Reformkomitee berufen, den Conseil de Réforme. Dieses Komitee sollte ein einheitliches französisches Handelsrecht erarbeiten.
Die im März 1673 erschienene Ordonnance de Commerce, eine Handelsordnung, stammt maßgeblich von Savary. Sie wurde deshalb auch „Gesetz von Savary“ oder französisch „Code Savary“ genannt. Auf ihr beruhte später auch das französische Handelsgesetzbuch Code de Commerce von September 1807. Dieses wiederum bildete eine Grundlage für das deutsche Handelsgesetzbuch (HGB) vom Januar 1900. Deshalb weist das HGB laut Artikel auch heute noch Ähnlichkeiten mit dem Code Savary auf.
Wichtige Werke
1675 veröffentlichte Savary, zwei Jahre nach Inkrafttreten der Ordonnance de Commerce, einen systematischen Kommentar zu diesem Gesetz. Das Werk trug den Titel „Le Parfait Négociant“ (deutsch: „Der vollkommene Kauf- und Handelsmann“). Es enthielt den gesamten kaufmännischen und handelswissenschaftlichen Wissensstand der damaligen Zeit und erschien in über 20 Auflagen.
Ein wichtiger Gedanke des Buches war, dass ein Geschäft ohne Ordnung nicht leben könne, selbst wenn alle nötigen Kenntnisse vorhanden seien. Savary behandelte darin ausführlich die Inventur, also die Bestandsaufnahme von Vermögen und Waren, die Arbitrage, also den Vergleich und die Nutzung von Preisunterschieden, sowie die Anschaffungskosten. Diese Themen sollten verhindern, dass sich jemand „reich rechne“.
Savary befasste sich außerdem erstmals systematisch mit dem französischen Wechselrecht. Wechselrecht meint die Regeln zu Wechseln, also schriftlichen Zahlungsversprechen oder Zahlungsanweisungen im Handel. Zudem ordnete er erstmals das Versicherungswesen als Teil der Handelswissenschaft ein. Die zweite Auflage von „Le Parfait Négociant“ erschien 1679 und umfasste bereits 714 Seiten.
Nachwirkung
Savarys Buch „Le Parfait Négociant“ galt als „Fundgrube für alle Wissenschaftler, die sich später des Werkes bedienten“. Es war damit nicht nur ein praktisches Handbuch für Kaufleute, sondern auch ein wichtiges Werk für die spätere wissenschaftliche Beschäftigung mit Handel und Wirtschaft.
1688 veröffentlichte Savary ein weiteres Werk: „Les Parères - ou Avis et Conseils sur les plus importantes Matières de Commerce“, auf Deutsch etwa „Geschäftsregeln – Ratschläge und Anleitung zu den wichtigsten Materialien des Handels“.
Savary entwarf außerdem ein betriebswirtschaftliches Handelslexikon. Es erschien erst nach seinem Tod: Seine Söhne Jacques Savary des Bruslons und Louis-Philémon Savary brachten es 1723 unter dem Titel „Dictionnaire universel de commerce“ heraus. In diesem Werk fand erstmals der Unternehmerbegriff, französisch „entrepreneur“, Eingang in die Fachwelt.