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Internationaler Naturschutz

Internationaler Naturschutz ist ein Eigenbegriff, der Maßnahmen zur Analyse, Bewertung, Management und politische Instrumente zum Schutz von Natur auf …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Bedeutung
  2. 2. Ziele und Formen der Zusammenarbeit
  3. 3. Entwicklung und Strategien
  4. 4. Instrumente, Organisationen und Abkommen
  5. 5. Initiativen und Entwicklungszusammenarbeit
  6. 6. Partizipation und Kritik

Grundidee und Bedeutung

Internationaler Naturschutz bezeichnet Maßnahmen zur Analyse, Bewertung, zum Management und zu politischen Instrumenten, mit denen Natur auf internationaler Ebene geschützt werden soll. Der Begriff wird in Politik- und Sozialwissenschaften, biologischer Ökologie, Naturschutzbiologie und Naturschutzmanagement verwendet. Er ist Teil der globalen Umweltpolitik, wie sie unter anderem vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) betrieben wird.

Internationaler Naturschutz ist wichtig, weil Natur nicht an Staatsgrenzen endet und Naturzerstörung globales Ausmaß erreicht hat. Deshalb reichen lokale oder nationale Maßnahmen allein oft nicht aus. Seit der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung 1992 in Rio gilt der Verlust biologischer Vielfalt als globale Bedrohung menschlicher Lebensgrundlagen. Durch den Klimawandel hat das Thema zusätzlich an Bedeutung gewonnen, weil dieser den Verlust an biologischer Vielfalt beschleunigt.

Wichtige Felder sind der Schutz biologischer Vielfalt, auch Biodiversitätsschutz genannt, der internationale Meeres- und Küstenschutz sowie Naturschutz in der Entwicklungszusammenarbeit. Dazu gehören auch Informationsaustausch über den Clearing-House-Mechanismus und die Beteiligung der Menschen, die Natur nutzen. Ein wichtiges Prinzip ist Access and Benefit Sharing: der Zugang zu genetischen Ressourcen und ein gerechter Vorteilsausgleich bei ihrer Nutzung.

In Deutschland sind auf staatlicher Ebene das Bundesumweltministerium und bei der Umsetzung das Bundesamt für Naturschutz (BfN) für internationalen Naturschutz zuständig.

Ziele und Formen der Zusammenarbeit

Nach Erdmann (2003) verfolgt internationaler Naturschutz drei zentrale Ziele: die Sicherung der Funktions-, Leistungs- und Regenerationsfähigkeit des Naturhaushaltes und seiner Naturgüter; den Schutz wildlebender Tiere und Pflanzen in ihren natürlichen Lebensgemeinschaften; sowie die Erhaltung und behutsame Entwicklung von Eigenart, Vielfalt und Schönheit von Natur und Landschaft.

Der Begriff umfasst Aktivitäten von Akteuren aus verschiedenen Ländern mit dem gemeinsamen Ziel, eine Art, ein Ökosystem oder Biodiversität allgemein zu erhalten. Biodiversität meint die biologische Vielfalt, also die Vielfalt von Arten, Lebensräumen und genetischen Ressourcen.

Je nach Zahl der beteiligten Staaten unterscheidet man bilaterale Zusammenarbeit zwischen zwei Staaten, multilaterale Zusammenarbeit zwischen mehreren Staaten einer bestimmten Region und internationale Zusammenarbeit, die grundsätzlich allen Staaten offensteht. Spezielle Ziele sind, Natur durch gemeinsame Aktivitäten wirksamer zu schützen, als es ein einzelner Staat könnte, und die globale Vielfalt sowie die Funktionsfähigkeit des Naturhaushaltes in der gesamten Biosphäre zu bewahren.

Entwicklung und Strategien

Erste Vernetzungen nationaler Naturschutzanstrengungen gab es schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Grenzregionen einzelner Länder. Eine wichtige Institutionalisierung auf internationaler Ebene erfolgte 1948 mit der Gründung der IUCN. Mehr als 20 Jahre später kamen weitere Impulse aus dem maritimen Naturschutz, vor allem im Zusammenhang mit der UN-Seerechtskonferenz von 1974. Elisabeth Mann-Borgese setzte sich dabei für internationalen Meeresschutz ein und brachte das Thema in wichtige politische Gremien.

K.-H. Erdmann bezeichnet die Zeit von 1970 bis 1990 als „Konsolidierungsphase“ des internationalen Naturschutzes. Ein weiterer wichtiger Einschnitt war die Konferenz für Umwelt und Entwicklung der Vereinten Nationen 1992. Mit dem Begriff Sustainability, also Nachhaltigkeit, rückte die Nutzung von Naturgütern stärker in den Blick. Dadurch wurde Naturschutz zunehmend auch als Ressourcenschutz verstanden.

