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Iphigenie in Aulis

Dieser Artikel behandelt Euripides' Tragödie Iphigenie in Aulis. Für Adaptionen des Werkes mit demselben Titel siehe Iphigenie (Begriffsklärung). Iphigenie in …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Werk und Grundkonflikt
  2. 2. Opferforderung und Täuschung
  3. 3. Entscheidung und Rettung
  4. 4. Wirkung in Literatur und Kunst

Werk und Grundkonflikt

„Iphigenie in Aulis“ ist eine Tragödie des griechischen Tragikers Euripides. Sie entstand zwischen 408 v. Chr. und 406 v. Chr. und wurde nach dem Tod des Dichters von seinem Sohn Euripides dem Jüngeren an den Dionysien 405 v. Chr. aufgeführt, gemeinsam mit den „Bakchen“ und „Alkmaion in Korinth“.

Im Mittelpunkt steht Iphigenie, die Tochter von Agamemnon und Klytaimnestra. Das Stück zeigt den Konflikt zwischen Agamemnons Pflicht als Heerführer und seiner Rolle als Vater: Um den Zug der Griechen nach Troja fortsetzen zu können, soll er seine Tochter opfern. Iphigenie wird damit zunächst zum Opfer einer Entscheidung, die Götter, Krieg und Männer treffen.

Opferforderung und Täuschung

Das griechische Heer zieht unter Agamemnons Führung in den Trojanischen Krieg und erreicht die Hafenstadt Aulis in Böotien. Dort verhindert Artemis, die Göttin, durch anhaltende Windstille die Weiterfahrt. Der Seher Kalchas prophezeit, die Göttin werde den Wind erst wieder freigeben, wenn Iphigenie geopfert worden sei. Agamemnon ist deshalb nach göttlichem Willen gezwungen, seine Tochter zu opfern, wenn das Heer Troja erreichen soll.

Iphigenie reist bereits nach Aulis, weil sie dort angeblich Achilleus heiraten soll. Agamemnon versucht, sie durch einen Brief zu warnen. Sein Bruder Menelaos fängt den Brief jedoch ab und stellt ihn zur Rede. Menelaos will im Streit zunächst nachgeben; als ein Bote die Ankunft Iphigenies mit Klytaimnestra und ihrem Bruder Orestes meldet, empfindet er Mitleid und möchte die Opferung verhindern. Agamemnon beschließt trotzdem, das Vorhaben auszuführen und es vor Klytaimnestra zu verbergen.

Entscheidung und Rettung

In Aulis empfängt Agamemnon seine Familie herzlich; Iphigenie freut sich über das Wiedersehen mit ihrem Vater. Klytaimnestra erfährt jedoch von einem alten Diener, dass die Verlobung nur eine Intrige ist, um Iphigenie nach Aulis zu locken. Als sie mit Achilleus allein ist, berichtet sie ihm davon. Achilleus erfährt erst jetzt von der angeblichen Verlobung und will Iphigenie retten.

Der Konflikt verschärft sich: Agamemnon hält am Opfer für Griechenland fest, Achilleus will es verhindern. Iphigenie erklärt schließlich selbst, sie sei bereit, für Griechenland zu sterben. Sie wird zum Opfer geschmückt und geweiht. Ein Botenbericht am Ende erklärt die Wendung: Artemis rettet Iphigenie als dea ex machina, also durch das überraschende Eingreifen einer Gottheit. Die Göttin entrückt Iphigenie zu den Göttern; an ihrer Stelle wird eine Hirschkuh geopfert.

Wirkung in Literatur und Kunst

Der Stoff wirkte stark auf Literatur und andere Künste. Schon in der Antike bearbeiteten die römischen Dramatiker Gnaeus Naevius und Quintus Ennius ihn in Tragödien, die nur fragmentarisch erhalten sind. Seit der Renaissance entstanden Übersetzungen, Nachdichtungen und dramatische Bearbeitungen.

Neben Euripides’ Original wurde Jean Racines „Iphigénie“ von 1674 wichtig für zahlreiche Opern des 18. Jahrhunderts, darunter Nicola Porporas „Ifigenia in Aulide“ (London 1735), Glucks „Iphigénie en Aulide“ (Paris 1774) und Martín y Solers „Ifigenia in Aulide“ (Neapel 1779). Weitere Bearbeitungen veröffentlichten Konrad Levezow 1804 und Gerhart Hauptmann 1943. Michael Cacoyannis verfilmte den Stoff 1977 als „Iphigenie“. Giorgos Lanthimos verweist mit dem Titel „The Killing of a Sacred Deer“ (2017) auf die Tragödie und auf mögliche Deutungen über Schuld, Verhängnis und Sühne. „Iphigenia“ von Joanna Bednarczyk und Ewelina Marciniak (2022) verbindet den Stoff mit aktuellen Diskursen wie MeToo sowie Fragen nach Gewalt, Moral und Opfer-Zuschreibungen.

Lernvideos zu Iphigenie in Aulis

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