Damit veränderte sich teilweise auch die Grundidee: Neben dem konservierenden Naturschutz, der Natur erhalten und bewahren will, traten Begriffe wie „Naturentwicklung“ und „Lebensraum aus zweiter Hand“. Umstritten bleibt, wie sich Natur unter menschlichem Einfluss entwickeln soll. In der Praxis ist nachhaltige Entwicklung oder nachhaltiger Konsum nicht immer mit dem Schutz von Biozönosen vereinbar. Eine Biozönose ist eine Lebensgemeinschaft verschiedener Organismen in einem Lebensraum.

Globale Problemfelder nach K.-H. Erdmann sind Bodenerosion und Desertifikation, Verschmutzung von Binnengewässern und Meeren, Luftverschmutzung durch verschiedene Schadstoffe und der Rückgang der Artenvielfalt. Vor dem Hintergrund der globalen Erwärmung werden auch Veränderungen natürlicher Stoffkreisläufe berücksichtigt, etwa eine verminderte Funktion der Ozeane als CO2-Senke.

Instrumente, Organisationen und Abkommen

Zu den Instrumenten des internationalen Naturschutzes zählen nach Uppenbrink (1997) weltweite Übereinkommen, Programme und Richtlinien, regionale Übereinkommen und Programme, bilaterale Abkommen zwischen zwei Staaten, Projekte der Entwicklungszusammenarbeit, Naturschutzprojekte zur Sicherung von Schutzgebieten und gefährdeten Arten sowie Schutzgebietspartnerschaften, Personalaustausch, Ausbildungsprogramme, internationale Lobbyarbeit und grenzübergreifende Aktivitäten.

Wichtige internationale Organisationen sind die IUCN, das United Nations Environment Programme (UNEP) und das UNEP World Conservation Monitoring Centre. International arbeitende Nichtregierungsorganisationen sind unter anderem BirdLife International, Friends of the Earth, der International Fund for Animal Welfare (IFAW), Greenpeace, der WWF und zoologische Gesellschaften.

Internationale Abkommen können eher passiv regulieren oder die Staaten zu aktivem Handeln verpflichten. Das Internationale Übereinkommen zur Regelung des Walfangs legt zum Beispiel weltweite Fangquoten fest; ständiges Gremium ist die Internationale Walfangkommission (IWC). Die Konvention über die biologische Vielfalt (CBD) fordert ihre Mitglieder dagegen auf, aktiv für den Erhalt ihrer Biodiversität zu sorgen. Sie gilt als derzeit umfassendstes und weitreichendstes Regelwerk des internationalen Naturschutzes. 197 Staaten haben sich vertraglich verpflichtet, ihre Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten sowie Lebensräumen zu erhalten. Bei Nichteinhaltung gibt es keine Restriktionen oder Strafen, dennoch ist die CBD das bedeutendste politische Instrument des internationalen Biodiversitätsschutzes.

Zur CBD gehören Monitoringprogramme und Frühwarnsysteme, Schutz der Biodiversität in situ im Ökosystem und ex situ zum Beispiel in Genbanken, Forschung, Bildung, Öffentlichkeitsarbeit, Access and Benefit Sharing, Technologietransfer, wissenschaftliche Zusammenarbeit und Informationsaustausch. Deutschland arbeitete über 10 Jahre an einer Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt und ist seit 2010 mit der Umsetzung beschäftigt.

Weitere Beispiele sind MARPOL, 1973 durch die International Maritime Organization verabschiedet und 1978 ergänzt, als wichtigstes Abkommen zum Meeresumweltschutz in der kommerziellen Seefahrt; die Convention on the Conservation of Migratory Species of Wild Animals (CMS), deren Sekretariat in Bonn sitzt; und das Common Wadden Sea Secretariat für den Schutz des Wattenmeers, an dem Dänemark, Deutschland mit Niedersachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein sowie im Text erneut Dänemark genannt werden.

Initiativen und Entwicklungszusammenarbeit

Nichtstaatliche Akteure haben oft eigenständig Schutzgebiete ausgewiesen, teils bevor staatliche Stellen handelten. Seit 1981 weisen nationale Partner von BirdLife International, in Deutschland der NABU, weltweit Important Bird Areas aus. Diese Gebiete sind an Land und im Meer besonders wichtig als Rast- und Brutgebiete für Vögel. Sie sind zunächst nicht rechtlich verbindlich, werden aber oft in nationales Recht übernommen oder überschneiden sich mit anderen Schutzkategorien. 2004 gab es rund 7500 Important Bird Areas in fast 170 Staaten, Ende 2008 etwa 10.000.

Important Plant Areas entstanden aus einem 1999 auf dem Internationalen Botanikkongress in St. Louis diskutierten Konzept. Bereits 2002 wurde auf der CBD-Konferenz in Kenia die Globale Strategie zum Schutz der Pflanzen in die Konvention aufgenommen. Important Plant Areas sollen botanischen Naturschutz sichern; geschützt werden Gene, Arten beziehungsweise Sippen, Biotope, Ökosysteme, Biome sowie damit verbundenes Wissen und Kulturgut. In Deutschland ist das BfN mit der Umsetzung betraut.

Key Biodiversity Areas werden seit 2004 von IUCN, BirdLife International und anderen Organisationen entwickelt. Sie erfassen alle taxonomischen Gruppen, also Tiere wie Vögel, Landwirbeltiere oder Fische sowie die gesamte Flora, in bestehenden oder möglichen Schutzgebietssystemen. Kriterien sind unter anderem Verwundbarkeit und Unverzichtbarkeit von Habitaten für global bedrohte Arten, endemische Arten, Artenansammlungen in bestimmten Gebieten und Arten, die auf eine bestimmte Bioregion angewiesen sind.

Conservation International hat Regionen mit besonders hoher Artenvielfalt als Biodiversitäts-Hotspots bestimmt. Die Organisation geht davon aus, dass ein umfassender Schutz der globalen Biodiversität nötig wäre, setzt heute aber vor allem auf den Erhalt solcher Hotspots, um langfristig stabile Populationen und seltene Biozönosen zu schützen.

In der Entwicklungszusammenarbeit gilt: Der Schutz von Lebensräumen, Pflanzen und Tierarten gelingt nach neueren Ansätzen nur, wenn die lokale Bevölkerung maßgeblich einbezogen wird. Besonders wichtig sind Entwicklungs- und Schwellenländer, weil ein großer Teil der weltweiten Biodiversität dort liegt. Dabei entstehen oft Konflikte zwischen Schutzinteressen westlicher Staaten und unmittelbaren ökonomischen Interessen lokaler Bevölkerung. Häufig versuchen Akteure, alternative Erwerbsquellen wie Ökotourismus aufzubauen.

Partizipation und Kritik

Seit Mitte der 1990er Jahre gewinnt Partizipation im internationalen Naturschutz an Bedeutung. Gemeint ist die Beteiligung der Menschen, die Natur nutzen. Durch Aushandeln von Nutzungsalternativen soll möglichst ein win-win-Effekt entstehen: Naturschutz soll gestärkt werden, ohne die Lebensgrundlagen der Bevölkerung zu zerstören.

Der internationale Naturschutz steht zugleich in der Kritik, sein koloniales Erbe nicht ausreichend aufgearbeitet zu haben. Kritisiert wird, dass westliche Naturschutzorganisationen häufig von einer „unberührten“ Natur im Globalen Süden ausgehen, die geschützt werden müsse, während lokale Bevölkerung als Bedrohung dargestellt und ihr Handeln kriminalisiert werde. Die Planung von Schutzgebieten sei oft im Globalen Norden verankert und folge einem eurozentrischen Naturverständnis.

Weiter wird kritisiert, dass Naturschutzgebiete in vielen Fällen gewaltsam durchgesetzt, militarisiert und von weißen Führungspersonen geprägt seien. Dr. Mordecai Ogada formulierte dazu: „Naturschutz in Afrika folgt bis heute den Regeln der Kolonialzeit: Haltet schwarze Menschen fern von der Natur, damit weiße Menschen sie genießen können.“

Die Vorstellung einer „unberührten Wildnis“ wird ebenfalls kritisiert, weil fast alle Landschaften über Jahrtausende von Menschen geprägt wurden. Lokale und indigene Gruppen, die oft nachhaltig mit Ökosystemen umgehen, seien besonders von Beschränkungen betroffen und könnten ihrer Lebensweise nicht mehr nachgehen. In manchen Fällen würden sie gegen ihren Willen umgesiedelt oder „entwickelt“, was zu Interessenkonflikten und Menschenrechtsverletzungen führen könne. Genannt werden Beispiele unter anderem aus Tansania, Kongo und Indien. Als Gegenbewegung werden Ansätze beschrieben, die auf Dekolonisierung setzen und indigene Gemeinschaften als Expertinnen und Experten in Biodiversitäts- und Klimakrise einbeziehen.

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